Clostridioides difficile: Therapie-Leitlinie (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Oral verabreichtes Vancomycin ist die Therapie der ersten Wahl bei einer Erstepisode.
- •Fidaxomicin wird bei Therapieversagen oder einem frühen Rezidiv (innerhalb von 12 Wochen) empfohlen.
- •Antimotilitäts-Medikamente wie Loperamid sind kontraindiziert.
- •Von der Einnahme von Probiotika oder Präbiotika zur Prävention wird abgeraten.
- •Eine Stuhltransplantation (FMT) kann ab dem zweiten Rezidiv erwogen werden.
Hintergrund
Die Clostridioides difficile-Infektion (CDI) tritt häufig nach oder während einer Antibiotikatherapie auf. Die aktuelle NICE-Leitlinie fokussiert sich auf den rationalen Einsatz von Antibiotika zur Behandlung der CDI und zur Vermeidung von Resistenzen.
Die Schwere der Erkrankung wird wie folgt klassifiziert:
| Schweregrad | Klinische Kriterien |
|---|---|
| Leicht | Normale Leukozytenzahl, <3 ungeformte Stühle/Tag |
| Mittelschwer | Erhöhte Leukozytenzahl (<15 x 10^9/l), 3-5 ungeformte Stühle/Tag |
| Schwer | Leukozyten >15 x 10^9/l, Kreatinin-Anstieg >50%, Temperatur >38,5°C oder schwere Kolitis |
| Lebensbedrohlich | Hypotension, (Teil-)Ileus, toxisches Megakolon oder CT-Zeichen schwerer Erkrankung |
Allgemeinmaßnahmen und Medikamenten-Review
Bei bestätigter oder vermuteter CDI muss die bestehende Medikation kritisch geprüft werden:
- Laufende Antibiotika: Wenn möglich absetzen. Falls essenziell, auf ein Präparat mit geringerem CDI-Risiko umstellen.
- Gastrointestinal wirksame Medikamente: Protonenpumpeninhibitoren (PPI) und Laxanzien überprüfen und ggf. absetzen.
- Nephrotoxische Medikamente: NSAR, ACE-Hemmer, Angiotensin-2-Rezeptor-Antagonisten und Diuretika bei Dehydratation pausieren.
- Kontraindikation: Antimotilitäts-Medikamente (z.B. Loperamid) nicht einsetzen, da sie die Toxin-Ausscheidung verzögern.
Antibiotische Therapie bei Erwachsenen
Die Therapie erfolgt primär oral. Bei Patienten, die keine oralen Medikamente einnehmen können, sollte nach fachärztlicher Rücksprache eine enterale Sonde oder rektale Applikation genutzt werden.
| Indikation | Therapie der Wahl | Dosierung |
|---|---|---|
| Erstepisode (leicht bis schwer) | Vancomycin (oral) | 125 mg 4x tgl. für 10 Tage |
| Therapieversagen (Erstepisode) | Fidaxomicin (oral) | 200 mg 2x tgl. für 10 Tage |
| Frühes Rezidiv (<12 Wochen) | Fidaxomicin (oral) | 200 mg 2x tgl. für 10 Tage |
| Spätes Rezidiv (>12 Wochen) | Vancomycin ODER Fidaxomicin | Standarddosierung für 10 Tage |
| Lebensbedrohliche CDI | Vancomycin (oral) + Metronidazol (i.v.) | Vanco 500 mg 4x tgl. + Metro 500 mg 3x tgl. (nach Facharzt-Konsil) |
Wichtig: Ein Therapieversagen sollte frühestens nach 7 Tagen beurteilt werden, da die Diarrhö 1-2 Wochen anhalten kann.
Rezidivprophylaxe und Stuhltransplantation
- Faekaler Mikrobiota-Transfer (FMT): Kann bei Erwachsenen mit rezidivierender CDI erwogen werden, wenn bereits zwei oder mehr vorherige Episoden aufgetreten sind.
- Bezlotoxumab: Wird zur Rezidivprophylaxe aufgrund mangelnder Kosteneffektivität nicht empfohlen.
Prävention
Die Leitlinie spricht sich klar gegen medikamentöse Prophylaxen aus:
- Keine Antibiotika zur Prävention einer CDI einsetzen.
- Keine Probiotika oder Präbiotika zur CDI-Prävention bei Patienten unter Antibiose empfehlen.
💡Praxis-Tipp
Überprüfen Sie bei CDI-Verdacht sofort die Begleitmedikation: Setzen Sie nicht-essenzielle Antibiotika ab und pausieren Sie Medikamente, die bei Dehydratation gefährlich sind (z.B. NSAR, ACE-Hemmer, Diuretika).