ClariMedClariMed

Keimzelltumoren des Mannes: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Heilungsrate bei Keimzelltumoren liegt über alle Stadien hinweg bei etwa 95 %.
  • Eine Kryokonservierung von Spermien ist bei Kinderwunsch vor der Orchiektomie oder Chemotherapie obligat.
  • Im klinischen Stadium I ist sowohl bei Seminomen als auch bei Nicht-Seminomen die Active Surveillance die bevorzugte Strategie.
  • Die Systemtherapie fortgeschrittener Stadien richtet sich nach der IGCCCG-Risikoklassifikation (meist 3-4 Zyklen PEB).
  • Eine Residualtumorresektion (RTR) ist bei Nicht-Seminomen mit Residuen >1 cm obligat, bei reinen Seminomen jedoch nicht indiziert.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Der Keimzelltumor ist der häufigste Tumor des jungen Mannes (Altersgipfel 15-45 Jahre). Histologisch wird zwischen Seminomen und Nicht-Seminomen unterschieden. Bei konsequenter, stadiengerechter Therapie liegt die Heilungsrate über alle Tumorstadien hinweg bei etwa 95 %.

Diagnostik

Die primäre Ausbreitungsdiagnostik umfasst:

  • Sonographie beider Hoden (>7,5 MHz)
  • Tumormarker im Serum: AFP, HCG, LDH
  • Hormonstatus: Gesamt-Testosteron, FSH, LH
  • Schnittbildgebung: CT von Thorax, Abdomen und Becken
  • Fakultativ: MRT des Kopfes oder Skelettszintigraphie (nur bei spezifischer Symptomatik oder sehr hoher Tumorlast)

Wichtig: Die Aufklärung über eine Spermienanalyse und Kryokonservierung ist obligat und sollte idealerweise vor der Orchiektomie, spätestens jedoch vor einer Chemotherapie erfolgen.

IGCCCG-Risikoklassifikation

Für metastasierte Keimzelltumoren ist die Einteilung nach der International Germ Cell Cancer Collaborative Group (IGCCCG) therapierelevant. Die Markerwerte beziehen sich auf den Zeitpunkt direkt vor Beginn der Chemotherapie.

RisikogruppeNicht-SeminomeSeminome
GünstigAFP < 1.000 ng/ml, HCG < 5.000 U/l, LDH < 1,5x ULN und keine extrapulmonalen OrganmetastasenJede Primärlokalisation, AFP normal und keine extrapulmonalen Organmetastasen
IntermediärAFP 1.000-10.000 ng/ml, HCG 5.000-50.000 U/l, LDH 1,5-10x ULN und keine extrapulmonalen OrganmetastasenExtrapulmonale Organmetastasen oder LDH ≥2,5x ULN (AFP normal)
SchlechtMediastinaler Primärtumor oder AFP > 10.000 ng/ml, HCG > 50.000 U/l, LDH > 10x ULN oder extrapulmonale OrganmetastasenKeine Patienten in dieser Kategorie

Therapie im Stadium I

Die Standardbehandlung beginnt in der Regel mit der inguinalen Orchiektomie des betroffenen Hodens.

HistologieBevorzugte StrategieAlternative Optionen (bei Risikofaktoren)
SeminomActive Surveillance1 Zyklus Carboplatin AUC 7 (bei Tumorgröße/Rete-testis-Infiltration)
Nicht-SeminomActive Surveillance (besonders bei LVI-)1 Zyklus PEB (bei Gefäßinvasion LVI+), primäre RLA (Ausnahme)

Therapie fortgeschrittener Stadien (≥ IIC)

Alle Seminome ab Stadium IIC und Nicht-Seminome ab Stadium II werden primär chemotherapeutisch nach IGCCCG-Klassifikation behandelt:

  • Gute Prognose: 3 Zyklen PEB (Cisplatin, Etoposid, Bleomycin). Bei Kontraindikation für Bleomycin: 4 Zyklen PE.
  • Intermediäre/Schlechte Prognose: 4 Zyklen PEB. Alternativ 4 Zyklen PEI (Cisplatin, Etoposid, Ifosfamid).

Während der Cisplatin-basierten Chemotherapie sollte eine Thromboembolieprophylaxe (Niedermolekulares Heparin oder NOAK) erfolgen.

Residualtumorresektion (RTR)

Das Vorgehen bei verbleibenden Raumforderungen nach Abschluss der primären Chemotherapie unterscheidet sich fundamental nach der Histologie:

  • Seminom: Eine RTR ist nicht indiziert, da es sich fast ausschließlich um nekrotisches Gewebe handelt. Ein abwartendes Vorgehen wird empfohlen (Residuen > 3 cm gelten als Nekrose; PET-CT wird wegen hoher falsch-positiver Raten nicht empfohlen).
  • Nicht-Seminom: Bei Residuen > 1 cm und normalisierten Tumormarkern ist eine RTR obligat. Sie sollte 4-6 Wochen nach Chemotherapie in einem spezialisierten Zentrum erfolgen, da in bis zu 20 % vitaler Tumor und in 30-40 % Teratomgewebe vorliegt.

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei der Diagnosestellung immer an die Kryokonservierung: Klären Sie junge Patienten mit Kinderwunsch zwingend vor der Orchiektomie oder dem Start einer Chemotherapie darüber auf.

Häufig gestellte Fragen

Bei Nicht-Seminomen mit Residuen > 1 cm nach Chemotherapie und normalisierten Tumormarkern ist sie obligat. Bei reinen Seminomen ist eine RTR hingegen nicht indiziert.
Sowohl beim Seminom als auch beim Nicht-Seminom ist die Active Surveillance (aktive Überwachung) die bevorzugte Standardstrategie.
Es müssen AFP, HCG und LDH im Serum bestimmt werden. Zusätzlich sollten Gesamt-Testosteron, FSH und LH erhoben werden.
Der Standard ist das PEB-Schema. Patienten mit guter Prognose erhalten 3 Zyklen, Patienten mit intermediärer oder schlechter Prognose erhalten 4 Zyklen PEB.
Nein, die Leitlinie empfiehlt kein PET-CT, da die falsch-positive Rate selbst 8 Wochen nach Therapie hoch ist und der positive prädiktive Wert bei nur 20 % liegt.

Verwandte Leitlinien