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Myelodysplastische Neoplasien (MDS): Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose eines MDS erfordert eine zyto- und histomorphologische Knochenmarkdiagnostik kombiniert mit Zytogenetik und Molekulargenetik.
  • Die Prognose wird zunehmend durch den neuen molekularen Score IPSS-M bestimmt, der 31 Gene in die Risikostratifizierung einbezieht.
  • Bei Niedrigrisiko-MDS stehen supportive Maßnahmen, Erythropoese stimulierende Faktoren (ESF), Luspatercept und Lenalidomid im Vordergrund.
  • Für Hochrisiko-Patienten ist die allogene Stammzelltransplantation die einzige kurative Option; alternativ kommt Azacitidin zum Einsatz.
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Hintergrund

Myelodysplastische Neoplasien (MDS) sind klonale Erkrankungen der hämatopoetischen Stammzelle. Sie sind gekennzeichnet durch Dysplasien von Blut- und Knochenmarkzellen, eine hämatopoetische Insuffizienz und ein erhöhtes Risiko für den Übergang in eine akute myeloische Leukämie (AML). Der Leitbefund bei Erstmanifestation ist in 70-80 % der Fälle eine Anämie.

Diagnostik

Die Diagnostik erfordert eine umfassende Untersuchung von peripherem Blut und Knochenmark. Ein Blastenanteil von 20 % in Blut oder Knochenmark definiert den Übergang zur AML.

MaterialObligate UntersuchungenOptionale / Ergänzende Untersuchungen
Peripheres BlutBlutbild, Differenzialblutbild, RetikulozytenErythropoetinspiegel, Folsäure, Vitamin B12, Ferritin, LDH
KnochenmarkZytologie (inkl. Eisenfärbung), HistologieImmunphänotypisierung (zum Ausschluss von Differenzialdiagnosen)
GenetikZytogenetik (20 Metaphasen), Mutationsanalyse (mind. SF3B1, TP53)Erweitertes molekulares Panel für IPSS-M

Klassifikation und Prognose

Die WHO-Klassifikation 2022 teilt MDS grundlegend in genetisch definierte (z.B. MDS mit del(5q) oder SF3B1-Mutation) und morphologisch definierte Typen ein.

Zur Prognoseabschätzung wird traditionell der IPSS-R genutzt. Zunehmend wird der IPSS-M (Molecular) angewendet. Dieser integriert klinische Parameter und den Mutationsstatus von 31 Genen und ermöglicht eine deutlich präzisere Risikostratifizierung.

IPSS-M RisikogruppeMedianes Gesamtüberleben (Jahre)AML-Transformation nach 3 Jahren
Very Low10,63 %
Low6,05 %
Mod. Low4,611 %
Mod. High2,819 %
High1,729 %
Very High1,043 %

Therapie: Niedrigrisiko-MDS

Das primäre Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität und die Behebung von Zytopenien. Bei asymptomatischen Patienten ist oft eine "Watch and Wait"-Strategie ausreichend.

TherapieansatzIndikationBemerkung
SupportivtherapieSymptomatische ZytopenienErythrozyten-/Thrombozytenkonzentrate; ggf. Eisenchelation bei Ferritin >1000 ng/ml
ESF (Erythropoetin)Anämie, Epo-Spiegel <500 U/lAnsprechen nach Nordic-Score abschätzen; ggf. Kombination mit niedrig dosiertem G-CSF
LuspaterceptMDS-RS oder SF3B1-MutationBei transfusionsbedürftiger Anämie nach Versagen von ESF
LenalidomidMDS mit isolierter Deletion 5qFührt bei ca. 60 % zur Transfusionsunabhängigkeit (Dosis: 10 mg/Tag)
ImmunsuppressionHypozelluläres KM, niedriges RisikoAntithymozytenglobulin (ATG) + Cyclosporin (nur in spezialisierten Zentren)

Therapie: Hochrisiko-MDS

Ziel ist die Lebensverlängerung und die Verzögerung der AML-Progression.

  • Allogene Stammzelltransplantation: Dies ist die einzige kurative Option. Sie sollte bei allen geeigneten Hochrisiko-Patienten geprüft werden.
  • Epigenetische Therapie: Azacitidin (75 mg/m² an 7 Tagen, alle 28 Tage) ist der Standard für Patienten, die nicht transplantationsfähig sind. Es verlängert das Gesamtüberleben signifikant. Es müssen mindestens 4-6 Zyklen verabreicht werden, bevor das Ansprechen abschließend beurteilt wird.
  • Intensive Chemotherapie: Keine Standardoption. Sie wird nur in Einzelfällen zur Remissionsinduktion vor einer geplanten allogenen Stammzelltransplantation eingesetzt.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie vor Beginn einer Therapie mit Erythropoese stimulierenden Faktoren (ESF) immer den endogenen Erythropoetin-Spiegel. Bei Werten >500 U/l ist ein Ansprechen auf ESF sehr unwahrscheinlich.

Häufig gestellte Fragen

Luspatercept ist indiziert bei Patienten mit transfusionsbedürftiger Anämie bei MDS mit Ringsideroblasten (MDS-RS) oder SF3B1-Mutation, die auf Erythropoese stimulierende Faktoren (ESF) nicht angesprochen haben oder keine hohe Wahrscheinlichkeit für ein Ansprechen aufweisen.
Patienten mit Niedrigrisiko-MDS, transfusionspflichtiger Anämie und einer singulären Deletion am Chromosom 5 (del(5q)). Etwa 60 % dieser Patienten erreichen darunter eine Transfusionsunabhängigkeit.
Der IPSS-M (Molecular International Prognostic Scoring System) ist ein neuer Risikoscore, der neben klinischen Parametern (Blasten, Hb, Thrombozyten, Zytogenetik) auch den Mutationsstatus von 31 Genen einbezieht, um die Prognose deutlich präziser vorherzusagen als der alte IPSS-R.
Da der Effekt der epigenetischen Modulation langsam eintritt, sollten mindestens 4 bis 6 Zyklen Azacitidin verabreicht werden, bevor eine abschließende Beurteilung des Ansprechens erfolgt.
Ja, die allogene Stammzelltransplantation stellt das bisher einzige potenziell kurative Verfahren dar. Sie kommt vor allem bei Hochrisiko-Patienten oder ausgewählten Niedrigrisiko-Patienten mit refraktären Zytopenien zum Einsatz.

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