Obstipation bei Kindern: Diagnostik und Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2017 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2017)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Obstipation ist im Kindesalter häufig und betrifft bis zu 30 % der pädiatrischen Population. Die genaue Ursache ist oft unklar, weshalb bei fehlenden anatomischen oder physiologischen Auffälligkeiten von einer idiopathischen Obstipation gesprochen wird.

Chronische Verläufe und Stuhlinkontinenz (Soiling) können erhebliche soziale und psychologische Folgen haben. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Therapie sind entscheidend, um einen Teufelskreis aus schmerzhafter Defäkation und Stuhlretention zu durchbrechen.

Die NICE-Leitlinie CG99 bietet evidenzbasierte Strategien zur frühzeitigen Erkennung und effektiven Behandlung der idiopathischen Obstipation bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:

Diagnostik

Die Diagnose einer idiopathischen Obstipation wird klinisch anhand von Anamnese und körperlicher Untersuchung gestellt.

Es wird empfohlen, auf Warnhinweise (Red Flags) zu achten, die auf eine zugrunde liegende Erkrankung hindeuten. Dazu zählen unter anderem ein verzögerter Mekoniumabgang, neurologische Auffälligkeiten oder perianale Fisteln.

Apparative Untersuchungen wie Sonografie, Röntgen, Endoskopie oder Transitstudien werden zur primären Diagnostik nicht empfohlen.

Eine digital-rektale Untersuchung sollte laut Leitlinie nur von erfahrenem Fachpersonal durchgeführt werden. Bei Kindern über einem Jahr mit Warnhinweisen auf zugrunde liegende Erkrankungen wird von einer routinemäßigen rektalen Untersuchung abgeraten.

Therapie: Disimpaktion

Bei Vorliegen einer fäkalen Impaktion wird eine orale medikamentöse Disimpaktion empfohlen.

Als Erstlinientherapie wird Polyethylenglykol (PEG) 3350 plus Elektrolyte in eskalierender Dosierung empfohlen.

  • Bei unzureichender Wirkung nach zwei Wochen kann ein stimulierendes Laxans ergänzt werden

  • Bei Unverträglichkeit von PEG 3350 wird ein stimulierendes Laxans, gegebenenfalls in Kombination mit Lactulose, empfohlen

  • Rektale Medikamente werden nur bei Versagen aller oralen Therapien empfohlen

Therapie: Erhaltungstherapie

Sobald die Impaktion behoben ist, wird der sofortige Beginn einer Erhaltungstherapie empfohlen.

Auch hier gilt PEG 3350 plus Elektrolyte als Mittel der ersten Wahl.

Die Leitlinie betont, dass die Medikation nicht abrupt abgesetzt werden darf. Sie sollte über Monate schrittweise reduziert werden, sobald sich ein regelmäßiger Stuhlgang etabliert hat.

Ernährung und Lebensstil

Diätetische Maßnahmen allein werden nicht als Erstlinientherapie empfohlen.

Es wird eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen und Flüssigkeit in Kombination mit Laxanzien empfohlen.

Die Leitlinie gibt folgende Richtwerte für die tägliche Flüssigkeitsaufnahme über Getränke vor:

AltersgruppeEmpfohlene Flüssigkeitsaufnahme über Getränke pro Tag
7 bis 12 Monate600 ml
1 bis 3 Jahre900 ml
4 bis 8 Jahre1200 ml
Jungen 9 bis 13 Jahre1800 ml
Mädchen 9 bis 13 Jahre1600 ml
Jungen 14 bis 18 Jahre2600 ml
Mädchen 14 bis 18 Jahre1800 ml

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät ausdrücklich von der alleinigen Verwendung diätetischer Maßnahmen als Erstlinientherapie ab.

Unverarbeitete Kleie wird nicht empfohlen, da sie Blähungen verursachen und die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen kann.

Rektale Einläufe (wie Phosphat-Klistiere) oder manuelle Ausräumungen werden ohne fachärztliche Überwachung und vorheriges Versagen oraler Therapien nicht empfohlen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler ist das zu frühe Absetzen der Laxanzien nach einer erfolgreichen Disimpaktion. Die Leitlinie betont, dass die Erhaltungstherapie oft über mehrere Monate oder sogar Jahre fortgeführt und nur sehr langsam ausgeschlichen werden sollte, um Rückfälle zu vermeiden. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Disimpaktionstherapie initial zu einer Zunahme von Bauchschmerzen und Stuhlschmieren (Soiling) führen kann.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt Polyethylenglykol (PEG) 3350 plus Elektrolyte als Mittel der ersten Wahl sowohl für die Disimpaktion als auch für die Erhaltungstherapie. Bei unzureichender Wirkung kann ein stimulierendes Laxans ergänzt werden.

Nein, die Leitlinie rät von routinemäßigen bildgebenden Verfahren wie Sonografie oder Röntgen-Abdomen zur Diagnosestellung der idiopathischen Obstipation ab. Die Diagnose wird rein klinisch gestellt.

Für Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren wird eine tägliche Flüssigkeitsaufnahme von etwa 900 ml über Getränke empfohlen. Bei körperlicher Aktivität oder Hitze kann der Bedarf steigen.

Eine kuhmilchfreie Diät wird bei idiopathischer Obstipation laut Leitlinie nur auf ausdrückliche Empfehlung eines Spezialisten angeraten.

Diese Untersuchung wird nur bei Verdacht auf anatomische Anomalien oder Morbus Hirschsprung empfohlen. Sie darf ausschließlich von erfahrenem Fachpersonal durchgeführt werden.

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Quelle: NICE Guideline on Constipation in Children (NICE, 2017). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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