ClariMedClariMed

Beta-Thalassämie: Leitlinie zu Diagnostik & Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Beta-Thalassämie wird klinisch in Minor (Träger), Intermedia (NTDT) und Major (TDT) unterteilt.
  • Die Diagnose wird durch Hämoglobin-Analyse (erhöhtes HbF/HbA2) und DNA-Analyse gesichert.
  • Ziel der regelmäßigen Transfusionstherapie ist ein Basis-Hämoglobinwert von 9,5–10 g/dl.
  • Eine Eisenchelattherapie ist nach 10–15 Transfusionen oder bei Ferritin >1.000 µg/l indiziert.
  • Kausale Therapieoptionen umfassen die allogene Stammzelltransplantation und die Gen-editierende Therapie (Exa-cel).
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Beta-Thalassämien gehören zu den weltweit häufigsten monogenetischen hereditären Erkrankungen. Ursächlich sind Mutationen im Beta-Globingen (HBB) auf Chromosom 11, die zu einer reduzierten (Beta+) oder fehlenden (Beta0) Globinkettensynthese führen. Der resultierende Alpha-Globinketten-Überschuss verursacht eine hochgradig ineffektive Erythropoese und Hämolyse.

Klassifikation und Klinik

Klinisch wird die Erkrankung in drei Grundtypen eingeteilt, wobei in der aktuellen Literatur zunehmend zwischen transfusionsabhängiger (TDT) und nicht-transfusionsabhängiger Thalassämie (NTDT) unterschieden wird:

PhänotypTransfusionsbedarfKlinische Merkmale
Thalassaemia minorKeinerMeist asymptomatischer Trägerstatus, ggf. milde Anämie.
Thalassaemia intermediaNicht obligat (NTDT)Mäßige Anämie (Hb 7–10 g/dl), Risiko für extramedulläre Blutbildung, pulmonale Hypertonie und sekundäre Hämochromatose.
Thalassaemia majorLebenslang (TDT)Schwere Anämie, Gedeihstörung, Hepatosplenomegalie, Facies thalassaemica. Manifestation im 1. Lebensjahr.

Diagnostik

Die Basisdiagnostik umfasst Blutbild, Hämoglobin-Analyse (Elektrophorese, HPLC) und den Eisenstatus.

  • Sicherung: Charakteristische Erythrozytenmorphologie (hypochrom, mikrozytär) und stark erhöhter HbF-Anteil.
  • Molekulargenetik: DNA-Analyse zur Bestimmung der spezifischen Mutation, zur Abklärung einer Thalassaemia intermedia oder zur Pränataldiagnostik.

Kausale Therapie

TherapieansatzIndikation / Bemerkung
Allogene Stammzelltransplantation (SZT)Therapie der Wahl für transplantationsfähige Patienten, idealerweise von HLA-identischen Geschwistern.
Gentherapie (Exa-cel)CRISPR/Cas9-basiert. Zugelassen ab 12 Jahren für TDT-Patienten ohne passenden HLA-Spender. Ziel: Transfusionsfreiheit.
LuspaterceptTGF-Beta-Liganden-Blocker. Zugelassen für TDT und NTDT zur Steigerung der Erythropoese-Effektivität und Reduktion der Transfusionslast.
HydroxycarbamidOff-Label-Use zur HbF-Induktion bei Thalassaemia intermedia (12–15 mg/kg KG/Tag).

Symptomatische Therapie

Transfusionstherapie

Bei der Thalassaemia major ist eine lebenslange Transfusionstherapie indiziert.

  • Ziel: Basis-Hämoglobinwert von 9,5–10 g/dl (bei kardialen Problemen mind. 10 g/dl).
  • Intervall: Alle 2 bis 4 Wochen (meist 3 Wochen mit 12–15 ml/kg KG).

Bei der Thalassaemia intermedia richtet sich der Transfusionsbeginn nach der Klinik (z.B. Wachstumsstörungen, extramedulläre Blutbildung, kardiopulmonale Komplikationen), nicht primär nach dem Hb-Wert.

Eisenchelattherapie

Aufgrund der Transfusionen und der gesteigerten Eisenresorption entsteht eine sekundäre Hämochromatose. Indikation zum Beginn:

  • Serumferritin >1.000 µg/l
  • Lebereisengehalt >3,2 mg/g (Biopsie) bzw. >4,5 mg/g (MRT)
  • Nach ca. 10–15 Transfusionen
WirkstoffApplikationBesonderheiten
Deferoxamins.c. / i.v.Nächtliche Infusion (10–12h). Nebenwirkungen: Seh-/Hörstörungen, lokale Reaktionen.
Deferasiroxp.o. (1x tgl.)Exkretion fäkal. Nebenwirkungen: Gastrointestinal, Kreatininanstieg, Transaminasen erhöht.
Deferipronp.o. (3x tgl.)Besonders wirksam bei Herzeisenbeladung. Risiko: Schwere Neutropenie (Blutbildkontrollen!).

Bei schwerer Eisenüberladung (z.B. T2*-Zeit im Kardio-MRT <10 ms) ist eine Kombinationstherapie (z.B. Deferoxamin + Deferipron) indiziert.

Verlaufskontrollen

Regelmäßige Kontrollen sind essenziell zur Vermeidung von Organschäden:

  • Kardial: Echokardiographie und EKG (jährlich ab 10 J.), Kardio-MRT zur Herzeisenbestimmung (T2*-Zeit).
  • Hepatisch: MRT zur Lebereisenbestimmung (jährlich), Sonographie, Leberwerte.
  • Endokrin: Jährliche Kontrolle von Schilddrüse, Glukosetoleranz (OGTT), Knochendichte und Sexualhormonen.

💡Praxis-Tipp

Machen Sie den Beginn einer Transfusionstherapie bei Thalassaemia intermedia stets von der klinischen Symptomatik (z.B. Wachstumsstörungen, extramedulläre Blutbildung) abhängig, nicht isoliert vom gemessenen Hämoglobinwert.

Häufig gestellte Fragen

Nach etwa 10-15 Transfusionen, bei einem Serumferritin >1.000 µg/l oder einem Lebereisengehalt >3,2 mg/g (Biopsie) bzw. >4,5 mg/g (MRT).
Es wird ein Basis-Hämoglobinwert von 9,5 bis 10 g/dl angestrebt. Bei kardialen Problemen sollte der Wert bei mindestens 10 g/dl liegen.
Die allogene Stammzelltransplantation ist die Therapie der Wahl. Alternativ steht für Patienten ab 12 Jahren ohne passenden Spender die CRISPR/Cas9-basierte Gentherapie Exagamglogen Autotemcel (Exa-cel) zur Verfügung.
Luspatercept ist ein TGF-beta-Liganden-Blocker, der die Effektivität der Erythropoese steigert. Er ist zur Reduktion der Transfusionslast bei transfusionsabhängiger (TDT) und nicht-transfusionsabhängiger (NTDT) Beta-Thalassämie zugelassen.

Verwandte Leitlinien