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Reizdarmsyndrom (IBS): Leitlinie zur Therapie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine IBS-Diagnose sollte bei Symptomen erwogen werden, die seit mindestens 6 Monaten bestehen (Bauchschmerzen, Blähungen, veränderte Stuhlgewohnheiten).
  • Die Basisdiagnostik umfasst lediglich Blutbild, BSG/CRP und Zöliakie-Antikörper; Koloskopie oder Ultraschall sind primär nicht erforderlich.
  • Bei der Ernährung sollten unlösliche Ballaststoffe (z. B. Weizenkleie) gemieden und lösliche (z. B. Hafer, Flohsamen) bevorzugt werden.
  • Die medikamentöse Therapie erfolgt symptomorientiert (Loperamid, Spasmolytika, Laxanzien). Laktulose sollte vermieden werden.
  • Trizyklische Antidepressiva (TCA) in niedriger Dosierung gelten als Zweitlinientherapie bei refraktären Beschwerden.
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Hintergrund

Das Reizdarmsyndrom (Irritable Bowel Syndrome, IBS) ist eine chronische, rezidivierende Erkrankung. Sie betrifft am häufigsten Menschen zwischen 20 und 30 Jahren, wobei Frauen doppelt so oft erkranken wie Männer. Die Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung wird auf 10 % bis 20 % geschätzt. Auch bei älteren Patienten mit unerklärlichen abdominellen Symptomen sollte ein IBS in Betracht gezogen werden.

Initiale Beurteilung und Diagnosekriterien

Eine Beurteilung auf IBS sollte erfolgen, wenn ein Patient seit mindestens 6 Monaten über Bauchschmerzen/-unwohlsein, Blähungen oder veränderte Stuhlgewohnheiten klagt. Vor der Diagnosestellung müssen "Red Flags" (Warnzeichen für Krebs oder entzündliche Darmerkrankungen) klinisch und laborchemisch ausgeschlossen werden.

KriteriumBedingung
HauptkriteriumBauchschmerzen oder Unwohlsein, das durch Defäkation gelindert wird ODER mit einer veränderten Stuhlfrequenz/-form einhergeht.
Zusatzkriterien (mind. 2 von 4 erforderlich)1. Veränderte Stuhlpassage (Pressen, imperativer Drang, unvollständige Entleerung)<br>2. Abdominelle Blähungen, Distension oder Härte<br>3. Verschlechterung der Symptome durch Essen<br>4. Schleimabgang

Zusätzliche Symptome wie Lethargie, Übelkeit, Rückenschmerzen und Blasenbeschwerden sind häufig und können die Diagnose stützen.

Diagnostik

Bei Patienten, die die IBS-Kriterien erfüllen, sollte eine gezielte, aber zurückhaltende Basisdiagnostik erfolgen, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Empfohlene Tests (Ausschlussdiagnostik)Nicht routinemäßig empfohlene Tests
Großes Blutbild (FBC)Ultraschall
BSG oder Plasmaviskosität(Flexible) Sigmoidoskopie oder Koloskopie
C-reaktives Protein (CRP)Bariumbreieinlauf
Zöliakie-Antikörper (EMA oder TTG)Schilddrüsenfunktionstests, Stuhl auf Parasiten/Ova, fäkales okkultes Blut, H2-Atemtests

Basistherapie: Lebensstil und Ernährung

Die Aufklärung über Selbsthilfemaßnahmen ist essenziell. Die körperliche Aktivität sollte bewertet und ggf. gesteigert werden. Folgende Ernährungsrichtlinien werden empfohlen:

  • Mahlzeiten: Regelmäßig essen, keine Mahlzeiten auslassen.
  • Flüssigkeit: Mindestens 8 Tassen pro Tag (Wasser, Kräutertees). Tee und Kaffee auf max. 3 Tassen pro Tag beschränken. Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke reduzieren.
  • Ballaststoffe: Unlösliche Ballaststoffe (z. B. Kleie) vermeiden. Bei Bedarf lösliche Ballaststoffe (z. B. Flohsamen/Ispaghula, Hafer) verwenden.
  • Obst: Maximal 3 Portionen (à ca. 80 g) frisches Obst pro Tag.
  • Spezifische Trigger: Bei Diarrhö künstliche Süßstoffe wie Sorbitol meiden. Bei Blähungen können Hafer und Leinsamen (bis zu 1 EL/Tag) helfen.
  • Probiotika: Bei Anwendung für mindestens 4 Wochen testen.
  • Aloe Vera: Die Anwendung wird nicht empfohlen.
  • Spezialdiäten: Eine Low-FODMAP-Diät sollte nur bei persistierenden Symptomen und unter Anleitung einer ernährungsmedizinischen Fachkraft erfolgen.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie richtet sich nach dem vorherrschenden Symptom. Die Dosis von Laxanzien oder Antidiarrhoika sollte so titriert werden, dass ein weicher, gut geformter Stuhl erreicht wird (Ziel: Bristol Stool Form Scale Typ 4).

WirkstoffklasseIndikationBemerkung / Evidenz
SpasmolytikaSchmerzen / KrämpfeNach Bedarf einnehmen.
LaxanzienObstipationLaktulose vermeiden!
LoperamidDiarrhöMittel der ersten Wahl bei Durchfall.
LinaclotidChronische ObstipationNur wenn Obstipation >12 Monate besteht und maximale Dosen anderer Laxanzien versagt haben. Follow-up nach 3 Monaten.
TCA (z. B. Amitriptylin)Zweitlinientherapie bei SchmerzenOff-Label. Start mit 5-10 mg zur Nacht, max. 30 mg. Regelmäßiges Follow-up.
SSRIZweitlinientherapieOff-Label. Nur erwägen, wenn TCA ineffektiv sind.

Psychologische Interventionen und Alternativmedizin

Wenn nach 12 Monaten medikamentöser Therapie keine Besserung eintritt (refraktäres IBS), sollte eine Überweisung für psychologische Interventionen (Kognitive Verhaltenstherapie [CBT], Hypnotherapie oder psychologische Therapie) erwogen werden.

Der Einsatz von Akupunktur oder Reflexzonenmassage wird zur Behandlung des IBS nicht empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei erfüllten IBS-Kriterien und unauffälligen Basis-Laborwerten (Blutbild, Entzündungsparameter, Zöliakie-Serologie) auf eine ausufernde apparative Diagnostik wie Koloskopie. Raten Sie Patienten aktiv von unlöslichen Ballaststoffen wie Weizenkleie ab, da diese die Symptome oft verschlimmern.

Häufig gestellte Fragen

Bei Bauchschmerzen, Blähungen oder veränderten Stuhlgewohnheiten, die seit mindestens 6 Monaten bestehen.
Die Leitlinie empfiehlt lediglich ein großes Blutbild, BSG oder Plasmaviskosität, CRP sowie Zöliakie-Antikörper (EMA oder TTG).
Nein, bei typischen Symptomen und fehlenden Warnzeichen (Red Flags) ist eine Koloskopie nicht notwendig.
Laktulose sollte laut Leitlinie nicht verwendet werden. Bevorzugt werden sollten andere Laxanzien, um einen Stuhl der Bristol-Skala Typ 4 zu erreichen.
Trizyklische Antidepressiva (TCA) können als Zweitlinientherapie (Off-Label) in niedriger Dosierung (5-10 mg) eingesetzt werden, wenn Spasmolytika, Loperamid oder Laxanzien nicht ausreichend wirken.

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