Aromatherapie in der Onkologie: Leitlinie (Onkopedia)
📋Auf einen Blick
- •Die S3-Leitlinie gibt aufgrund der geringen Datenlage keine generelle Empfehlung für die Aromatherapie in der Onkologie.
- •Es gibt Anhaltspunkte für kurzfristige positive Effekte bei Angstzuständen, Depressivität und Schlafstörungen.
- •Mundspülungen mit ätherischen Ölen können eine strahlen- oder chemotherapieinduzierte Mukositis lindern.
- •Bei östrogenabhängigen Tumoren ist Vorsicht geboten (insbesondere bei Lavendel- und Teebaumöl).
- •Die inhalative Aromatherapie ist bei Patienten mit Asthma strikt kontraindiziert.
Hintergrund
Die Aromatherapie (Therapie mit ätherischen Ölen) umfasst die kontrollierte Anwendung aromatischer Pflanzenöle zur Verbesserung des körperlichen und emotionalen Wohlbefindens. In der Onkologie wird sie primär supportiv eingesetzt. Die Anwendung erfolgt meist durch Aromatherapie-Massagen (üblicherweise in einer Verdünnung von 2,5 % in einem Trägeröl), Inhalation oder als Badezusatz. Zu den häufigsten Ölen zählen Lavendel, Rosmarin, Kamille und Pfefferminze.
Klinische Wirksamkeit
Die Datenlage basiert vorwiegend auf Studien mit sehr niedriger bis niedriger Ergebnissicherheit. Für einige Symptome zeigen sich kurzfristige positive Effekte, während bei anderen keine eindeutigen Schlüsse gezogen werden können.
| Symptom | Applikationsform | Evidenz / Effekt |
|---|---|---|
| Angstzustände | Massage | Positiver Effekt (sehr niedrige Evidenz) |
| Depressivität | Massage | Positiver Effekt (niedrige Evidenz) |
| Schlafstörungen | Inhalation / Massage | Positiver Effekt (sehr niedrige Evidenz) |
| Obstipation | Massage | Positiver Effekt bei fortgeschrittenem Krebs |
| Mukositis | Mundspülung | Positiver Effekt (Kamille/Pfefferminze bei allo-SZT; Manuka/Kanuka bei Radiotherapie) |
| Xerostomie | Inhalation | Positiver Effekt (geringere Speicheldrüsenschäden) |
| Fatigue, Schmerz, Übelkeit | Diverse | Keine Schlussfolgerung möglich (widersprüchliche Daten) |
Leitlinien-Empfehlung
Die S3-Leitlinie "Komplementärmedizin in der Behandlung onkologischer Patient*innen" (Stand September 2021) gibt zur Aromatherapie-Massage keine Empfehlung ab. Begründet wird dies mit der geringen beziehungsweise widersprüchlichen Datenlage zu den einzelnen Symptomen.
Sicherheit und Nebenwirkungen
Ätherische Öle gelten im Allgemeinen als sicher, dennoch sind unerwünschte Wirkungen möglich:
- Haut: Lokale Reizungen und Kontaktdermatitis (oft durch Trägeröle oder längeren Kontakt).
- Phototoxizität: Insbesondere bei Zitrusölen nach direkter Sonnenexposition.
- Psychologisch: Negative Reaktionen, wenn Gerüche mit schlechten Erinnerungen verknüpft sind.
- Kardiovaskulär: Süßorangenöl kann eine stimulierende Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System haben.
Interaktionen
Ätherische Öle können Schläfrigkeit oder Benommenheit verursachen. Dies kann zu Wechselwirkungen mit ZNS-dämpfenden Medikamenten führen. Besondere Vorsicht gilt bei der gleichzeitigen Gabe von:
- Betäubungsmitteln / Opiaten (z. B. Morphin, Oxycodon)
- Beruhigungs- und Anti-Angstmitteln (z. B. Lorazepam, Diazepam, Alprazolam)
Kontraindikationen und Warnhinweise
| Situation / Erkrankung | Bemerkung / Risiko |
|---|---|
| Asthma | Strikte Kontraindikation für Inhalations-Aromatherapie |
| Östrogenabhängige Tumoren | Vorsicht bei Lavendel- und Teebaumöl (Risiko einer Gynäkomastie) |
| Hautdefekte, Krampfadern | Kontraindikation für lokale Aromatherapie-Massage |
| Schwangerschaft / Stillzeit | Generelle Vorsicht geboten |
| Leber- oder Nierenerkrankungen | Generelle Vorsicht geboten |
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei Patienten mit Asthma strikt auf die inhalative Aromatherapie und klären Sie Patienten über die verstärkte Schläfrigkeit auf, wenn gleichzeitig ZNS-dämpfende Medikamente wie Opiate oder Benzodiazepine eingenommen werden.