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Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH): Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die HLH ist ein lebensbedrohliches Hyperinflammationssyndrom (Zytokinsturm), unterteilt in primäre (genetische) und sekundäre (erworbene) Formen.
  • Die klinische Trias besteht aus prolongiertem Fieber, Hepatosplenomegalie und Bi- oder Panzytopenie.
  • Die Diagnose erfolgt primär anhand der HLH-2004-Kriterien, von denen 5 von 8 erfüllt sein müssen.
  • Ein extrem hohes Serum-Ferritin (>10.000 µg/l) ist hochspezifisch für die Erkrankung.
  • Bei der primären HLH ist die allogene Stammzelltransplantation kurativ; bei der sekundären HLH steht die Behandlung des Auslösers im Vordergrund.
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Hintergrund

Die Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH) und das Makrophagenaktivierungssyndrom (MAS-HLH) sind lebensbedrohliche hyperferritinämische Hyperinflammationssyndrome. Sie sind gekennzeichnet durch einen Zytokinsturm, der durch aberrant aktivierte Makrophagen und T-Zellen ausgelöst wird. Man unterscheidet zwei Hauptformen:

  • Primäre (hereditäre) HLH: Tritt meist im frühen Kindesalter auf. Ursache sind Genmutationen, die zu einer gestörten Zytolyse durch NK-Zellen und zytotoxische T-Zellen sowie einer gestörten Immunregulation führen.
  • Sekundäre (erworbene) HLH: Betrifft fast immer Erwachsene. Sie wird durch Infektionen, Malignome oder autoinflammatorische/autoimmunologische Krankheiten ausgelöst.

Ursachen und Trigger

Bei der erworbenen HLH führen verschiedene Trigger zu einer unkontrollierten Immunantwort. Eine intensive Triggersuche ist essenziell für die Therapieplanung.

KategorieHäufige Auslöser
InfektionenViren (v.a. EBV, CMV, HIV, SARS-CoV-2), Bakterien (z.B. Mykobakterien), Protozoen (Leishmanien), Pilze
Autoimmun / Autoinflammatorisch (MAS-HLH)M. Still (sJIA, AOSD), Systemischer Lupus Erythematodes (SLE), Kawasaki-Syndrom
MalignomeMaligne Lymphome (v.a. T-Zell- und NK-Zell-Lymphome), Hodgkin-Lymphom, Leukämien
ImmuntherapienCAR-T-Zellen, Checkpoint-Inhibitoren, Bispezifische Antikörper (BiTE)

Klinisches Bild

Das klinische Bild ähnelt häufig einer Sepsis, ist jedoch wesentlich ausgeprägter und im Verlauf progredient. Charakteristisch ist die Symptomentrias:

  • Prolongiertes Fieber
  • Hepatosplenomegalie
  • Bi- oder Panzytopenie

Weitere mögliche Krankheitszeichen umfassen neurologische Symptome (bis zum Koma), Lymphadenopathie, Hepatitis, Gerinnungsstörungen, Lungeninfiltrate und Multiorganversagen.

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt primär anhand der pädiatrischen HLH-2004-Kriterien. Für die Diagnose müssen 5 von 8 Kriterien erfüllt sein:

KategorieKriteriumGrenzwert / Befund
KlinikFieberVorhanden
KlinikSplenomegalieVorhanden
BlutbildZytopenie (≥2 Zellreihen)Hb < 90 g/l, Thrombozyten < 100x10^9/l, Neutrophile < 1x10^9/l
LaborHypertriglyceridämie / HypofibrinogenämieTriglyceride ≥ 3 mmol/l und/oder Fibrinogen < 1,5 g/l
LaborFerritin≥ 500 µg/l (Werte >10.000 µg/l haben 96% Spezifität)
LaborLöslicher CD25 (sIL-2R)≥ 2.400 U/ml
FunktionNK-ZellaktivitätErniedrigt oder nicht nachweisbar
HistologieHämophagozytoseNachweis in Knochenmark, Liquor oder Lymphknoten

Hinweis: Der Nachweis einer Hämophagozytose ist für die Diagnose nicht zwingend erforderlich, wenn bereits 5 andere Kriterien erfüllt sind. Ergänzend können der HScore (Online-Kalkulator) oder der Optimierte HLH-Index (OHI) für Erwachsene herangezogen werden.

Therapie

Ein frühestmöglicher Behandlungsbeginn ist der entscheidende Faktor für den Therapieerfolg.

Primäre (hereditäre) HLH

Ziel ist die Suppression der überschießenden Immunreaktion und der Ersatz des defekten Immunsystems.

  • Induktionstherapie (HLH-1994-Protokoll): Hochdosiertes Dexamethason und intravenöses Etoposid.
  • Erhaltungstherapie: Ciclosporin A.
  • Kurativer Ansatz: Allogene Stammzelltransplantation (SZT) ist zwingend erforderlich.

Sekundäre (erworbene) HLH

Die Therapie richtet sich primär nach der Grunderkrankung:

TriggerTherapieansatzBemerkung
InfektionenAntiinfektiva + Immunmodulation (IVIG, Glukokortikoide)Bei EBV-HLH: Rituximab (Viruslast-gesteuert). Ggf. adaptiertes Etoposid.
MAS-HLH (Autoimmun)Hochdosiertes Methylprednisolon (1 g/d)Bei Versagen: Ciclosporin A oder Anakinra (IL-1-Rezeptorantagonist).
MalignomeTherapie der Grunderkrankung + GlukokortikoideEtoposid als Teil der Vorphasetherapie möglich. Prognose oft ungünstig.
Immuntherapie (CAR-T/BiTE)Tocilizumab (8 mg/kg) +/- KortikosteroideBei IEC-HS: Anakinra, ggf. Ruxolitinib.

Salvagetherapie (Refraktäre HLH)

Bei unzureichendem Ansprechen stehen Off-Label-Optionen zur Verfügung:

  • Ruxolitinib: JAK1/2-Inhibitor zur Zytokin-Blockade.
  • Emapalumab: Monoklonaler IFN-γ-Antikörper (v.a. bei primärer HLH als Bridging zur SZT).
  • Alemtuzumab: CD52-Antikörper zur T-Zell-Depletion.
  • DEP-Schema: Liposomales Doxorubicin, Etoposid, Methylprednisolon.

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei unklarem Fieber, Zytopenie und extrem hohen Ferritinwerten (>10.000 µg/l) auf der Intensivstation immer an eine HLH. Warten Sie mit der Therapie nicht auf den histologischen Nachweis der Hämophagozytose, wenn die klinischen Kriterien bereits erfüllt sind.

Häufig gestellte Fragen

Die klassische Trias besteht aus prolongiertem Fieber, Hepatosplenomegalie und einer Bi- oder Panzytopenie.
Die Diagnose wird meist anhand der HLH-2004-Kriterien gestellt. Es müssen mindestens 5 von 8 Kriterien (u.a. Fieber, Splenomegalie, Zytopenie, Ferritin ≥500 µg/l, sCD25 ≥2.400 U/ml) erfüllt sein.
Nein. Die namensgebende Hämophagozytose in Knochenmark, Lymphknoten oder Milz ist weder zwingend erforderlich noch isoliert betrachtet hinreichend spezifisch für die Diagnose.
Die primäre HLH erfordert eine Immunchemotherapie (z.B. nach HLH-1994) gefolgt von einer kurativen allogenen Stammzelltransplantation. Bei der sekundären HLH steht die Behandlung des auslösenden Triggers (Infektion, Malignom, Autoimmunerkrankung) im Vordergrund.
Das Serum-Ferritin. Ein extrem erhöhter Ferritinwert (insbesondere >10.000 µg/l) hat eine Spezifität von 96% für das Vorliegen einer HLH.

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