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Chronische Graft-versus-Host-Erkrankung (cGvHD): Onkopedia

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die cGvHD tritt bei ca. 50 % der Patienten nach allogener Stammzelltransplantation auf, meist 2 bis 18 Monate nach Transplantation.
  • Die Diagnose erfordert eine eindeutige klinische Manifestation oder histologische Sicherung nach den NIH-Konsensus-Kriterien.
  • Die Erstlinientherapie der moderaten und schweren cGvHD besteht aus systemischen Kortikosteroiden (1 mg/kg/Tag Prednisolon).
  • Bei steroidrefraktären Verläufen kommen Zweitlinientherapien wie Ruxolitinib, Belumosudil, Ibrutinib oder die extrakorporale Photopherese (ECP) zum Einsatz.
  • Eine konsequente supportive Therapie (Infektionsprophylaxe, Osteoporoseprophylaxe, topische Maßnahmen) ist essenziell.
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Hintergrund

Die chronische Graft-versus-Host-Erkrankung (cGvHD) ist eine protrahiert einsetzende Reaktion des Spenderimmunsystems gegen Gewebe des Empfängers nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation (allo-HSZT). Sie tritt bei ca. 50 % der Patienten auf und ist für etwa 25 % der Todesfälle nach allo-HSZT mitverantwortlich. Der Beginn liegt in der Regel zwischen 2 und 18 Monaten nach der Transplantation.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:

  • Vorherige akute GvHD
  • Grad der HLA-Disparität zwischen Spender und Empfänger
  • Periphere Blutstammzellen als Stammzellquelle (im Vergleich zu Knochenmark)
  • Höheres Alter von Empfänger und Spender
  • Vorangegangene Infektionen (Pneumonie, Gastroenteritis, CMV-Reaktivierung)
  • Adoptiver Transfer von Spenderlymphozyten (DLI)

Klinisches Bild und Diagnostik

Die cGvHD kann praktisch jedes Organ befallen. Die Symptome ähneln oft Autoimmunerkrankungen (z. B. Sklerodermie, Sjögren-Syndrom, primär biliäre Cholangitis). Laut NIH-Konsensus muss für die Diagnose eine eindeutige diagnostische Manifestation vorliegen. Fehlt diese, sind zusätzliche diagnostische Maßnahmen (z. B. Histologie) erforderlich.

Die Beurteilung des Schweregrades erfolgt organbezogen:

OrganMild (Grad I)Moderat (Grad II)Schwer (Grad III)
Haut< 18% KOF18-50% KOF, oberflächliche Sklerose> 50% KOF, tiefe Sklerose ("gefesselte Haut")
LungeFEV1 60-79%FEV1 40-59%FEV1 ≤39% oder O2-Bedarf
LeberBilirubin normal, AP/GPT erhöhtBilirubin ≤ 3 mg/dl oder GPT > 5x NormBilirubin > 3 mg/dl
AugeMilde Trockenheit, <3x/Tag Tropfen>3x/Tag Tropfen, keine SehminderungSchwere Sehminderung, Ulzera
GI-TraktSymptome ohne GewichtsverlustGewichtsverlust 5-15%Gewichtsverlust >15%, parenterale Ernährung

Anmerkung: KOF = Körperoberfläche.

Klassifikation

Es werden drei Formen des Auftretens unterschieden:

  • De novo: Auftreten ohne vorherige akute GvHD.
  • Progressiv: Direkter Übergang aus einer akuten GvHD oder Auftreten unter Steroidtherapie (>0,5 mg/kg/Tag).
  • Quiescent: Auftreten nach abgeklungener akuter GvHD, meist nach Reduktion der Immunsuppression.

Zusätzlich gibt es das Overlap-Syndrom, bei dem gleichzeitig diagnostische Zeichen einer cGvHD und Symptome einer akuten GvHD (z. B. Diarrhoe, diffuses Erythem) vorliegen.

Erstlinientherapie

Die Therapie richtet sich nach dem Gesamtschweregrad der Erkrankung.

  • Milde cGvHD: Topische Therapie oder systemisch niedrig-dosierte Steroide (1x täglich morgens).
  • Moderate und schwere cGvHD: Systemische Immunsuppression mit Prednisolon oder Methylprednisolon (1 mg/kg/Tag) als Einmaldosis am Morgen. Bei schwerer cGvHD sollte primär eine Kombination mit Calcineurin-Inhibitoren (Cyclosporin oder Tacrolimus) erwogen werden, um Steroide einzusparen.

Topische und organspezifische Maßnahmen

OrganTherapieoptionenBemerkung
HautMittel-/hochpotente Steroide, Tacrolimus, PUVA/UVA1Langzeitrisiko für kutane Malignome beachten
AugeCyclosporin-Augentropfen, Steroide (kurzzeitig)Konservierungsmittelfreie Tropfen, Augenarzt-Konsil
MundBudesonid-Spülung, Tacrolimus-SalbeKariesprophylaxe und Speichelersatz wichtig
LungeInhalative Steroide + langwirksame Beta2-MimetikaAzithromycin (Mo/Mi/Fr) erwägen
GenitalTopische Steroide, CalcineurininhibitorenGgf. östrogenhaltige Lokaltherapie bei Frauen

Zweitlinientherapie

Ein Therapiewechsel ist indiziert bei Progress innerhalb der ersten 4 Wochen oder fehlender Besserung nach 8 bis 12 Wochen. Es sollten maximal drei Immunsuppressiva kombiniert werden.

WirkstoffEvidenz / ZulassungTypische Nebenwirkungen
RuxolitinibEMA/FDA-Zulassung (steroidrefraktär)Hämatotoxizität, Infektionen, Lebertoxizität
BelumosudilFDA-ZulassungHepatotoxizität
IbrutinibFDA-ZulassungInfektionen, Blutungsneigung
Photopherese (ECP)Off-Label (Steroid-sparend)Infektionen bei ZVK
mTOR-InhibitorenOff-LabelHyperlipidämie, Mikroangiopathie (mit CNI)
MycophenolatmofetilOff-LabelGI-Nebenwirkungen, virale Infektionen

Supportive Therapie

  • Knochenschutz: Hohes Osteoporose-Risiko. Substitution von 25-OH-Vitamin D und Calcium ist zwingend erforderlich. Jährliche Osteodensitometrie.
  • Infektionsprophylaxe: PjP-Prophylaxe unter Immunsuppression obligat. Pneumokokken-Stand-by-Antibiose und HSV/VZV-Prophylaxe erwägen.
  • Physiotherapie: Prophylaxe der Steroidmyopathie, Lymphdrainage und Atemtherapie bei Lungenbeteiligung.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei Patienten mit cGvHD konsequent auf den Knochenschutz: Eine Substitution von Vitamin D und Calcium ist obligat, da durch die Erkrankung und die Steroidtherapie ein hohes Risiko für Osteoporose und aseptische Knochennekrosen besteht.

Häufig gestellte Fragen

Die chronische GvHD tritt in der Regel zwischen 2 und 18 Monaten nach der allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation erstmalig auf.
Die Basis der Erstlinientherapie ist die systemische Gabe von Kortikosteroiden (Prednisolon oder Methylprednisolon 1 mg/kg/Tag), bei schweren Verläufen oft in Kombination mit Calcineurin-Inhibitoren wie Cyclosporin oder Tacrolimus.
Ein Overlap-Syndrom ist eine Unterform der cGvHD, bei der gleichzeitig diagnostische Zeichen einer chronischen GvHD und Symptome einer akuten GvHD (wie Diarrhoe, Erbrechen oder diffuses Erythem) auftreten.
Für die steroidrefraktäre cGvHD hat Ruxolitinib eine EMA- und FDA-Zulassung. Ibrutinib und Belumosudil verfügen über eine FDA-Zulassung in dieser Indikation.
Die Diagnose erfolgt primär über die Lungenfunktion (FEV1-Abfall <75% oder ≥10% Abfall innerhalb von 2 Jahren) sowie ein HR-CT in Exspiration nach Ausschluss anderer Ursachen.

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