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Sichelzellkrankheiten: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Hydroxycarbamid (HU) ist die medikamentöse Basistherapie ab dem 9. Lebensmonat zur HbF-Steigerung.
  • Bei Transfusionen darf ein Hb-Wert von 10 g/dl nicht überschritten werden (Gefahr des Hyperviskositäts-Syndroms).
  • Das Akute Thorax-Syndrom (ATS) ist die häufigste Todesursache und erfordert sofortige Intensivüberwachung.
  • Die Schmerztherapie bei akuten Krisen erfolgt nach dem WHO-Stufenschema, oft mit frühzeitigem Opiat-Einsatz.
  • Kurative Ansätze umfassen die allogene Stammzelltransplantation und CRISPR/Cas9-basierte Gentherapien.
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Hintergrund

Die Sichelzellkrankheit umfasst Hämoglobinopathien, die durch das Hämoglobin S (HbS) verursacht werden. Es handelt sich um Multiorgan-Krankheiten, die durch chronische Hämolyse und rezidivierende Gefäßverschlüsse gekennzeichnet sind. In Deutschland leben schätzungsweise 3.000 bis 5.000 Betroffene.

Diagnostik

Die Primärdiagnostik erfolgt idealerweise über das Neugeborenen-Screening. Bei Verdacht (z. B. hämolytische Anämie, rezidivierende Schmerzen) ist eine Hämoglobinanalyse indiziert.

IntervallUntersuchungen
Alle 3 MonateBlutbild (unter Hydroxycarbamid-Therapie)
HalbjährlichAnamnese, körperliche Untersuchung, Blutbild, Retikulozyten, Nieren-/Leberwerte, Urinstatus, Blutdruck, O2-Sättigung
JährlichAbdomen-Sonographie, EKG, Doppler-Echokardiographie, Retinoskopie

Medikamentöse Therapie: Hydroxycarbamid (HU)

HU ist die Basistherapie zur Steigerung der HbF-Synthese und Reduktion von Schmerzkrisen.

  • Indikation: Alle Patienten mit HbSS, HbS-β°-Thalassämie, HbSD und HbSOArab ab dem 9. Lebensmonat.
  • Dosierung Kinder: 20 mg/kg KG pro Tag.
  • Dosierung Erwachsene: 15 mg/kg KG pro Tag.
  • Ziel: Dosissteigerung bis max. 35 mg/kg/Tag. Ein MCV-Anstieg ist gewünscht und kein Grund zur Dosisreduktion.

Transfusionstherapie

Es wird zwischen einfacher Transfusion und Austauschtransfusion unterschieden. Warnung: Das Hämoglobin darf nicht auf Normalwerte angehoben werden (max. 10 g/dl), da sonst ein lebensbedrohliches Hyperviskositäts-Syndrom droht.

IndikationVerfahrenZiel
Symptomatische AnämieEinfache TransfusionHb max. 10 g/dl
Akuter ApoplexAustauschtransfusionHbS < 30 %
Schweres Akutes Thorax-SyndromAustauschtransfusionHbS < 30 %
Schwere Sepsis / MultiorganversagenAustauschtransfusionHbS < 30 %

Akute Schmerzkrise

Schmerzkrisen sind der häufigste Aufnahmegrund. Die Therapie erfolgt nach dem WHO-Stufenschema. Transfusionen sind bei unkomplizierten Schmerzkrisen kontraindiziert.

SchmerzintensitätMedikamentEinzeldosisMax. Tagesdosis
LeichtParacetamol1 g p.o./i.v.4 g
LeichtIbuprofen400-800 mg p.o.1600-2400 mg
MittelTramadol50-100 mg p.o.400 mg
StarkMorphin0,1-0,15 mg/kg i.v./s.c.Dauerinfusion 0,03-0,05 mg/kg/h

Akutes Thorax-Syndrom (ATS)

Das ATS ist die häufigste Todesursache.

  • Symptome: Thoraxschmerzen, Fieber, Tachypnoe, Hypoxie, Husten, neue Infiltrate im Röntgen.
  • Therapie: Sofortige Intensivüberwachung, O2-Gabe (Ziel >95 %), Flüssigkeitsrestriktion (max. 1,5 l/m2), Antibiotika (Cephalosporin + Makrolid). Bei Hb < 7 g/dl einfache Transfusion, bei > 7 g/dl oder fulminantem Verlauf Austauschtransfusion.

Neue und kurative Therapien

  • Stammzelltransplantation: Einziger etablierter kurativer Ansatz (bevorzugt HLA-identischer Familienspender).
  • Gentherapie: CRISPR/Cas9-basierte Geneditierung (Steigerung der HbF-Produktion) ist in ausgewählten Zentren verfügbar.

💡Praxis-Tipp

Heben Sie den Hb-Wert bei Sichelzellpatienten niemals auf Normalwerte an. Ein Hb > 10 g/dl führt zum lebensbedrohlichen Hyperviskositäts-Syndrom. Nutzen Sie bei akuten ZNS-Ereignissen oder schwerem ATS primär die Austauschtransfusion (Ziel-HbS < 30 %).

Häufig gestellte Fragen

Bei allen Patienten mit HbSS, HbS-β°-Thalassämie, HbSD und HbSOArab ab dem 9. Lebensmonat zur Reduktion von Schmerzkrisen und ATS.
Der Hämatokrit sollte 30 % (Hb 10 g/dl) nicht überschreiten, um ein Hyperviskositäts-Syndrom zu vermeiden.
Nach dem WHO-Stufenschema. Bei starken Schmerzen frühzeitig Morphin (z.B. 0,1-0,15 mg/kg i.v.) einsetzen. Transfusionen sind bei unkomplizierten Schmerzkrisen kontraindiziert.
Thoraxschmerzen, Fieber, Tachypnoe, Hypoxie, Husten und neu aufgetretene Infiltrate im Röntgen-Thorax.

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