Opioidabhängigkeit in der Schwangerschaft: Substitution
Hintergrund
Der Cochrane Review aus dem Jahr 2020 untersucht pharmakologische Erhaltungstherapien für schwangere Frauen mit einer Opioidabhängigkeit. Opiatkonsum in der Schwangerschaft ist mit einem stark erhöhten Risiko für geburtshilfliche Komplikationen und neonatale Probleme verbunden.
Zu den Risiken für das Neugeborene zählen das neonatale Abstinenzsyndrom (NAS), Entwicklungsstörungen, ein niedriges Geburtsgewicht sowie eine erhöhte Mortalität.
Eine Erhaltungstherapie mit Agonisten wie Methadon oder Buprenorphin zielt darauf ab, eine konstante Opiatkonzentration im mütterlichen Blut aufrechtzuerhalten. Dadurch sollen die schädlichen Auswirkungen wiederholter Entzüge auf den Fötus verhindert werden.
Empfehlungen
Der Review vergleicht verschiedene Erhaltungstherapien, weist jedoch darauf hin, dass die Gesamtqualität der Evidenz gering bis moderat ist.
Methadon im Vergleich zu Buprenorphin
Die Auswertung zeigt, dass Methadon und Buprenorphin hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit im Wesentlichen vergleichbar sind.
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Es gibt wahrscheinlich keinen relevanten Unterschied bei der Abbruchquote der Behandlung (moderate Evidenz).
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Der Konsum von Primärsubstanzen (wie Heroin) unterscheidet sich zwischen den Gruppen kaum (niedrige Evidenz).
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Die Anzahl der Neugeborenen, die wegen eines neonatalen Abstinenzsyndroms (NAS) behandelt werden müssen, ist vergleichbar.
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Das Geburtsgewicht könnte unter Buprenorphin höher ausfallen, die Evidenz hierfür ist jedoch sehr niedrig.
Methadon im Vergleich zu retardiertem Morphin
Für diesen Vergleich liegen nur Daten aus einer kleinen Studie vor, weshalb keine sicheren Schlussfolgerungen gezogen werden können.
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Retardiertes Morphin ist möglicherweise überlegen, was die Abstinenz vom Heroinkonsum während der Schwangerschaft betrifft.
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Bei der Abbruchquote der Behandlung zeigten sich keine Unterschiede.
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Hinsichtlich des Geburtsgewichts oder der Dauer des NAS beim Neugeborenen gibt es keine signifikanten Differenzen.
Sicherheit und Nebenwirkungen
Schwere unerwünschte Ereignisse für die Mutter oder das Kind unterscheiden sich laut den vorliegenden Daten nicht signifikant zwischen Methadon und Buprenorphin. Bei dem Vergleich mit Morphin traten vereinzelt Apnoen bei den Neugeborenen auf (zentrale Apnoe unter Methadon, obstruktive Apnoe unter Morphin).
Dosierung
Die in den eingeschlossenen Studien verwendeten Dosierungen der Erhaltungstherapien variierten. Der Review nennt folgende Dosierungsbereiche und Mittelwerte:
| Medikament | Dosierung / Mittelwert | Indikation |
|---|---|---|
| Methadon | 20-140 mg/Tag | Opiatabhängigkeit (Vergleichsstudien mit Buprenorphin) |
| Buprenorphin | 2-32 mg/Tag | Opiatabhängigkeit (Vergleichsstudien mit Methadon) |
| Methadon | 53,48 mg/Tag (Mittelwert bei Entbindung) | Opiatabhängigkeit (Vergleichsstudie mit Morphin) |
| Retardiertes Morphin | 300,43 mg/Tag (Mittelwert bei Entbindung) | Opiatabhängigkeit (Vergleichsstudie mit Methadon) |
💡Praxis-Tipp
Der Review betont, dass die Wahl zwischen Methadon und Buprenorphin individuell getroffen werden kann, da beide Substanzen ähnliche Sicherheits- und Wirksamkeitsprofile aufweisen. Es wird darauf hingewiesen, dass Begleitfaktoren wie der Nikotinkonsum der Mutter das Geburtsgewicht und das neonatale Abstinenzsyndrom stark beeinflussen können. Eine umfassende Betreuung sollte daher auch den Beikonsum adressieren.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review sind Methadon und Buprenorphin hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Sicherheit weitgehend gleichwertig. Die Evidenz reicht nicht aus, um eine klare Überlegenheit einer der beiden Substanzen zu belegen.
Die Daten deuten darauf hin, dass Neugeborene unter Buprenorphin möglicherweise ein höheres Geburtsgewicht haben als unter Methadon. Die Autoren des Reviews stufen die Qualität dieser Evidenz jedoch als sehr niedrig ein.
Der Review zeigt keinen signifikanten Unterschied in der Anzahl der Neugeborenen, die wegen eines NAS behandelt werden müssen, wenn Methadon mit Buprenorphin verglichen wird. Beide Medikamente können ein NAS auslösen.
Retardiertes Morphin wurde in einer kleinen Studie mit Methadon verglichen und zeigte möglicherweise Vorteile bei der Heroinabstinenz. Aufgrund der sehr geringen Datenlage lassen sich daraus jedoch keine festen Empfehlungen ableiten.
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Quelle: Cochrane Review: Maintenance agonist treatments for opiate-dependent pregnant women (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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