Onkologische Kardiologie: Monitoring und Nachsorge
Hintergrund
Viele onkologische Therapien, darunter klassische Chemotherapeutika, Strahlentherapien und moderne zielgerichtete Substanzen, können zu akuten oder chronischen kardiovaskulären Nebenwirkungen führen. Das Konsensuspapier der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) adressiert die Identifikation von Risikopatienten und das Management dieser Komplikationen.
Ein erhöhtes Risiko für kardiotoxische Ereignisse besteht insbesondere bei Patienten mit vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankungen oder klassischen Risikofaktoren wie arterieller Hypertonie und Diabetes mellitus. Auch eine stattgehabte systemische Tumortherapie oder Bestrahlung des Thorax stellt einen unabhängigen Risikofaktor dar.
Die Etablierung strukturierter onkokardiologischer Programme wird empfohlen, um eine interdisziplinäre Betreuung vor, während und nach der Krebstherapie zu gewährleisten. Dies schließt auch die lebenslange Nachsorge von Langzeitüberlebenden ein.
💡Praxis-Tipp
Das Konsensuspapier warnt davor, dass eine strahlentherapieassoziierte koronare Herzerkrankung (KHK) aufgrund einer strahlungsbedingten Neuropathie häufig atypisch oder vermindert symptomatisch verlaufen kann. Es wird betont, dass bei diesen Patienten eine frühzeitige Diagnostik mittels Belastungstests oder Koronar-CT auch bei fehlender typischer Angina pectoris von besonderer Relevanz ist. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die kardiale Toxizität von Anthrazyklinen ab einer kumulativen Dosis von 400 mg/m² Doxorubicin exponentiell ansteigt.
Häufig gestellte Fragen
Das DGK-Konsensuspapier empfiehlt vor Beginn einer Anthrazyklin-Therapie die Durchführung eines 12-Kanal-EKGs sowie einer Echokardiographie. Dabei ist insbesondere die qualitative und quantitative Einschätzung der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) zur Risikostratifizierung entscheidend.
Laut Leitlinie erfolgt die primäre Therapie einer Myokarditis unter Immuncheckpoint-Inhibitoren durch eine gewichtsadaptierte Steroidgabe (z.B. 1-2 mg/kg Prednisolon). Bei fehlendem Ansprechen oder hämodynamischer Instabilität wird eine zusätzliche Immunsuppression oder Plasmapherese empfohlen.
Strahlentherapieassoziierte kardiovaskuläre Komplikationen können sich sowohl akut als auch chronisch im Verlauf von über 20 Jahren nach der Strahlenexposition manifestieren. Die Leitlinie weist darauf hin, dass das Risiko für Klappenerkrankungen oder eine KHK oft erst nach Jahrzehnten deutlich ansteigt.
Eine Verlängerung der QTc-Zeit wird laut Leitlinie besonders häufig bei Tyrosinkinaseinhibitoren wie Vandetanib, Nilotinib oder Bosutinib beobachtet. Auch unter BRAF- und MEK-Inhibitoren sowie Histon-Deacetylase-Inhibitoren wird dieses Phänomen beschrieben.
Die Leitlinie empfiehlt bei einer Therapie mit HER2-Inhibitoren wie Trastuzumab eine klinische Evaluation, ein EKG und eine Bestimmung der LVEF vor Therapiebeginn. Darunter sollten die Kontrollen alle 3 Monate und nach Therapieende alle 6 Monate für bis zu 2 Jahre erfolgen.
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Quelle: Onkologische Kardiologie Konsensuspapier der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung, der Deutschen Gesellschaft für (DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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