Nintedanib (PF-ILD): Therapie und Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A20-71 bewertet den Zusatznutzen von Nintedanib bei Erwachsenen mit anderen chronischen progredient fibrosierenden interstitiellen Lungenerkrankungen (PF-ILD). Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss Best supportive Care (BSC) festgelegt.
Die Bewertung basiert maßgeblich auf der placebokontrollierten INBUILD-Studie. In dieser wurden Personen untersucht, die trotz patientenindividueller Therapie eine Verschlechterung der Lungenfunktion oder ein Fortschreiten fibrotischer Veränderungen zeigten.
Für die zu betrachtende Patientengruppe stand bisher keine zugelassene pharmakologische Behandlung zur Verfügung. Aufgrund der Schwere der Erkrankung besteht ein hoher therapeutischer Bedarf an wirksamen und sicheren Therapieoptionen.
Empfehlungen
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
Laut IQWiG-Bericht ergibt sich in der Gesamtschau ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen von Nintedanib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie BSC. Dem positiven Effekt bei der Vermeidung akuter Exazerbationen stehen negative Effekte durch Nebenwirkungen gegenüber.
Morbidität und Mortalität
Die Bewertung zeigt für die Wirksamkeitsendpunkte folgende Ergebnisse:
-
Für das Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied, ein Zusatznutzen ist hierfür nicht belegt.
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Beim kombinierten Endpunkt "akute Exazerbation oder Tod" ergibt sich ein statistisch signifikanter Vorteil, was als Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen gewertet wird.
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Für die Endpunkte Symptomatik und gesundheitsbezogene Lebensqualität ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Der Bericht stellt signifikante Nachteile im Bereich der unerwünschten Ereignisse fest:
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Es zeigt sich ein Hinweis auf einen beträchtlichen höheren Schaden bei Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts (insbesondere Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen).
-
Für schwere Diarrhöen ergibt sich ein Hinweis auf einen erheblich höheren Schaden.
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Bei Leber- und Gallenerkrankungen wird ein Hinweis auf einen geringen höheren Schaden abgeleitet.
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Bei Personen unter 65 Jahren zeigt sich zudem ein höherer Schaden durch verminderten Appetit.
Dosierung
Die Fachinformation und der Bericht geben folgende Dosierungsempfehlungen für Nintedanib an:
| Indikation | Standarddosis | Reduzierte Dosis (bei Unverträglichkeit) | Maximale Tagesdosis |
|---|---|---|---|
| Chronische PF-ILD | 150 mg 2-mal täglich | 100 mg 2-mal täglich | 300 mg |
Die Einnahme sollte oral, unzerkaut mit Wasser und vorzugsweise zu einer Mahlzeit im Abstand von etwa 12 Stunden erfolgen. Bei Auftreten von therapieassoziierten unerwünschten Ereignissen (wie Diarrhö) kann die Dosis reduziert oder die Therapie vorübergehend unterbrochen werden.
Kontraindikationen
Laut den im Bericht zitierten Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung gelten folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Überempfindlichkeit gegen Nintedanib, Erdnuss, Soja oder andere Bestandteile der Kapsel.
-
Mittelschwere und schwere Leberfunktionsstörungen (Child Pugh B und C).
-
Schwerwiegende pulmonale Hypertonie.
-
Schwangerschaft, da Nintedanib fetale Schäden verursachen kann (zuverlässige Verhütung ist bis 3 Monate nach Therapieende erforderlich).
Zudem wird besondere Vorsicht bei Personen mit hohem kardiovaskulären Risiko, Blutungsrisiko oder vorangegangenen abdominalchirurgischen Eingriffen empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Es wird empfohlen, vor Beginn sowie im ersten Monat der Nintedanib-Therapie die Lebertransaminasen- und Bilirubinspiegel engmaschig zu überprüfen. Bei anhaltender schwerer Diarrhö, Übelkeit oder Erbrechen trotz antiemetischer oder antidiarrhoischer Therapie sollte laut Bericht eine Dosisreduktion auf 100 mg zweimal täglich oder ein Therapieabbruch erwogen werden.
Häufig gestellte Fragen
Der IQWiG-Bericht leitet insgesamt einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen im Vergleich zu Best supportive Care ab. Dieser basiert primär auf einem Vorteil beim kombinierten Endpunkt aus akuter Exazerbation oder Tod.
Laut Bewertung treten gastrointestinale Beschwerden wie Diarrhö, Übelkeit und Erbrechen sehr häufig auf. Für diese Endpunkte wurde ein Hinweis auf einen höheren Schaden im Vergleich zur Placebogruppe festgestellt.
Die empfohlene Standarddosis beträgt 150 mg zweimal täglich im Abstand von 12 Stunden. Bei Unverträglichkeiten kann die Dosis auf 100 mg zweimal täglich reduziert werden.
Es wird eine regelmäßige Kontrolle der Leberwerte (Transaminasen und Bilirubin) empfohlen. Diese sollte vor Therapiebeginn, im ersten Monat und danach in regelmäßigen Abständen erfolgen.
Bei mittelschwerer und schwerer Leberfunktionsstörung (Child Pugh B und C) wird die Therapie nicht empfohlen. Bei leichten Einschränkungen ist eine engmaschige Überwachung angezeigt.
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Quelle: IQWiG A20-71: Nintedanib (interstitielle Lungenerkrankung) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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