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Haarzell-Leukämie (HZL): Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die klassische Haarzell-Leukämie ist durch Panzytopenie, Splenomegalie und den Nachweis der BRAF V600E-Mutation gekennzeichnet.
  • Die Diagnosesicherung erfordert eine Knochenmarkpunktion, bei der aufgrund von Faserbildung häufig eine 'Punctio sicca' auftritt.
  • Therapiestandard in der Erstlinie sind Purin-Analoga wie Cladribin oder Pentostatin.
  • Bei unbeherrschten Infekten sollten Purin-Analoga vermieden werden; BRAF-Inhibitoren können hier als Bridging dienen.
  • Die Lebenserwartung von Patienten mit klassischer HZL entspricht bei gutem Therapieansprechen nahezu der Normalbevölkerung.
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Hintergrund

Die Haarzell-Leukämie (HZL) ist eine seltene, maligne Erkrankung der B-Lymphozyten und gehört zu den indolenten Non-Hodgkin-Lymphomen. Etwa 95 % der Patienten leiden an der klassischen HZL. Die Erkrankung manifestiert sich primär im Knochenmark, in der Milz und im Blut.

Die Überlebensaussichten sind exzellent: 10 Jahre nach Erstdiagnose liegt das relative Überleben bei 90 %. Bei gutem Ansprechen auf die Therapie hat die Mehrzahl der Patienten eine fast normale Lebenserwartung.

Klinisches Bild

Der Verlauf der HZL ist chronisch und langsam. Bei ca. 70 % der Patienten stellt eine Panzytopenie das Leitsymptom dar. Typische Symptome umfassen:

  • Allgemeine Schwäche und Fatigue
  • Infektneigung (bedingt durch Neutropenie)
  • Blutungsneigung (bedingt durch Thrombozytopenie)
  • Druckgefühl im linken Oberbauch (bedingt durch Splenomegalie)

Diagnostik

Die Diagnostik stützt sich auf Blut- und Knochenmarksuntersuchungen. Der Nachweis einer kleinen Subpopulation lymphatischer Zellen im Blut reicht für die Diagnose nicht aus.

MaterialBasisuntersuchungSpezialuntersuchung
Peripheres BlutDifferenzialblutbildDurchflusszytometrische Immunphänotypisierung
Knochenmark-Aspirat, Biopsie (Histologie, Faserfärbung), BRAF V600E-Mutation
AbdomenSonographie (Milzgröße)-

Klinischer Hinweis: Die HZL gehört zu den Erkrankungen, bei denen aufgrund einer Retikulinfaservermehrung im Knochenmark häufig eine Punctio sicca (trockene Punktion) auftritt.

Klassifikation

Es wird zwischen der klassischen HZL und der HZL-Variante (HZL-V) unterschieden. Die Variante zeigt einen aggressiveren Verlauf und spricht schlechter auf Standardtherapien an.

MerkmalKlassische HZLHZL Variante (HZL-V)
Häufigkeit95 %5 %
LeukozytenLymphozytopenie (meist ≤ 10 %)Leukozytose (≥ 90 %)
ImmunphänotypCD25+, CD11c+, CD103+CD25-, CD11c+/-, CD103+/-
GenotypBRAF V600E Mutation (>95 %)BRAF Wildtyp

Therapie-Indikation

Asymptomatische Patienten werden zunächst beobachtet (Watch & Wait). Eine Therapie ist indiziert bei HZL-assoziierter Symptomatik (Fatigue, B-Symptomatik, rezidivierende Infekte) oder bei Unterschreiten folgender Laborwerte:

ParameterGrenzwert für Therapiebeginn
Neutrophile Granulozyten< 1.000 /µl
Thrombozyten< 100.000 /µl
Hämoglobin< 11 g/dl

Medikamentöse Therapie

Erstlinientherapie

Die Standardbehandlung erfolgt mit Purin-Analoga.

  • Cladribin: Empfohlen wird die subkutane Gabe (täglich über 5 Tage, 0,14 mg/kg KG). Alternativ ist eine intravenöse Gabe möglich. Die Remissionsraten liegen bei 95-98 %.
  • Pentostatin: Intravenöse Applikation in zwei- bis dreiwöchentlichen Abständen über mindestens 3 Monate.

Wichtig: Bei unbeherrschten Infekten besteht eine relative Kontraindikation für Purin-Analoga, da diese eine protrahierte Myelosuppression verursachen.

Alternativen und Rezidivtherapie

WirkstoffgruppeWirkstoffIndikationBemerkung
BRAF-InhibitorenVemurafenib, DabrafenibRezidiv, Bridging bei InfektRasches Ansprechen, keine Myelosuppression. Setzt BRAF-Mutation voraus.
Anti-CD20-AntikörperRituximabRezidiv, Kontraindikation Purin-AnalogaOft in Kombination mit Purin-Analoga (Chemoimmuntherapie) eingesetzt.
BTK-InhibitorenIbrutinibRezidivHohe Wirksamkeit, auch bei HZL-Variante.

Bei späten Rezidiven (>3 Jahre nach Ersttherapie) ist eine erneute Behandlung mit Purin-Analoga möglich und oft erfolgreich.

💡Praxis-Tipp

Vermeiden Sie den Start einer Therapie mit Purin-Analoga bei unbeherrschten Infekten. Nutzen Sie in solchen Fällen BRAF-Inhibitoren (z. B. Vemurafenib) als überbrückende Therapie (Bridging), da diese zu einem raschen Ansprechen ohne zusätzliche Myelosuppression führen.

Häufig gestellte Fragen

Bei symptomatischen Patienten (Fatigue, Infekte) oder bei Unterschreiten definierter Blutwerte: Neutrophile <1.000/µl, Thrombozyten <100.000/µl oder Hämoglobin <11 g/dl.
Die BRAF V600E-Mutation ist bei über 95 % der Patienten mit klassischer HZL nachweisbar und dient als wichtiges Diagnosekriterium sowie als therapeutischer Angriffspunkt.
Die Variante weist keine BRAF-Mutation auf, zeigt oft eine Leukozytose statt einer Lymphozytopenie, ist CD25-negativ und hat einen aggressiveren Verlauf mit schlechterem Therapieansprechen.
Die Therapie mit einem Purin-Analogon, bevorzugt Cladribin (z. B. subkutan über 5 Tage) oder Pentostatin. Diese erzielen Remissionsraten von über 95 %.
Aufgrund einer krankheitsbedingten Retikulinfaservermehrung im Knochenmark kommt es bei der Aspiration häufig zu einer sogenannten 'Punctio sicca' (trockene Punktion).

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