Odontogene Infektionen: Diagnostik und Antibiose
Hintergrund
Odontogene Infektionen entstehen durch bakterielle Entzündungen, die von den Zähnen oder dem Zahnhalteapparat ausgehen. Die AWMF S3-Leitlinie unterteilt diese klinisch in Infiltrate, lokale Infektionen sowie Infektionen mit Ausbreitungstendenz.
Je nach Immunstatus des Betroffenen und Lokalisation der Entzündung können diese Infektionen blande verlaufen oder lebensbedrohliche Komplikationen verursachen. Zu den schwerwiegenden systemischen Komplikationen zählen unter anderem Sepsis, Mediastinitis, nekrotisierende Fasziitis oder Hirnabszesse.
Eine exakte klinische Einschätzung ist essenziell, um rechtzeitig zwischen einer ambulanten lokalen Therapie und einer notwendigen stationären Überwachung zu differenzieren. Besonders bei Patienten mit Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Immunsuppression ist eine engmaschige Kontrolle geboten.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die unkritische Antibiotikagabe bei lokalisierten Abszessen. Die Leitlinie betont, dass bei einer odontogenen Infektion ohne Ausbreitungstendenz, bei der sich nach Inzision Pus entleert, explizit auf eine Antibiotikatherapie verzichtet werden soll, sofern keine systemischen Risikofaktoren vorliegen. Die chirurgische Entlastung und Ursachenbeseitigung stehen hier alleinig im Vordergrund.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist eine Antibiotikagabe bei Infiltraten ohne Pus-Entleerung sowie bei Infektionen mit Ausbreitungstendenz indiziert. Bei lokalisierten Infektionen mit Pus-Entleerung wird bei ansonsten gesunden Personen explizit von einer Antibiotikagabe abgeraten.
Die Leitlinie empfiehlt als empirische Erstlinientherapie Penicillin oder Amoxicillin. Bei Vorliegen einer Penicillinallergie wird der Einsatz von Clindamycin als Alternative empfohlen.
Zu den klinischen Zeichen einer Ausbreitung zählen eine Kieferklemme, Schluckbeschwerden, eine kloßige Sprache sowie eine extraorale Schwellung. Auch ein nicht mehr durchtastbarer Unterkieferrand oder ein angehobener Mundboden weisen laut Leitlinie auf eine gefährliche Ausbreitung hin.
Es wird empfohlen, den eingelegten Drain bei ambulant geführten Therapien spätestens jeden zweiten bis dritten Tag zu wechseln. Dies sollte bis zum vollständigen Abklingen der klinischen Symptome fortgeführt werden.
Eine stationäre Überwachung wird empfohlen, sobald die Infektion eine Ausbreitungstendenz zeigt oder systemische Komplikationen auftreten. Auch bei Vorliegen schwerer Allgemeinerkrankungen kann eine stationäre Aufnahme zur intravenösen Antibiose und Überwachung indiziert sein.
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Quelle: Odontogene Infektionen (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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