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MGUS (Monoklonale Gammopathie): Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die MGUS ist eine asymptomatische Präkanzerose ohne eigenen Krankheitswert und bedarf keiner Therapie.
  • Das Progressionsrisiko zum Multiplen Myelom oder anderen Neoplasien hängt von der Höhe des M-Proteins, dem Immunglobulin-Typ und der Leichtketten-Ratio ab.
  • Die Abgrenzung zum symptomatischen Myelom erfolgt über das Fehlen der CRAB- und SLiM-Kriterien.
  • Verlaufskontrollen richten sich nach dem individuellen Risikoprofil; bei einer Lebenserwartung unter 5 Jahren kann auf routinemäßige Kontrollen verzichtet werden.
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Hintergrund

Die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) beruht auf einer klinisch asymptomatischen klonalen Plasmazellproliferation. Sie weist keine Malignitätskriterien auf und bedarf keiner Therapie. Dennoch gilt sie als gesicherte Präkanzerose für maligne lymphoproliferative Erkrankungen (wie das Multiple Myelom, Morbus Waldenström, Non-Hodgkin-Lymphom) oder die AL-Amyloidose. Die Inzidenz steigt mit dem Alter und liegt bei etwa 3 % der Menschen über 50 Jahre und bei 5 % der Menschen über 70 Jahre.

Diagnosekriterien

Die Diagnose erfordert die strikte Abgrenzung zu malignen Erkrankungen. Die Kriterien der International Myeloma Working Group (IMWG) unterscheiden drei Subtypen:

SubtypDiagnosekriterienProgressionsrisiko
Non-IgM-MGUSKlonales Protein <30 g/l, Plasmazellen im Knochenmark <10 %, Fehlen von CRAB-Kriterien oder Symptomen1 % pro Jahr
IgM-MGUSKlonales Protein <30 g/l, Plasmazellen im Knochenmark <10 %, Abwesenheit von Symptomen (z.B. Anämie, Lymphadenopathie)1,5-2 % pro Jahr
Leichtketten-MGUSAbnormale FLC-Ratio, keine schwere Kette nachweisbar, Plasmazellen <10 %, klonales Protein im Urin <500mg/24h, keine Endorganschäden0,3 % pro Jahr

Progressionsrisiko

Das Risiko für den Übergang in ein Multiples Myelom oder ein malignes Lymphom variiert individuell stark. Ein Hochrisiko-MGUS (Progressionswahrscheinlichkeit >50 % nach 20 Jahren) liegt vor, wenn alle drei folgenden Risikofaktoren erfüllt sind:

  • Monoklonales Protein $\ge$ 15 g/l
  • Abnormaler Quotient der freien Kappa- und Lambda-Leichtketten im Serum (FLC-Ratio)
  • Nicht-IgG-MGUS

Fehlen alle Faktoren, spricht man von einem Niedrigrisiko-MGUS (Progressionsrisiko ca. 5 % nach 20 Jahren).

Diagnostik

Die Basisdiagnostik dient dem Nachweis des Paraproteins und dem Ausschluss einer zugrundeliegenden behandlungsbedürftigen Erkrankung.

Labordiagnostik:

  • Blutbild inkl. Differenzialblutbild
  • Elektrolyte (Natrium, Kalium, Kalzium) und Nierenwerte (Kreatinin, GFR, Harnstoff)
  • Gesamteiweiß, Albumin, Beta-2-Mikroglobulin
  • Serumeiweißelektrophorese, quantitative Immunglobuline, Immunfixation
  • Freie Leichtketten (Kappa/Lambda) quantitativ inkl. Quotient
  • Urin: Qualitativer Eiweißtest, Albumin
  • proBNP im Serum (Ausschluss kardiale Amyloidose)

Apparative Diagnostik:

  • Ganzkörper-CT (ohne KM): Sensitiver Suchtest zum Ausschluss von Knochenläsionen.
  • MRT: Zum Ausschluss fokaler Läsionen (SLiM-Kriterium) oder zur Beurteilung von Lymphknoten (v.a. bei IgM).
  • Knochenmarkpunktion (KMP): Erforderlich zur Abgrenzung zum asymptomatischen Myelom. Ausnahme: Laut EMN-Leitlinie kann bei IgG <15 g/l (bzw. IgA <10 g/l) und fehlenden Skelettsymptomen primär auf KMP und Bildgebung verzichtet werden.

Differenzialdiagnosen

  • AL-Amyloidose: Auf Symptome wie restriktive Kardiomyopathie (proBNP $\uparrow$), nephrotisches Syndrom, Makroglossie oder periorbitale Hauteinblutungen achten.
  • MGRS (Monoclonal gammopathy with renal significance): Bei unklarer Niereninsuffizienz oder Proteinurie. Diagnosesicherung durch Nierenbiopsie.
  • Solitäres Plasmozytom: Einzelne Raumforderung mit klonalen Plasmazellen, aber ohne Knochenmarkinfiltration oder CRAB/SLiM-Kriterien.

Therapie und Verlaufskontrolle

Bei einem reinen MGUS besteht keine Therapieindikation. Die Verlaufskontrollen dienen der Früherkennung einer Progression. Initial sollte bei allen Patienten nach 6 Monaten eine Kontrolle erfolgen.

RisikoprofilKontrollintervall
Ohne Risikofaktoren (IgG, M-Protein <15g/l, normale FLC-Ratio)Einmal jährlich ODER nur bei klinischer Symptomatik
Mindestens 1 Risikofaktor oder Leichtketten-MGUSEinmal jährlich

Hinweis: Bei einer Lebenserwartung von unter 5 Jahren empfiehlt die EMN, auf regelmäßige Kontrollen zu verzichten und nur bei Symptomatik zu untersuchen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei Patienten mit einer Lebenserwartung von unter 5 Jahren auf routinemäßige Verlaufskontrollen, um eine Überdiagnostik zu vermeiden. Achten Sie bei MGUS-Patienten stattdessen aktiv auf klinische 'Red Flags' einer AL-Amyloidose (z.B. erhöhtes proBNP, unklare Proteinurie).

Häufig gestellte Fragen

Laut EMN-Leitlinie kann bei einem IgG-Paraprotein <15 g/l (bzw. IgA <10 g/l) ohne skelettbezogene Symptome primär auf eine Knochenmarkpunktion und Bildgebung verzichtet werden.
Bei Schwerketten-MGUS liegt es bei ca. 1-1,5 % pro Jahr, bei Leichtketten-MGUS bei ca. 0,3 % pro Jahr. Das IgM-MGUS hat initial das höchste Risiko mit 2 % pro Jahr.
Ein reines MGUS hat keinen Krankheitswert und wird nicht therapiert. Eine Behandlung ist erst bei Progression in ein Myelom, ein Lymphom oder bei Paraprotein-assoziierten Erkrankungen (z.B. AL-Amyloidose) indiziert.
Nach der Erstdiagnose erfolgt eine Kontrolle nach 6 Monaten. Danach jährlich bei Vorliegen von Risikofaktoren. Ohne Risikofaktoren kann die Kontrolle jährlich oder nur symptombezogen erfolgen.

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