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AL-Amyloidose: Leitlinie zu Diagnostik & Therapie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die AL-Amyloidose ist eine Proteinfehlfaltungserkrankung, bei der eine zugrundeliegende Plasmazelldyskrasie zur Ablagerung monoklonaler Leichtketten führt.
  • Die Diagnose erfordert zwingend eine Gewebebiopsie mit Nachweis Kongorot-positiver Amyloidablagerungen sowie eine anschließende Typisierung (meist Immunhistologie).
  • Die kardialen Biomarker NT-proBNP und cTnT bestimmen die Stadieneinteilung (modifizierte Mayo-Klassifikation) und die Prognose maßgeblich.
  • Die Erstlinientherapie erfolgt risikoadaptiert: Hochdosistherapie mit Stammzelltransplantation bei Niedrigrisiko, Dara-CyBorD bei intermediärem Risiko.
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Hintergrund

Die Leichtketten (AL)-Amyloidose gehört zu den systemischen Proteinfehlfaltungskrankheiten. Infolge einer Konformationsänderung lagern sich Proteine als unlösliche fibrilläre Aggregate extrazellulär in verschiedenen Geweben ab. Bei etwa 90 % der Patienten liegt als Ursache eine monoklonale Gammopathie oder ein asymptomatisches Multiples Myelom vor. Das amyloidogene Paraprotein ist zu ca. 80 % eine Lambda-Leichtkette. In über 50 % der Fälle lässt sich zytogenetisch eine Translokation t(11;14) nachweisen.

Klinisches Bild und Organbefall

Die Frühsymptome (Müdigkeit, Gewichtsverlust) sind oft unspezifisch. Bei Auftreten organbezogener Symptome liegt meist bereits eine fortgeschrittene Schädigung vor.

Betroffenes OrganTypische SymptomeEmpfohlene Basisdiagnostik
HerzBelastungsdyspnoe, Ödeme, Hypotonie, RuhetachykardieEKG, Echokardiografie, NT-proBNP, Troponin T
NiereNephrotisches Syndrom, Ödeme24h-Sammelurin (Protein/Albumin) oder Spontanurin-Ratio
Magen-DarmInappetenz, Diarrhoe, GI-BlutungenEndoskopie mit Biopsien
LeberHarte Hepatomegalie, AszitesSonografie, AP, gamma-GT
NervensystemSensomotorische Polyneuropathie, Orthostase, BlasenstörungENG, EMG, Schellong-Test
WeichteileMakroglossie, periorbitale Hauteinblutungen, HeiserkeitKlinische Inspektion, Faktor X Messung

Diagnostik

Die Diagnose einer Amyloidose ist nur per Gewebsbiopsie möglich.

  • Nachweis: Kongorot-positive Ablagerungen, die polarisationsoptisch eine grüne oder rot-gelbliche Doppelbrechung zeigen.
  • Biopsieorte: Subkutanes Fett, Haut, Knochenmark oder Magen-Darm-Trakt (Duodenum, tiefe Rektumbiopsie). Bei negativen Screening-Biopsien direkte Biopsie des symptomatischen Organs.
  • Typisierung: Zwingend erforderlich zur Abgrenzung von anderen Amyloidosen (z. B. ATTR). Standard im deutschsprachigen Raum ist die Immunhistologie.
  • Differenzialdiagnostik: Zum Ausschluss einer kardialen ATTR-Amyloidose kann eine Skelettszintigrafie (Beurteilung nach Perugini-Score) eingesetzt werden. Bei Nachweis einer ATTR-Amyloidose muss eine humangenetische Testung (Ausschluss hereditärer Formen) erfolgen.

Stadieneinteilung

Die Prognose und Therapieauswahl richten sich primär nach dem Ausmaß der kardialen und renalen Beteiligung.

Modifizierte kardiale Mayo-Stadieneinteilung:

BiomarkerStadium IStadium IIStadium IIIaStadium IIIb
cTnT (ng/ml)< 0.035> 0.035 oder> 0.035 und> 0.035 und
NT-proBNP (pg/ml)< 332> 332> 332 (aber ≤ 8500)> 8500

Renale Stadieneinteilung (Risiko für Dialysepflichtigkeit nach 3 Jahren):

ParameterStadium IStadium IIStadium III
eGFR (ml/min)≥ 50≤ 50 oder≤ 50 und
Proteinurie (g/24h)≤ 5≥ 5≥ 5

Therapie der Erstlinie

Ziel der Therapie ist die Reduktion der Amyloid-bildenden Leichtketten durch eine Immun-Chemotherapie. Die Auswahl richtet sich nach dem Risikoprofil des Patienten.

RisikogruppeBevorzugte TherapieBemerkung
Niedrigrisiko (ca. 20%)Induktionstherapie (z.B. Dara-CyBorD) gefolgt von Hochdosis-Melphalan (200 mg/m²) + autologe Stammzelltransplantation (ASCT)Strenge Auswahlkriterien: Alter < 65-70, NYHA < III, eGFR > 50, NT-proBNP < 5000.
Mittleres Risiko (ca. 60%)Dara-CyBorD (Daratumumab, Cyclophosphamid, Bortezomib, Dexamethason)Neuer Standard nach ANDROMEDA-Studie. Alternative: VMDex.
Hochrisiko (ca. 20%, Mayo IIIb)Monotherapien oder Zweierkombinationen (z.B. Daratumumab-low-dose-Dexa)Deutliche Dosisreduktion und engmaschiges Monitoring zwingend erforderlich.

Therapie bei Rezidiv oder Refraktärität

Bei fehlendem hämatologischem Ansprechen nach 2 bis 3 Zyklen sollte die Therapie zügig umgestellt werden, um weitere Organschäden zu vermeiden.

  • Optionen: Triplet- oder Doublet-Therapien (z.B. Daratumumab/Bortezomib/Dexa, Ixazomib/Dexa, Lenalidomid/Dexa).
  • Sondersituation: Bei Patienten, die refraktär auf Dara-CyBorD sind und keine t(11;14) aufweisen, sollte in spezialisierten Zentren der Einsatz von bispezifischen Antikörpern (z.B. Teclistamab) oder CAR-T-Zelltherapie geprüft werden.

Besondere klinische Situationen

  • Herzamyloidose: Die klassische Herzinsuffizienztherapie (Betablocker, ACE-Hemmer) ist aufgrund der diastolischen Relaxationsstörung und Neigung zur Hypotonie meist kontraindiziert. Grundpfeiler sind Diuretika; SGLT2-Inhibitoren können erfolgreich addiert werden.
  • IgM-assoziierte Amyloidose: Liegt ein lymphoplasmozytisches Lymphom (M. Waldenström) zugrunde, erfolgt die Therapie analog mit Rituximab und Bendamustin.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei Patienten mit kardialer AL-Amyloidose auf klassische Herzinsuffizienz-Medikamente wie ACE-Hemmer oder Betablocker, da diese oft zu schweren Hypotonien führen. Setzen Sie stattdessen auf Diuretika und ggf. SGLT2-Inhibitoren.

Häufig gestellte Fragen

Die Diagnose erfordert eine Gewebebiopsie (z.B. aus subkutanem Fett, Rektum oder dem betroffenen Organ) mit Nachweis von Kongorot-positiven Ablagerungen und anschließender Typisierung mittels Immunhistologie.
Entscheidend sind die kardialen Biomarker NT-proBNP und kardiales Troponin T (cTnT) für die Mayo-Klassifikation sowie die eGFR und die Proteinurie im 24h-Sammelurin für die renale Stadieneinteilung.
Bei Patienten mit mittlerem Risiko ist die Kombination Dara-CyBorD (Daratumumab, Cyclophosphamid, Bortezomib, Dexamethason) der Standard. Niedrigrisiko-Patienten erhalten oft eine Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation.
Neben der Immunhistologie aus der Biopsie kann eine Skelettszintigrafie helfen: Eine starke kardiale Tracer-Anreicherung (Perugini-Score 2-3) spricht meist für eine ATTR-Amyloidose. Bei ATTR-Nachweis muss zudem eine genetische Testung erfolgen.

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