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Hereditäre Sphärozytose: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die hereditäre Sphärozytose ist die häufigste angeborene hämolytische Anämie in Mitteleuropa und wird meist autosomal-dominant vererbt.
  • Die klinische Trias besteht aus Anämie (zwingend Coombs-negativ), Ikterus und Splenomegalie.
  • Ein MCHC-Wert > 35 g/dl in Kombination mit einer RDW > 15 % ist ein starker laborchemischer Hinweis.
  • Zur Diagnosesicherung werden mindestens zwei Testverfahren (z.B. AGLT und EMA-Test) gefordert.
  • Die (nahezu vollständige) Splenektomie ist die effektivste Therapie bei schweren oder komplizierten Verläufen.
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Hintergrund

Die hereditäre Sphärozytose (Kugelzellenanämie) ist eine heterogene Gruppe von Erkrankungen der Erythrozyten. Ursächlich sind Mutationen in den Genen für Membranproteine (v. a. Ankyrin-1, Bande 3, Spektrin). Dies führt zu einem Verlust der Kohäsion zwischen dem Membranskelett und der Lipidschicht. Die verformten Erythrozyten (Sphärozyten) werden in der Milz vorzeitig abgebaut. Die Vererbung erfolgt in ca. 90 % der Fälle autosomal-dominant.

Klinisches Bild und Komplikationen

Das klinische Spektrum reicht von asymptomatischen Verläufen bis zu schweren, transfusionsbedürftigen Anämien bereits im Kindesalter.

Symptom / KomplikationAnmerkung
AnämieStets Coombs-negativ
IkterusMeist Erhöhung des indirekten Bilirubins
SplenomegalieIn variablem Ausmaß vorhanden
CholelithiasisHäufige Folge der chronischen Hämolyse
Aplastische KriseAm häufigsten nach Erstinfektion mit Parvovirus B19
Hämolytische KriseOft getriggert durch interkurrente Infekte

Diagnostik

Ein einzelner Test reicht zur Diagnosesicherung nicht aus. Es wird der Einsatz von mindestens zwei verschiedenen Testverfahren empfohlen. Die Kombination aus AGLT und EMA-Test erreicht eine Sensitivität von bis zu 100 %.

Diagnostik-StufeParameter / TestBewertung
BasisdiagnostikMCHC > 35 g/dl & RDW > 15 %Starker Hinweis auf Membrandefekt
Retikulozyten, LDH, ind. BilirubinErhöht (Hämolysezeichen)
Direkter Coombs-TestZwingend negativ
WeiterführendEMA-Test (Durchflusszytometrie)Sensitivität 90-95 % (zeitkritisch < 48h)
AGLT (Acidified Glycerol Lysis Time)Sensitivität 80-95 % (zeitkritisch)
Ektazytometrie / Gen-AnalyseSpezialfällen vorbehalten

Differenzialdiagnosen

Abzugrenzen sind andere hereditäre Membrandefekte (z.B. hereditäre Elliptozytose, Stomatozytose, Xerozytose) sowie erworbene Ursachen wie die autoimmunhämolytische Anämie (AIHA). Bei der AIHA ist der direkte Coombs-Test in der Regel positiv, es gibt jedoch seltene Coombs-negative Formen.

Therapie

Eine kausale Therapie existiert nicht. Die effektivste symptomatische Maßnahme ist die Splenektomie. Um das lebenslange Risiko schwerer Infektionen (v. a. Pneumokokken) zu minimieren, sollte eine nahezu vollständige (partielle) Splenektomie der kompletten Entfernung vorgezogen werden.

SchweregradEmpfehlung zur Splenektomie
LeichtIn der Regel nicht erforderlich
MittelschwerBei Komplikationen (>2 Transfusionen, Leistungsknick, symptomatische Splenomegalie)
Schwer / Sehr schwerIndiziert bei allen Patienten

Hinweis: Bei symptomatischer Cholelithiasis ist zusätzlich eine Cholezystektomie indiziert.

Verlaufskontrolle

  • Labor: Bedarfsorientierte Blutbildkontrollen (besonders bei Infekten).
  • Eisen/Vitamine: Jährliche Kontrolle von Ferritin (seltene Eisenüberladung möglich) sowie Vitamin B12 und Folsäure.
  • Bildgebung: Sonographie der Gallenwege und Milz alle 3 Jahre.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei asymptomatischen Patienten auf die Kombination aus einem MCHC > 35 g/dl und einer RDW > 15 %. Dies ist ein starker laborchemischer Hinweis auf eine hereditäre Sphärozytose. Beachten Sie, dass EMA-Test und AGLT zeitkritisch sind und rasch nach der Blutentnahme erfolgen müssen.

Häufig gestellte Fragen

Typisch ist eine hyperregeneratorische Anämie mit erhöhtem MCHC (>35 g/dl), erhöhter RDW (>15 %), Retikulozytose und zwingend negativem Coombs-Test.
Die Diagnose sollte nicht auf einem einzelnen Test beruhen. Empfohlen wird die Kombination aus mindestens zwei Verfahren, idealerweise AGLT (Acidified Glycerol Lysis Time) und EMA-Test (Durchflusszytometrie).
Bei allen schweren und sehr schweren Verläufen sowie bei mittelschweren Verläufen mit Komplikationen (z.B. transfusionsbedürftige Krisen, symptomatische Splenomegalie).
Eine Erstinfektion mit dem Parvovirus B19 führt am häufigsten zu einer aplastischen Krise, die einen starken, transfusionsbedürftigen Abfall des Hämoglobins verursachen kann.

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