Hepatitis C: Vereinfachte Therapie bei Zirrhose (AASLD)
📋Auf einen Blick
- •Der Algorithmus richtet sich an therapienaive Erwachsene mit chronischer HCV-Infektion und kompensierter Leberzirrhose (Child-Pugh A).
- •Eine Leberbiopsie ist nicht zwingend erforderlich; nicht-invasive Parameter wie ein FIB-4-Score >3,25 reichen zur Zirrhose-Diagnostik aus.
- •Als Therapieregime stehen Glecaprevir/Pibrentasvir (8 Wochen) oder Sofosbuvir/Velpatasvir (12 Wochen) zur Verfügung.
- •Bei Genotyp 3 ist vor der Gabe von Sofosbuvir/Velpatasvir eine NS5A-Resistenztestung (Y93H) obligatorisch.
- •Die Kontrolle des Therapieerfolgs (SVR) erfolgt frühestens 12 Wochen nach Abschluss der Behandlung.
Hintergrund
Die AASLD/IDSA-Leitlinie definiert einen vereinfachten Behandlungsalgorithmus für therapienaive Erwachsene mit chronischer Hepatitis C (HCV) aller Genotypen, die eine kompensierte Leberzirrhose (Child-Pugh A) aufweisen. Ziel ist es, die Diagnostik und Therapieeinleitung im klinischen Alltag zu erleichtern.
Patientenselektion
Nicht jeder Patient qualifiziert sich für das vereinfachte Schema. Eine genaue Evaluation der Ein- und Ausschlusskriterien ist essenziell.
| Kriterium | Status | Bemerkung |
|---|---|---|
| Geeignet | Therapienaive Erwachsene | Kompensierte Zirrhose (Child-Pugh A), alle Genotypen |
| Nicht geeignet | Dekompensierte Zirrhose | Child-Turcotte-Pugh (CTP) Score ≥7 (Aszites, Enzephalopathie, Bilirubin >2,0 mg/dL, Albumin ≤3,5 g/dL oder INR ≥1,7) |
| Nicht geeignet | Vorherige HCV-Therapie | Spezifische Retherapie-Leitlinien beachten |
| Nicht geeignet | Terminale Niereninsuffizienz | eGFR <30 mL/min/m² |
| Nicht geeignet | Komorbiditäten / Status | HBsAg-positiv, aktuelle Schwangerschaft, bekanntes/vermutetes HCC, Z.n. Lebertransplantation |
Zirrhose-Diagnostik
Eine Leberbiopsie ist nicht erforderlich. Eine Zirrhose wird angenommen, wenn ein FIB-4-Score >3,25 vorliegt oder eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:
- Transiente Elastographie mit einer Steifigkeit >12,5 kPa (z. B. FibroScan)
- Nicht-invasive serologische Tests oberhalb der spezifischen Cut-offs für Zirrhose
- Klinische Evidenz (z. B. Lebernodularität/Splenomegalie in der Bildgebung, Thrombozyten <150.000/mm³)
- Vorherige Leberbiopsie, die eine Zirrhose belegt
Voruntersuchungen (Pretreatment Assessment)
Vor Therapiebeginn müssen potenzielle Arzneimittelinteraktionen (z. B. via University of Liverpool Drug Interaction Checker) geprüft und ein Leber-Ultraschall (nicht älter als 6 Monate) zum Ausschluss eines HCC oder subklinischen Aszites durchgeführt werden.
| Zeitpunkt | Erforderliche Diagnostik |
|---|---|
| Innerhalb von 3 Monaten vor Start | Blutbild (CBC), INR, Leberwerte (Albumin, Gesamt-/direktes Bilirubin, ALT, AST), eGFR |
| Jederzeit vor Start | Quantitative HCV-RNA, HIV-Test, HBsAg, HCV-Genotyp (nur falls Therapie mit Sofosbuvir/Velpatasvir geplant) |
| Unmittelbar vor Start | Schwangerschaftstest und Aufklärung bei Frauen im gebärfähigen Alter |
Therapieregime
| Genotyp | Wirkstoffe | Dosierung | Dauer | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| 1-6 | Glecaprevir / Pibrentasvir | 300 mg / 120 mg | 8 Wochen | Einnahme mit Nahrung |
| 1, 2, 4, 5, 6 | Sofosbuvir / Velpatasvir | 400 mg / 100 mg | 12 Wochen | - |
| 3 | Sofosbuvir / Velpatasvir | 400 mg / 100 mg | 12 Wochen | Nur wenn Y93H-Mutation negativ. Bei Nachweis von Y93H (NS5A-RAS-Testung) reguläre Leitlinie konsultieren |
Monitoring unter Therapie
- Eine hepatische Dekompensation unter antiviraler Therapie ist selten. Bei Verschlechterung der Leberwerte, Ikterus, Aszites oder Enzephalopathie muss ein Spezialist hinzugezogen werden.
- Bei Patienten unter Antidiabetika auf symptomatische Hypoglykämien achten.
- Bei Patienten unter Warfarin den INR-Wert engmaschig überwachen (Gefahr der subtherapeutischen Antikoagulation).
Nachsorge und SVR-Kontrolle
Die Kontrolle des dauerhaften virologischen Ansprechens (SVR) erfolgt frühestens 12 Wochen nach Therapieende mittels quantitativer HCV-RNA und Leberwerten.
Bei erfolgreicher Heilung (SVR):
- Ultraschall-Screening auf HCC alle 6 Monate beibehalten (aufgrund der Zirrhose).
- Endoskopische Überwachung auf Ösophagusvarizen gemäß AASLD-Leitlinien.
- Bei anhaltendem Risiko (z. B. i.v. Drogenkonsum): Jährliche HCV-RNA-Kontrolle.
- Strikte Alkoholabstinenz zur Vermeidung einer Krankheitsprogression.
Bei Therapieversagen (kein SVR):
- Überweisung an einen Spezialisten zur Evaluation einer Retherapie.
- HCC-Screening (alle 6 Monate) und Überwachung der Krankheitsprogression (alle 6-12 Monate mittels Leberwerten, Blutbild, Kreatinin, INR) fortsetzen.
💡Praxis-Tipp
Achten Sie bei der Einleitung der HCV-Therapie zwingend auf die Begleitmedikation: Bei Diabetikern drohen Hypoglykämien, bei Warfarin-Patienten INR-Schwankungen.