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Extranodales MALT-Lymphom: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • MALT-Lymphome machen 7-8 % aller Non-Hodgkin-Lymphome aus, die häufigste Lokalisation ist der Magen (30-35 %).
  • Chronische Infektionen (z. B. Helicobacter pylori) und Autoimmunerkrankungen (z. B. Sjögren-Syndrom) sind zentrale Risikofaktoren.
  • Beim gastrischen MALT-Lymphom (Stadium I/II) ist die H. pylori-Eradikation die primäre Therapie der Wahl – auch bei HP-negativen Patienten.
  • Die Strahlentherapie ist in lokalisierten Stadien vieler Organmanifestationen hochwirksam und potenziell kurativ.
  • Die Prognose ist exzellent, die 5-Jahres-Überlebensrate liegt zwischen 70 % und 100 %.
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Hintergrund

Das extranodale Marginalzonen-Lymphom vom MALT-Typ (Mucosa-associated lymphoid tissue) gehört zu den reifzelligen, indolenten Non-Hodgkin-Lymphomen. Es macht etwa 7-8 % aller neu diagnostizierten Lymphome aus. Der Magen ist mit 30-35 % die häufigste Primärlokalisation.

Das Risiko für die Entstehung wird maßgeblich durch chronische Entzündungsreize erhöht:

  • Autoimmunerkrankungen: Sjögren-Syndrom (häufigste, ca. 70 % der Autoimmunfälle), Hashimoto-Thyreoiditis, Rheumatoide Arthritis.
  • Chronische Infektionen: Helicobacter pylori (Magen), Chlamydophila psittaci (Augenanhangsgebilde), Campylobacter jejuni (Dünndarm).

Diagnostik und Staging

Die Diagnose erfordert ausreichend Biopsiematerial (z. B. Stanzbiopsien mit ausreichendem Durchmesser). Eine rein zytologische Diagnostik ist nicht ausreichend. Die histologische Sicherung sollte durch einen erfahrenen Hämatopathologen erfolgen.

Wichtige Diagnostik-Grundsätze:

  • Typischer Immunphänotyp: CD79+, CD20+, CD23-, CD10-, Cyclin D1-.
  • Ein 18F-FDG-PET/CT wird aufgrund der niedrigen FDG-Avidität für die klinische Routine nicht empfohlen.
  • Bei Magen-MALT: Endoskopie mit Stufenbiopsien (Mapping) aus Magen und Duodenum sowie H. pylori-Diagnostik.
Staging-SystemStadium IStadium IIStadium IV
Lugano (Gastrointestinal)Auf GI-Trakt beschränktAusdehnung ins Abdomen (II1/II2)Disseminiert oder supradiaphragmal
Ann-Arbor (mod. nach Musshoff)I EII1 E / II2 EIV

Therapie: Gastrisches MALT-Lymphom

Die Therapie richtet sich nach dem Stadium und dem Helicobacter-Status. Die Operation spielt aufgrund der multifokalen Ausbreitung primär keine Rolle mehr.

StadiumPrimäre TherapieBemerkung
I + II (HP-positiv)H. pylori-EradikationStandard-Eradikation. Kontrolle nach 4-6 Wochen.
I + II (HP-negativ)H. pylori-EradikationAuch bei negativem Nachweis primär empfohlen (Remissionsrate 15-46 %).
I + II (Eradikation versagt)Strahlentherapie24-30 Gy involved site. Exzellente lokale Kontrolle (>95 % Remission).
IVSystemische TherapieZ. B. Chlorambucil +/- Rituximab, Bendamustin + Rituximab, Zanubrutinib.

Das histologische Ansprechen im Magen wird nach den GELA-Kriterien beurteilt:

ScoreAnsprechenHistologisches Bild
CRKomplette RemissionNormale Lamina propria, keine lymphoepithelialen Läsionen (LEL).
pMRDWahrscheinliche minimale ResterkrankungAggregate lymphatischer Zellen, keine LEL.
rRDAnsprechen mit ResterkrankungDichte Infiltrate, LEL fokal oder fehlend.
NCKein AnsprechenDichte Infiltrate, LEL vorhanden.

Therapie: Extragastrische Lokalisationen

Grundsätzlich kommen bei lokalisierten Stadien (I/II) extragastrischer MALT-Lymphome die Strahlentherapie, die chirurgische Resektion oder ein "Watch-and-Wait"-Konzept in Frage.

  • Augenanhangsgebilde: Strahlentherapie (auch low-dose mit 4 Gy hochwirksam) oder empirische Antibiotikatherapie (Doxycyclin/Clarithromycin).
  • Haut: Chirurgische Exzision oder Strahlentherapie bei solitären Läsionen.
  • Lunge: Operation (oft primär diagnostisch) oder Strahlentherapie.
  • Speicheldrüsen: Strahlentherapie (24-35 Gy) ist hochwirksam.

Prognose und Nachsorge

Die Prognose ist exzellent. Die 5-Jahres-Überlebensraten liegen stadienübergreifend zwischen 70 % und 100 %. Relevante prognostische Parameter (MALT-IPI Score) sind ein Alter über 70 Jahre, Stadium III/IV sowie ein erhöhter LDH-Wert.

ZeitraumEmpfohlene Untersuchungen
Monate 3, 6, 9, 12, 15, 18, 21, 24Anamnese, körperliche Untersuchung, Basislabor (Blutbild, LDH, Leber-/Nierenwerte).
Ab Jahr 3Individuell (beim Magen lebenslange Observanz sinnvoll).

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei einem lokalisierten MALT-Lymphom des Magens immer primär eine Helicobacter-pylori-Eradikation durch – auch wenn der Keimnachweis negativ ausfällt. Die Eradikation führt auch bei HP-negativen Patienten in bis zu 46 % der Fälle zu einer Remission.

Häufig gestellte Fragen

Ein 18F-FDG-PET/CT wird im Rahmen des initialen Stagings aufgrund der niedrigen FDG-Avidität des MALT-Lymphoms für die klinische Routine nicht empfohlen.
Die Therapie der Wahl ist die Helicobacter-pylori-Eradikation, unabhängig davon, ob der Keim nachgewiesen wurde (HP-positiv) oder nicht (HP-negativ).
Aufgrund der multifokalen Ausbreitung ist die Chirurgie nur noch in Ausnahmefällen (z. B. Perforation, nicht beherrschbare Blutung) indiziert.
Die Prognose ist sehr gut. Die 5-Jahres-Überlebensraten liegen stadienübergreifend zwischen 70 % und 100 %.
Vor allem Autoimmunerkrankungen (wie das Sjögren-Syndrom oder die Hashimoto-Thyreoiditis) sowie chronische Infektionen (z. B. Helicobacter pylori im Magen).

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