Obstruktive Sialadenitis: Sonographie und Therapie
Hintergrund
Die obstruktive Sialadenitis ist definiert als eine Entzündung der Kopfspeicheldrüsen, die durch eine Obstruktion des Speichelgangs verursacht wird. Die Leitlinie umfasst die Diagnostik und Therapie bei Kindern und Erwachsenen, schließt jedoch die Behandlung der Ranula sowie die rezidivierende juvenile Parotitis aus.
Die Obstruktion führt zu einem verminderten Speichelabfluss, was langfristig eine Drüseninsuffizienz oder Atrophie zur Folge haben kann. Die Ursachen für die Verlegung des Gangsystems sind vielfältig und verteilen sich laut Leitlinie wie folgt:
| Ursache | Häufigkeit | Bemerkung |
|---|---|---|
| Speichelsteine (Sialolithiasis) | 60-85 % | Meist ist nur eine Drüse betroffen |
| Stenosen | 5-25 % | Postentzündlich, traumatisch, tumorbedingt oder als Anomalie |
| Sialodochitis | 10-15 % | Entzündung des Gangepithels, z. B. nach Radiojodtherapie |
Klinisch präsentiert sich die Erkrankung typischerweise durch eine rezidivierende, nahrungsabhängige und schmerzhafte Schwellung der betroffenen Speicheldrüse. Diese bildet sich bei Ausbleiben des Reizes oft zurück, kann jedoch in einen akuten entzündlichen Zustand übergehen.
Klinischer Kontext
Die obstruktive Sialadenitis ist eine häufige Erkrankung der großen Speicheldrüsen, wobei die Glandula submandibularis am häufigsten betroffen ist. Sialolithiasis (Speichelsteine) ist die Hauptursache und betrifft etwa ein Prozent der Bevölkerung im Laufe des Lebens.
Eine Abflussbehinderung des Speichels führt zu einem Sekretstau, der den Druck im Drüsengewebe erhöht und eine Entzündungsreaktion auslöst. Dies begünstigt aufsteigende bakterielle Infektionen aus der Mundhöhle, was zu einer akuten oder chronischen eitrigen Sialadenitis führen kann.
Für Hausärzte ist die rasche Erkennung wichtig, um Komplikationen wie Abszessbildungen oder eine Ausbreitung der Infektion in die tiefen Halslogen zu verhindern. Wiederkehrende Entzündungen können zudem zu einer irreversiblen Schädigung des Drüsenparenchyms führen.
Die Diagnose wird meist klinisch durch die typische schmerzhafte Schwellung der Drüse, besonders bei Nahrungsaufnahme, gestellt. Ultraschall ist das bildgebende Verfahren der ersten Wahl, um Steine, Strikturen oder entzündliche Veränderungen darzustellen.
Wissenswertes
Neben der Sialolithiasis können auch entzündliche Strikturen des Ausführungsganges, anatomische Anomalien oder Fremdkörper eine Obstruktion verursachen. Seltener führen Tumore oder narbige Veränderungen nach Traumen zu einer Abflussbehinderung des Speichels.
Speichelsteine als Hauptursache der Obstruktion treten zu etwa 80 bis 90 Prozent in der Glandula submandibularis auf. Dies liegt an dem aufsteigenden Verlauf des Ausführungsganges und der visköseren, kalziumreicheren Zusammensetzung des dortigen Speichels.
Die Basisdiagnostik umfasst die Inspektion und bimanuell-kombinierte Palpation der betroffenen Drüse und des Ausführungsganges. Ergänzend ist die Sonographie der Halsweichteile das Standardverfahren, um Konkremente und den Grad der Drüsenschwellung strahlenfrei zu beurteilen.
Die primäre Behandlung besteht aus speicheltreibenden Maßnahmen wie sauren Bonbons, Kaugummikauen und ausreichender Flüssigkeitszufuhr. Begleitend werden Analgetika und bei bakterieller Superinfektion systemische Antibiotika eingesetzt.
Eine fachärztliche Vorstellung ist bei Therapieresistenz, wiederkehrenden Beschwerden oder dem Verdacht auf eine Abszessbildung indiziert. Auch unklare Raumforderungen oder tief sitzende Steine, die endoskopisch oder chirurgisch entfernt werden müssen, erfordern eine Überweisung.
Unbehandelt kann eine eitrige Entzündung zu einer Abszedierung innerhalb der Drüse oder in den angrenzenden Logen des Halses führen. In schweren Fällen droht eine lebensgefährliche Ausbreitung der Infektion bis in das Mediastinum.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Bei Vorliegen einer akuten Sialadenitis wird empfohlen, eine zugrundeliegende Sialolithiasis erst nach Abklingen der akuten Entzündung differentialdiagnostisch auszuschließen. Zudem weist die Leitlinie darauf hin, dass bei bis zu 10 % der Patienten trotz typischer Klinik kein pathologischer Befund in Bildgebung oder Endoskopie erhoben werden kann. In diesen Fällen wird Bruxismus als mögliche Ursache beschrieben, die es im klinischen Alltag zu berücksichtigen gilt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist die hochauflösende Sonographie das diagnostische Verfahren der ersten Wahl. Sie bietet eine Sensitivität von bis zu 95 % für Speichelsteine und ermöglicht eine detaillierte Beurteilung der Drüsenarchitektur.
Die Exstirpation der betroffenen Drüse wird als Ultima Ratio betrachtet. Es wird dringend empfohlen, primär drüsenerhaltende Verfahren wie die Sialendoskopie oder die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) auszuschöpfen.
In 60 bis 85 % der Fälle sind Speichelsteine die Ursache der Obstruktion. Weitere Gründe umfassen Stenosen sowie primäre Entzündungen des Gangepithels, beispielsweise als Folge einer Radiojodtherapie.
Bei der Erstdiagnose wird zunächst ein konservativer Ansatz empfohlen. Dieser umfasst Sialagoga, ausreichende Hydratation, Drüsenmassage sowie bei Bedarf eine antiinfektiöse Therapie mit Antibiotika und Antiphlogistika.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Obstruktive Sialadenitis (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen