Nierenzellkarzinom: Cabozantinib & Nivolumab Therapie
Hintergrund
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit der Nutzenbewertung von Cabozantinib in Kombination mit Nivolumab beauftragt. Die Bewertung bezieht sich auf die Erstlinienbehandlung von erwachsenen Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom.
Die Zielpopulation wird anhand des Risikoprofils nach dem IMDC-Score in zwei Fragestellungen unterteilt. Dies umfasst Patienten mit günstigem Risikoprofil (IMDC-Score 0) sowie Patienten mit intermediärem (IMDC-Score 1-2) oder ungünstigem Risikoprofil (IMDC-Score ≥ 3).
Als zweckmäßige Vergleichstherapie legte der G-BA für beide Gruppen unter anderem Pembrolizumab in Kombination mit Axitinib fest. Der pharmazeutische Unternehmer reichte für die Bewertung einen adjustierten indirekten Vergleich über den Brückenkomparator Sunitinib ein.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert folgende Ergebnisse zur Nutzenbewertung:
Fragestellung 1: Günstiges Risikoprofil
Laut Bericht liegen für erwachsene Patienten mit nicht vorbehandeltem fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom und günstigem Risikoprofil (IMDC-Score 0) keine geeigneten Daten zur Bewertung vor.
Der vorgelegte indirekte Vergleich liefert für diese Subpopulation keine statistisch signifikanten Unterschiede beim Gesamtüberleben. Ein Zusatznutzen von Cabozantinib plus Nivolumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ist für diese Gruppe laut Bericht nicht belegt.
Fragestellung 2: Intermediäres oder ungünstiges Risikoprofil
Für Patienten mit intermediärem (IMDC-Score 1-2) oder ungünstigem Risikoprofil (IMDC-Score ≥ 3) wurde ein adjustierter indirekter Vergleich (Studie CheckMate 9ER vs. KEYNOTE 426) herangezogen. Der Bericht stellt hierzu folgende Ergebnisse fest:
-
Gesamtüberleben: Es zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Cabozantinib plus Nivolumab und der Vergleichstherapie.
-
Morbidität und Lebensqualität: Es liegen keine verwertbaren Daten vor, da die Erhebungszeitpunkte in den Studien ungleich waren.
-
Nebenwirkungen: Aufgrund eines hohen Verzerrungspotenzials in den Studien ist die Ergebnissicherheit für einen indirekten Vergleich nicht ausreichend.
Fazit zum Zusatznutzen
Das IQWiG schlussfolgert, dass für beide Patientengruppen kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen von Cabozantinib in Kombination mit Nivolumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie besteht. Der Zusatznutzen gilt somit als nicht belegt.
Dosierung
Die Nutzenbewertung basiert auf folgendem Dosierungsschema für die Kombinationstherapie:
| Wirkstoff | Dosierung | Applikationsweg | Frequenz |
|---|---|---|---|
| Cabozantinib | 40 mg | oral | 1-mal täglich |
| Nivolumab | 240 mg | intravenös | alle 2 Wochen |
Kontraindikationen
Laut Bericht wird Cabozantinib bei folgenden Patientengruppen nicht empfohlen:
-
Patienten mit schwer eingeschränkter Nierenfunktion
-
Patienten mit schwer eingeschränkter Leberfunktion
-
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
-
Schwangere und Stillende (bis mindestens 4 Monate nach Therapieende)
Zudem nennt der Risk Management Plan folgende wichtige identifizierte Risiken:
-
Gastrointestinale Perforationen und Fisteln
-
Thromboembolische Ereignisse und schwere Blutungen
-
Wundheilungsstörungen und Osteonekrosen
-
Reversibles posteriores Leukoenzephalopathie-Syndrom (RPLS)
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass Cabozantinib ein CYP3A4-Substrat ist und Vorsicht bei der gleichzeitigen Anwendung von starken CYP3A4-Inhibitoren geboten ist. Zudem wird betont, dass Patienten angewiesen werden sollen, mindestens 2 Stunden vor und bis 1 Stunde nach der Einnahme von Cabozantinib nichts zu essen. Aufgrund der hohen Plasmaproteinbindung ist eine regelmäßige Kontrolle der INR-Werte bei gleichzeitiger Gabe von Warfarin erforderlich.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Nutzenbewertung ist ein Zusatznutzen für Cabozantinib in Kombination mit Nivolumab in der Erstlinientherapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms nicht belegt. Dies gilt unabhängig vom IMDC-Risikoprofil der Patienten.
In der Kombinationstherapie mit Nivolumab wird eine Dosis von 40 mg Cabozantinib einmal täglich oral empfohlen. Die Tabletten sollen im Ganzen geschluckt und nicht zerdrückt werden.
Der Gemeinsame Bundesausschuss legte unter anderem Pembrolizumab in Kombination mit Axitinib als zweckmäßige Vergleichstherapie fest. Der pharmazeutische Unternehmer nutzte für den indirekten Vergleich Sunitinib als Brückenkomparator.
Der Risk Management Plan warnt unter anderem vor gastrointestinalen Perforationen, Fisteln, thromboembolischen Ereignissen und schweren Blutungen. In den ersten 8 Wochen der Behandlung wird eine engmaschige ärztliche Überwachung empfohlen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG A21-49: Cabozantinib (Nierenzellkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
IQWiG A21-163: Pembrolizumab (Nierenzellkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A21-59: Nivolumab (Nierenzellkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A21-160: Lenvatinib (Nierenzellkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A21-119: Cabozantininb (Nierenzellkarzinom) - Addendum zum Auftrag A21-49
IQWiG A19-99: Pembrolizumab (Kombination mit Axitinib, Nierenzellkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen