Nierenerkrankungen: eGFR, Proteinurie & Urinsediment
Hintergrund
Nierenerkrankungen verlaufen in frühen Stadien häufig asymptomatisch und werden daher oft spät erkannt. Eine spät diagnostizierte Niereninsuffizienz weist eine hohe Progredienzrate auf und ist mit einer erhöhten kardiovaskulären Morbidität und Mortalität assoziiert.
Die AWMF-Leitlinie zur rationellen Labordiagnostik zielt darauf ab, akute und chronisch progrediente Nierenschädigungen frühzeitig zu erfassen. Durch den zielgerichteten Einsatz von Biomarkern in Blut und Urin sollen unnötige diagnostische Maßnahmen vermieden und eine zielgerichtete Behandlungsstrategie ermöglicht werden.
Ein zentraler Aspekt ist die Differenzierung zwischen prärenalen, intrarenalen und postrenalen Ursachen. Die strukturierte Stufendiagnostik hilft dabei, akute Nierenschädigungen (AKI) von chronischen Nierenkrankheiten (CKD) abzugrenzen.
💡Praxis-Tipp
Ein negativer Urinteststreifen auf Protein schließt eine relevante Proteinurie nicht aus, da freie Leichtketten (Bence-Jones-Proteinurie) vom Teststreifen nicht erfasst werden. Bei einer Diskrepanz zwischen hohem Gesamteiweiß im Urin und negativem Teststreifen wird eine weiterführende Diagnostik auf monoklonale Gammopathie empfohlen. Zudem steigt das Serumkreatinin bei einem akuten Nierenversagen oft erst verzögert an, weshalb die Urinausscheidung engmaschig überwacht werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt die Bestimmung von Cystatin C, wenn die Kreatinin-basierte eGFR klinisch nicht eindeutig zu bewerten ist. Dies gilt insbesondere bei sehr muskulösen Personen, bei Sarkopenie sowie in der Pädiatrie.
Zur Abgrenzung wird die Beurteilung von Vorbefunden und eine Ultraschalluntersuchung der Nieren empfohlen. Zudem sprechen eine renale Anämie, ein sekundärer Hyperparathyreoidismus sowie eine Hyperphosphatämie eher für eine chronische Nierenkrankheit.
Eine Mikrohämaturie liegt vor, wenn im Urinsediment mehr als drei Erythrozyten pro Mikroskopierfeld (bei 400-facher Vergrößerung) nachweisbar sind. Der Nachweis von Akanthozyten weist dabei auf eine glomeruläre Blutungsquelle hin.
Bei Verdacht auf eine ANCA-assoziierte Vaskulitis wird die Bestimmung von c-ANCA (PR3) und p-ANCA (MPO) im Serum empfohlen. Zusätzlich sollte ein aktives Urinsediment auf Erythrozytenzylinder und dysmorphe Erythrozyten untersucht werden.
Es wird empfohlen, die Proteinkonzentration immer auf die Kreatininkonzentration im Urin zu beziehen (z. B. in mg/g Kreatinin). Das Sammeln von 24-Stunden-Urin ist in der Routine meist nicht mehr erforderlich, da der Quotient aus dem Spontanurin gut mit der Tagesausscheidung korreliert.
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Quelle: Rationelle Labordiagnostik zur Abklärung Akuter Nierenschädigungen und Progredienter Nierenerkrankungen (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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