ClariMedClariMed

Chronische Neutrophilen-Leukämie (CNL): Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die CNL ist eine seltene myeloische Neoplasie, meist getrieben durch aktivierende CSF3R-Mutationen (z.B. T618I).
  • Typische Komplikationen sind eine erhöhte Blutungsneigung (inkl. fataler Hirnblutungen) und die Transformation in eine AML.
  • Die Diagnose erfordert eine Leukozytose (≥ 13 x 10^9/L) mit ≥ 80 % Neutrophilen/Stabkernigen sowie den Ausschluss anderer myeloproliferativer Neoplasien.
  • Ein Risikoscore (Thrombozytopenie, Leukozytose, ASXL1-Mutation) hilft bei der Prognoseabschätzung.
  • Die allogene Stammzelltransplantation ist die einzige kurative Therapie und sollte bei Hochrisikopatienten frühzeitig erwogen werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die chronische Neutrophilen-Leukämie (CNL) ist eine sehr seltene myeloproliferative Neoplasie (Inzidenz 0,1/1 Mio./Jahr) mit einem medianen Diagnosealter von 66,5 Jahren. Charakteristisch für die Erkrankung sind aktivierende Mutationen im Gen für den Granulozyten Colony-Stimulating Factor (G-CSF) Rezeptor CSF3R. Am häufigsten findet sich die membranproximale Mutation T618I. Diese Mutationen führen zu einer konstitutiven Signalaktivierung (u.a. JAK/STAT-Signalweg) und treiben die klonale granulozytäre Proliferation an.

Klinisches Bild und Komplikationen

Bei Diagnosestellung sind die Patienten meist asymptomatisch. Konstitutionelle Symptome (Fatigue, Knochenschmerzen, Gichtanfälle) können auftreten. Klinisch zeigt sich bei etwa einem Drittel der Patienten eine Splenomegalie, seltener eine Hepatomegalie.

Besondere Risiken der CNL umfassen:

  • Erhöhte Blutungsneigung: Es besteht ein erhöhtes Risiko für klinische Blutungsereignisse, einschließlich lebensbedrohlicher Hirnblutungen.
  • Leukämische Transformation: Bei 10-21 % der Patienten kommt es zu einer Transformation in eine akute myeloische Leukämie (AML) nach median 21 Monaten.

Diagnostik

Laborchemisch fallen eine Neutrophilie, oft eine milde Anämie und/oder Thrombozytopenie sowie eine erhöhte LDH auf. Die G-CSF-Spiegel sind charakteristischerweise erniedrigt.

KriteriumMerkmale nach WHO / ICC
Peripheres BlutLeukozytose ≥ 13 x 10^9/L (≥ 25 x 10^9/L bei CSF3R-negativ) <br> ≥ 80 % Neutrophile/Stabkernige <br> < 10 % Vorläuferzellen <br> Keine Dysplasiezeichen
KnochenmarkHyperzellulär, Granulopoese vermehrt und ausreifend, < 5 % Blasten
AusschlussKriterien für CML, PV, ET, PMF nicht erfüllt
GenetikNachweis einer CSF3R-Mutation (z.B. T618I)

Hinweis: Bei Fehlen einer CSF3R-Mutation kann die Diagnose dennoch gestellt werden, wenn eine persistierende Neutrophilie (≥ 3 Monate) und Splenomegalie vorliegen und reaktive Ursachen ausgeschlossen wurden.

Prognose

Das mittlere Überleben von Patienten mit CNL beträgt etwa 2 Jahre. Zur Prognoseabschätzung wurde ein Risikoscore entwickelt:

MerkmalPunktzahl
Thrombozytopenie < 160 x 10^9/L2
Leukozytose > 60 x 10^9/L1
ASXL1-Mutation1

Auswertung: 0-1 Punkt = Niedrigrisiko; 2-4 Punkte = Hochrisiko (kürzeres Überleben, Median 22,4 Monate).

Therapie

Es existiert keine durch randomisierte Studien gesicherte Standardbehandlung. Die Therapieentscheidung richtet sich nach Symptomlast und Risikoprofil.

TherapieansatzIndikation / Bemerkung
Zytoreduktion (Hydroxycarbamid)Bei ausgeprägter Leukozytose, Splenomegalie oder Symptomlast. Ansprechrate ca. 75 %, Effekt meist zeitlich begrenzt.
Interferon-alphaTherapieversuch kann erwogen werden (in Fallberichten lang anhaltende Remissionen beschrieben).
RuxolitinibJAK-Inhibitor. Zeigt zeitlich begrenzte klinische Aktivität (Abnahme der Leukozytose), meist in der zweiten Therapielinie eingesetzt.
Allogene StammzelltransplantationEinzige kurative Therapie. Sollte bei geeigneten Patienten mit Hochrisikokriterien (Zunahme der Leukozytose, Thrombozytopenie, Blastenvermehrung, Zusatzmutationen wie ASXL1) frühzeitig erwogen werden.

Verlaufskontrollen (Klinik, Blutbild, Differenzialblutbild) sollten alle 3 Monate erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei Patienten mit chronischer Neutrophilen-Leukämie (CNL) besonders auf klinische Blutungszeichen. Die Erkrankung geht mit einer erhöhten Blutungsneigung einher, die bis zu fatalen Hirnblutungen führen kann.

Häufig gestellte Fragen

In den meisten Fällen liegt eine aktivierende Mutation im G-CSF-Rezeptor (CSF3R) vor, am häufigsten die membranproximale Mutation T618I.
Die CNL weist kein BCR::ABL1-Fusionsgen auf. Zudem zeigt die CML in der Regel eine ausgeprägtere Linksverschiebung sowie oft eine Eosinophilie oder Basophilie.
Sie ist die einzige kurative Therapie und sollte bei geeigneten Patienten mit Hochrisikokriterien (z.B. Thrombozytopenie, starke Leukozytose, ASXL1-Mutation) frühzeitig erwogen werden.
Ruxolitinib kann bei Patienten mit CSF3R-Mutation eine zeitlich begrenzte klinische Aktivität zeigen (z.B. Reduktion der Leukozytose) und wird meist in der zweiten Therapielinie eingesetzt.

Verwandte Leitlinien