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Akute Myeloische Leukämie (AML): Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose einer AML erfordert meist ≥20 % Blasten im Knochenmark oder Blut, bei bestimmten genetischen Markern auch weniger.
  • Die Therapieplanung basiert zwingend auf der genetischen Risikostratifizierung nach ELN 2022.
  • Fitte Patienten erhalten eine 7+3-Induktionstherapie, zunehmend kombiniert mit zielgerichteten Substanzen (z.B. Midostaurin, Gemtuzumab Ozogamicin).
  • Für ältere oder unfitte Patienten ist die Kombination aus Azacitidin/Decitabin und Venetoclax der Therapiestandard.
  • Die Messung der messbaren Resterkrankung (MRD) steuert zunehmend die Postremissionstherapie.
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Hintergrund

Die Akute Myeloische Leukämie (AML) ist eine Neoplasie der hämatopoetischen Stamm- und Progenitorzellen. Die Inzidenz steigt mit dem Alter an (Altersmedian 72 Jahre). Zu den Risikofaktoren zählen vorangegangene zytotoxische Therapien (sekundäre AML), myelodysplastische Syndrome (MDS), Rauchen (40 % erhöhtes Risiko bei aktiven Rauchern) sowie eine altersassoziierte klonale Hämatopoese (CHIP).

Klinisches Bild und Diagnostik

Symptome resultieren meist aus der Knochenmarkinsuffizienz: Anämie (Schwäche), Neutropenie (Infektionen) und Thrombozytopenie (Blutungen). Bei Leukozyten >100.000/µl droht eine lebensgefährliche Leukostase.

Krankheitsdefinierend ist ein Blastenanteil von ≥20 % im peripheren Blut oder Knochenmark. Bei Nachweis spezifischer genetischer Veränderungen (z.B. PML::RARA, RUNX1::RUNX1T1, CBFB::MYH11, NPM1-Mutation) kann die Diagnose nach WHO 2022 auch unabhängig von der Blastenzahl gestellt werden.

BereichEssenzielle Untersuchungen
BasisdiagnostikBlutbild, Knochenmarkzytologie, Immunphänotypisierung
ZytogenetikKlassische Chromosomenanalyse
MolekulargenetikFLT3 (ITD/TKD), NPM1, CEBPA, TP53, IDH1/2, ASXL1, RUNX1, Fusionsgene

Risikoklassifikation

Die Prognose und Postremissionstherapie richten sich maßgeblich nach der ELN-Klassifikation 2022:

RisikogruppeTypische genetische Aberrationen
Günstigt(8;21), inv(16), mutiertes NPM1 (ohne FLT3-ITD), bZIP in-frame CEBPA
Intermediärmutiertes NPM1 mit FLT3-ITD, Wildtyp NPM1 mit FLT3-ITD, t(9;11)
UngünstigKomplexer Karyotyp, mutiertes TP53, -5, -7, ASXL1, RUNX1

Therapie fitte Patienten (kurativer Ansatz)

Patienten bis ca. 75 Jahre ohne schwere Komorbiditäten erhalten eine intensive Therapie. Wichtig: Der Therapiestart sollte (außer bei Notfällen wie Leukostase) bis zum Vorliegen der Genetik abgewartet werden, um zielgerichtet behandeln zu können.

SubgruppeInduktionstherapieBemerkung
Standard7+3-SchemaCytarabin (7 Tage) + Anthrazyklin (3 Tage)
CBF-AML / NPM1-mut7+3 + Gemtuzumab Ozogamicin (GO)Bei CD33-Positivität (Altersgrenze <70 Jahre für GO)
FLT3-Mutation7+3 + Midostaurin / QuizartinibQuizartinib präferiert bei FLT3-ITD <60 Jahre
AML-MR / tAMLCPX-351Liposomales Cytarabin/Daunorubicin

Postremissionstherapie

Nach Erreichen einer kompletten Remission (CR) ist eine Konsolidierung zwingend:

  • Günstiges Risiko: Chemokonsolidierung mit hochdosiertem Cytarabin (HDAC).
  • Intermediäres / Ungünstiges Risiko: Allogene Stammzelltransplantation (SZT) bei Spenderverfügbarkeit.
  • Erhaltungstherapien: Z.B. orales Azacitidin (CC-486) bei NPM1-mut ohne SZT-Option, oder Sorafenib/Quizartinib bei FLT3-ITD nach allogener SZT.

Therapie ältere / unfitte Patienten

Für Patienten >75 Jahre oder mit schweren Komorbiditäten (ECOG ≥3, Herzinsuffizienz) steht die Lebensverlängerung bei guter Lebensqualität im Fokus.

StufeTherapieBemerkung
1. WahlHMA + VenetoclaxAzacitidin oder Decitabin kombiniert mit Venetoclax. Führt zu deutlicher Überlebensverlängerung.
AlternativeHMA-MonotherapieFalls Venetoclax kontraindiziert ist.
PalliativBest Supportive Care (BSC)Ggf. Hydroxyurea zur Zytoreduktion.

💡Praxis-Tipp

Warten Sie bei klinisch stabilen Patienten mit dem Beginn der Induktionstherapie auf die molekulargenetische Diagnostik (v.a. FLT3, NPM1, CBF). Bei Hyperleukozytose (>50-100 Gpt/l) ist jedoch eine sofortige Zytoreduktion mit Hydroxyurea (ggf. 4-5 g/Tag) indiziert.

Häufig gestellte Fragen

Krankheitsdefinierend sind generell ≥20 % Blasten. Bei Nachweis spezifischer genetischer Veränderungen (z.B. PML::RARA, t(8;21), NPM1-Mutation) gilt die Diagnose nach WHO 2022 jedoch auch unabhängig von der Blastenzahl.
Der Therapiestandard erster Wahl ist die Kombination aus einer hypomethylierenden Substanz (Azacitidin oder Decitabin) und dem BCL2-Inhibitor Venetoclax.
Eine allogene SZT wird für fitte Patienten mit intermediärem oder ungünstigem genetischen Risiko (nach ELN 2022) empfohlen, sofern ein geeigneter Spender zur Verfügung steht.
Fitte Patienten erhalten zur Standard-Induktion (7+3) zusätzlich einen Tyrosinkinase-Inhibitor. Bei FLT3-ITD <60 Jahre wird Quizartinib präferiert, ansonsten Midostaurin.

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