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BPDCN Leitlinie: Diagnostik & Therapie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die BPDCN ist eine sehr seltene, aggressive hämatologische Neoplasie mit meist kutaner Erstmanifestation (kontusiforme Läsionen).
  • Wegweisend für die Diagnose ist der Immunphänotyp: CD123+, CD4+, CD56+ bei fehlenden linien-spezifischen Markern.
  • Unbehandelt verläuft die Erkrankung rasch letal; das mediane Gesamtüberleben liegt bei 16-24 Monaten.
  • Die einzige potenziell kurative Therapie ist eine intensive Induktionschemotherapie gefolgt von einer allogenen Stammzelltransplantation (alloSZT).
  • Für die Erstlinientherapie ist das gegen CD123 gerichtete Fusionsprotein Tagraxofusp in der EU zugelassen.
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Hintergrund

Die blastische plasmazytoide dendritische Zellneoplasie (BPDCN) ist eine sehr seltene und meist aggressiv verlaufende hämatologische Neoplasie. Sie geht von Vorläufern plasmazytoider dendritischer Zellen (pDC) aus. Die Inzidenz liegt bei lediglich 0,04 / 100.000 / Jahr. Männer sind deutlich häufiger betroffen (Verhältnis 3-4:1), das mediane Erkrankungsalter liegt bei ca. 64 Jahren.

Es besteht eine enge histogenetische Beziehung zu myeloischen Neoplasien. In 20-40 % der Fälle ist die BPDCN mit einem myelodysplastischen Syndrom (MDS), einer chronischen myelomonozytären Leukämie (CMML) oder einer akuten myeloischen Leukämie (AML) assoziiert.

Klinisches Bild

Bei 86-94 % der Patient*innen manifestiert sich die Erkrankung primär an der Haut. Typisch sind:

  • Asymptomatische, schnell progrediente Hautläsionen
  • Oft tumorös-nodulär, Plaques oder Papeln
  • Rötlich-violette, kontusiforme (Hämatom-artige) Färbung

Trotz der kutanen Erstmanifestation handelt es sich um eine Systemerkrankung. Bei Erstdiagnose liegt meist schon ein Befall von Knochenmark (49-68 %), Lymphknoten (27-56 %), Milz (17-44 %) oder peripherem Blut (17-28 %) vor.

Diagnostik

Die Diagnose erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit. Die Sicherung erfolgt durch den charakteristischen Immunphänotyp.

BereichEmpfohlene Untersuchungen
KlinikKörperliche Untersuchung, mSWAT-Score (Hautbefall)
LaborBlutbild, Differenzialblutbild, klinische Chemie
HistologieHautbiopsie (Immunhistochemie), Knochenmarkpunktion (Zytologie, Durchflusszytometrie, Histologie)
BildgebungCT Hals/Thorax/Abdomen/Becken (Lymphomstaging)
ZusatzLiquorpunktion (fakultativ), HLA-Typisierung (bei SZT-Kandidaten)

Immunphänotyp der BPDCN

Für die Diagnose müssen mindestens vier der folgenden fünf Marker exprimiert sein, wobei CD123 immer im Panel enthalten sein sollte:

Marker-StatusAntigene
PositivCD123 (≈95%), CD4 (≈95%), CD56 (≈95%), TCL1 (≈90%), BDCA2 (≈90%)
Negativ (Ausschluss)pan-T (CD3), pan-B (CD79a), myeloisch (Lysozym, Myeloperoxidase, CD14, CD11c)

Therapie

Unbehandelt führt die BPDCN rasch zum Tod. Die Therapieeinleitung muss umgehend erfolgen. Es gibt keinen einheitlichen Behandlungsstandard, die Strategie richtet sich nach dem Alter, dem Allgemeinzustand (ECOG) und der Transplantationsfähigkeit.

PatientenprofilPrimärtherapieKonsolidierung
Fit für intensive TherapieIntensive Polychemotherapie (ALL- oder AML-Protokolle)Allogene Stammzelltransplantation (alloSZT) (myeloablativ)
Nicht fit für intensive TherapieTagraxofusp, CHOP, Monosubstanzen (Azacitidin, Bendamustin)Ggf. dosisreduzierte alloSZT oder autoSZT bei gutem Ansprechen
Isoliert kutaner BefallSystemtherapie oder lokale Radiotherapie-

Zielgerichtete Therapie: Tagraxofusp

Das Fusionsprotein Tagraxofusp bindet zielgerichtet an CD123-positive Zellen und schleust ein Diphtherietoxin ein. Es ist in der EU für die Erstlinientherapie zugelassen. In Studien zeigte sich eine Rate kompletter Remissionen (CR) von 72 %. Relevante Nebenwirkungen sind Leberwerterhöhungen, Thrombozytopenien und das Capillary Leak Syndrome.

Konsolidierende Stammzelltransplantation

Da Remissionen unter alleiniger Chemotherapie meist nur von kurzer Dauer sind, sollte bei Erreichen einer kompletten Remission (CR1) rasch eine allogene Stammzelltransplantation angestrebt werden. Sie stellt die einzige potenziell kurative Therapieoption dar und verlängert das mediane Gesamtüberleben signifikant.

Verlaufskontrolle

Aufgrund der hohen Rezidivwahrscheinlichkeit sind engmaschige Kontrollen erforderlich:

  • In den ersten 3 Monaten: 4-wöchige Intervalle
  • Anschließend: 3-monatige Intervalle
  • Fokus auf Hautinspektion, Lymphknotenstatus und Differenzialblutbild

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei atypischen, bläulich-lividen Hautläsionen, die wie unklare Hämatome aussehen, an eine BPDCN. Veranlassen Sie eine zügige Hautbiopsie mit expliziter Anforderung der CD123-Färbung.

Häufig gestellte Fragen

Bei fast 90 % der Patienten treten primär asymptomatische, schnell wachsende Hautläsionen auf. Diese sind oft rötlich-violett und sehen aus wie Blutergüsse (kontusiform).
Die Tumorzellen exprimieren typischerweise CD123, CD4 und CD56. Gleichzeitig müssen linien-spezifische Marker für T-Zellen, B-Zellen und myeloische Zellen negativ sein.
Eine langfristige Heilung ist aktuell fast ausschließlich durch eine intensive Induktionstherapie gefolgt von einer allogenen Stammzelltransplantation (alloSZT) in der ersten kompletten Remission möglich.
Tagraxofusp ist ein zielgerichtetes Fusionsprotein, das an CD123 bindet. Es ist in der EU für die Erstlinientherapie der BPDCN zugelassen.
Die Prognose ist ernst. Ohne Stammzelltransplantation liegt das mediane Gesamtüberleben bei nur 16 bis 24 Monaten.

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