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Urothelkarzinom (Harnblasenkarzinom): Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Schmerzlose Makro- oder Mikrohämaturie ist das Leitsymptom und erfordert zwingend eine zystoskopische Abklärung.
  • Nicht-muskelinvasive Tumoren (NMIBC) werden primär mittels TUR-B und anschließender Instillationstherapie (BCG oder Mitomycin C) behandelt.
  • Bei muskelinvasivem Karzinom (MIBC) ist die neoadjuvante cisplatinbasierte Chemotherapie gefolgt von radikaler Zystektomie der Standard.
  • In der metastasierten Erstlinientherapie ist die Kombination aus Enfortumab Vedotin und Pembrolizumab der neue präferierte Standard.
  • Bei Nachweis einer FGFR-Alteration steht in der Zweitlinie die zielgerichtete Therapie mit Erdafitinib zur Verfügung.
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Hintergrund

Das Urothelkarzinom (Harnblasenkarzinom) ist der vierthäufigste Tumor des Mannes. Das mediane Erkrankungsalter liegt in Deutschland bei über 70 Jahren. Der mit Abstand wichtigste Risikofaktor ist das Zigarettenrauchen, gefolgt von beruflichen Noxen (aromatische Amine), chronischen Entzündungen (z. B. Bilharziose) und vorangegangenen Therapien (Strahlentherapie, Cyclophosphamid).

Diagnostik

Das wesentliche Leitsymptom ist die schmerzlose Makro- oder Mikrohämaturie.

UntersuchungAnmerkung
Urinsediment und -zytologieSensitivität abhängig vom Tumorgrading (bei G1 gering, nicht zum Ausschluss geeignet)
SonographieAusschluss von Harnstau oder Urolithiasis
ZystoskopieWeißlicht- oder fluoreszenzbasiert (besonders bei high-grade oder Rezidiv)
TUR-BTransurethrale Resektion zur Histologiegewinnung und Staging

Bei muskelinvasivem Tumorverdacht, high-grade Tumoren oder multifokalem Befall erfolgt ein Ausbreitungsstaging mittels CT von Thorax, Abdomen und Becken (inklusive CT-Urographie).

Klassifikation

Die Einteilung erfolgt nach der TNM-Klassifikation. Prognostisch und therapeutisch entscheidend ist die Unterscheidung zwischen nicht-muskelinvasivem und muskelinvasivem Wachstum.

StadiumT-KategorieBeschreibung
NMIBCTa, Tis, T1Nicht-muskelinvasiv. Auf Mukosa/Submukosa beschränkt.
MIBCT2, T3, T4Muskelinvasiv. Infiltration der Muskularis propria oder tieferer Schichten.

Therapie: Nicht-muskelinvasives Urothelkarzinom (NMIBC)

  • TUR-B: Möglichst komplette Resektion. Eine Nachresektion (Re-TUR) ist indiziert bei inkompletter Resektion, fehlendem Muskelgewebe im Präparat (außer pTa low risk), pT1-Tumoren oder hohem Risiko.
  • Instillationstherapie: Frühinstillation mit Mitomycin C nach komplikationsloser TUR-B. Bei intermediärem oder hohem Risiko erfolgt eine Erhaltungstherapie mit BCG (Bacillus Calmette-Guérin) oder Mitomycin C über 1 bis 3 Jahre.

Therapie: Muskelinvasives Urothelkarzinom (lokalisiert)

Die Behandlung erfolgt multimodal nach interdisziplinärer Abstimmung.

  • Neoadjuvante Chemotherapie: Stellt den Standard für Cisplatin-geeignete Patienten dar (z. B. ddMVAC oder Gemcitabin/Cisplatin). Sie verbessert das Gesamtüberleben signifikant.
  • Operation: Radikale Zystektomie mit bilateraler pelviner Lymphadenektomie.
  • Adjuvante Immuntherapie: Nivolumab ist zugelassen bei hohem Rezidivrisiko (ypT3 oder ypN+) nach neoadjuvanter Chemotherapie oder bei Cisplatin-ungeeigneten Patienten.
  • Blasenerhalt (Trimodale Therapie): TUR-B gefolgt von simultaner Radiochemotherapie als kurative Alternative zur Zystektomie (besonders geeignet bei cT2N0).

Therapie: Metastasiertes Urothelkarzinom

Die Systemtherapie hat sich durch Immun- und zielgerichtete Therapien stark gewandelt.

TherapieliniePräferierte TherapieBemerkung / Indikation
ErstlinieEnfortumab Vedotin + PembrolizumabNeuer Standard, signifikanter Überlebensvorteil gegenüber Chemotherapie
Erstlinie (Alternative)Cisplatin/Gemcitabin + NivolumabBei Kontraindikationen gegen EV/Pembrolizumab
Erstlinie (Cisplatin-unfit)Carboplatin-basiert oder Checkpoint-InhibitorenAtezolizumab/Pembrolizumab als Monotherapie nur bei PD-L1 Positivität
ZweitlinieErdafitinibBei Nachweis einer suszeptiblen FGFR3-Mutation oder FGFR2-/FGFR3-Fusion
ZweitlinieEnfortumab VedotinAls Monotherapie, falls nicht bereits in der Erstlinie eingesetzt

Urothelkarzinom des oberen Harntraktes (UTUC)

Tumoren des Nierenbeckens und Harnleiters machen ca. 5% der Urothelkarzinome aus. Die Primärtherapie besteht aus radikaler Nephroureterektomie oder organerhaltender Teilresektion. Bei lokal fortgeschrittenem UTUC ist eine adjuvante platinbasierte Chemotherapie indiziert.

💡Praxis-Tipp

Veranlassen Sie bei jeder schmerzlosen Makrohämaturie zwingend eine zystoskopische Abklärung. Eine unauffällige Urinzytologie schließt ein Urothelkarzinom (insbesondere bei low-grade Tumoren) nicht aus.

Häufig gestellte Fragen

Das wichtigste Symptom ist die schmerzlose Makro- oder Mikrohämaturie.
Bei inkompletter Erstresektion, fehlendem Nachweis von Muskelgewebe im Präparat (außer bei pTa low risk), pT1-Tumoren und Tumoren mit hohem Risiko.
Die Kombination aus dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Enfortumab Vedotin und dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab ist der neue präferierte Standard.
Patienten mit lokalisiertem, muskelinvasivem Urothelkarzinom (ab cT2N0), sofern sie für eine Cisplatin-basierte Therapie geeignet sind.
Der Tyrosinkinaseinhibitor Erdafitinib ist für vorbehandelte Patienten mit FGFR3-Mutation oder FGFR2-/FGFR3-Fusion zugelassen.

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