Nosokomiale Pneumonie (HAP/VAP): Diagnostik & Antibiose
Hintergrund
Die nosokomiale Pneumonie (HAP) und die beatmungsassoziierte Pneumonie (VAP) gehören zu den häufigsten und folgenreichsten Krankenhausinfektionen in Europa. Auf Intensivstationen machen Infektionen der unteren Atemwege über 40 Prozent aller nosokomialen Infektionen aus.
Laut der zugrundeliegenden AWMF-Leitlinie wird eine HAP definiert als Pneumonie, die frühestens 48 Stunden nach Krankenhausaufnahme auftritt. Eine VAP entwickelt sich, wenn vor der Pneumonie mindestens drei Kalendertage eine maschinelle Beatmung über einen Tubus oder ein Tracheostoma stattgefunden hat.
Die Leitlinie fokussiert sich auf die Diagnostik und Therapie bei immunkompetenten erwachsenen Patienten. Präventive Maßnahmen werden nicht behandelt, hierfür wird auf die entsprechenden Empfehlungen der KRINKO verwiesen.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist das Verzögern der Antibiotikagabe zur Gewinnung mikrobiologischer Proben. Die Leitlinie betont, dass die Diagnostik zwar vor der ersten Antibiotikagabe erfolgen soll, dies aber bei hämodynamisch instabilen Patienten zu keiner Verzögerung von über einer Stunde führen darf. Zudem wird ausdrücklich empfohlen, bei klinischer Stabilisierung nach 48 bis 72 Stunden die Therapie auch ohne Erregernachweis konsequent zu deeskalieren.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine Pneumonie als nosokomial (HAP) eingestuft, wenn sie frühestens 48 Stunden nach der Krankenhausaufnahme auftritt. Eine beatmungsassoziierte Pneumonie (VAP) liegt vor, wenn vor Krankheitsbeginn mindestens drei Kalendertage eine maschinelle Beatmung stattfand.
Zu den therapierelevanten Risikofaktoren zählen unter anderem eine intravenöse Antibiotikatherapie in den letzten 30 Tagen, eine Hospitalisierung von mindestens fünf Tagen vor Krankheitsbeginn sowie ein septischer Schock. Auch eine bekannte Kolonisation mit MRE oder strukturelle Lungenerkrankungen erhöhen das Risiko.
Die Leitlinie empfiehlt eine kalkulierte Kombinationstherapie primär bei Patienten mit septischem Schock, die zusätzlich einen weiteren Risikofaktor für multiresistente Erreger aufweisen. Als Kombinationspartner für ein Betalaktam-Antibiotikum kommen pseudomonaswirksame Fluorchinolone, Aminoglykoside oder Fosfomycin in Betracht.
Bei einem guten klinischen Ansprechen wird eine Therapiedauer von sieben bis acht Tagen empfohlen. Längere Behandlungszeiten sind laut Leitlinie nur in Einzelfällen erforderlich, beispielsweise bei einer S. aureus-Bakteriämie oder bei Lungenabszessen.
Ein PCT-gestützter Algorithmus kann eingesetzt werden, um die Behandlungsdauer mit Antibiotika zu verkürzen. Für die primäre Diagnosestellung einer HAP bietet PCT gegenüber klinischen und radiologischen Kriterien jedoch keinen relevanten Zusatznutzen.
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Quelle: Epidemiologie, Diagnostik und Therapie erwachsener Patienten mit nosokomialer Pneumonie (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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