ClariMedClariMed

Autismus bei Kindern: Diagnostik-Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnostik einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) erfordert ein multidisziplinäres Team (Pädiater/Psychiater, Logopäde, Psychologe).
  • Bei einem Verlust von Sprach- oder Sozialfähigkeiten bei Kindern unter 3 Jahren muss eine sofortige Überweisung zur Autismus-Diagnostik erfolgen.
  • Die Diagnose wird klinisch anhand der Kriterien der ICD-11 oder DSM-5 gestellt; ein einzelnes Testverfahren reicht nicht aus.
  • Routinemäßige genetische Tests oder EEGs sind nicht indiziert und sollten nur bei spezifischem klinischem Verdacht durchgeführt werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) ist eine lebenslange neurologische Entwicklungsstörung, die durch qualitative Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch eingeschränkte, repetitive Verhaltensweisen gekennzeichnet ist. Die Diagnose erfordert ein strukturiertes, multidisziplinäres Vorgehen.

Risikofaktoren

Bestimmte Faktoren sind mit einer erhöhten Prävalenz für Autismus assoziiert. Bei Vorliegen dieser Faktoren sollte die Schwelle für eine Überweisung zur Diagnostik niedriger angesetzt werden:

KategorieAssoziierte Faktoren
Genetik & FamilieGeschwisterkind mit Autismus, elterliche Schizophrenie oder affektive Störung
SchwangerschaftGestationsalter < 35 Wochen, maternale Einnahme von Valproat oder Topiramat
Neurologie & EntwicklungLernminderung (intellektuelle Beeinträchtigung), ADHS, Zerebralparese, neonatale Enzephalopathie
SyndromeDown-Syndrom, Fragiles-X-Syndrom, Neurofibromatose, Tuberöse Sklerose

Erkennung und Überweisung

Die Beurteilung möglicher Autismus-Symptome muss stets im Kontext der Gesamtentwicklung des Kindes erfolgen. Autismus darf nicht ausgeschlossen werden, nur weil das Kind guten Augenkontakt hält, Zuneigung zeigt, normales Rollenspiel betreibt oder normale Sprachmeilensteine erreicht hat.

Überweisungskriterien

Alter / SymptomMaßnahme / Überweisung an
< 3 Jahre mit Verlust von Sprach- oder SozialkompetenzSofortige Überweisung an das Autismus-Team
> 3 Jahre mit SprachverlustZuerst an Pädiater / Neuropädiater
Jedes Alter mit Verlust motorischer FähigkeitenZuerst an Pädiater / Neuropädiater

Diagnostisches Assessment

Das lokale Autismus-Team sollte multidisziplinär besetzt sein. Das Kernteam besteht aus einem Pädiater und/oder Kinder- und Jugendpsychiater, einem Logopäden sowie einem Psychologen mit Autismus-Erfahrung. Das Assessment muss innerhalb von 3 Monaten nach der Überweisung beginnen.

Wichtige Bestandteile der Diagnostik:

  • Detaillierte Anamnese (inkl. Schwangerschaft, Entwicklung, Familienanamnese)
  • Direkte Beobachtung von Sozial- und Kommunikationsverhalten
  • Körperliche Untersuchung (inkl. Wood-Licht-Untersuchung auf Hautstigmata bei Neurofibromatose oder Tuberöser Sklerose)
  • Systematische Erfassung von Begleiterkrankungen (z. B. ADHS, Epilepsie, Schlafstörungen, Magen-Darm-Probleme)

Kernaussage: Die Diagnose wird klinisch anhand der ICD-11 oder DSM-5 gestellt. Es darf sich nicht auf ein einzelnes autismusspezifisches Diagnosetool verlassen werden.

Differenzialdiagnosen

Vor der Diagnosestellung müssen andere Ursachen für die Symptomatik evaluiert werden. Zu den wichtigsten Differenzialdiagnosen gehören:

KategorieMögliche Differenzialdiagnosen
NeuroentwicklungsstörungenSpezifische Sprachentwicklungsstörung, globale Entwicklungsverzögerung, Umschriebene Entwicklungsstörung motorischer Funktionen (UEMF)
PsychiatrischADHS, Angststörungen, Bindungsstörungen, Zwangsstörungen (OCD), selektiver Mutismus
Medizinisch / SensorischSchwere Hör- oder Sehbeeinträchtigung, Rett-Syndrom, epileptische Enzephalopathie

Medizinische Untersuchungen

Routinemäßige medizinische Untersuchungen (wie Blutentnahmen oder Bildgebung) sind im Rahmen der Autismus-Diagnostik nicht indiziert. Spezifische Untersuchungen sollten nur bei klinischem Verdacht erfolgen:

  • Genetische Tests: Nur bei spezifischen dysmorphen Merkmalen, angeborenen Anomalien oder intellektueller Beeinträchtigung (nach Rücksprache mit einem regionalen Genetik-Zentrum).
  • EEG: Nur bei klinischem Verdacht auf Epilepsie.

💡Praxis-Tipp

Schließen Sie Autismus nicht vorschnell aus, wenn ein Kind guten Augenkontakt zeigt oder Zuneigung äußert. Bei einem Verlust von Sprach- oder sozialen Fähigkeiten bei Kindern unter 3 Jahren ist eine sofortige Überweisung an ein spezialisiertes Autismus-Team zwingend erforderlich.

Häufig gestellte Fragen

Eine sofortige Überweisung an das Autismus-Team ist indiziert, wenn ein Kind unter 3 Jahren einen Verlust von Sprach- oder Sozialfähigkeiten (Regression) zeigt.
Das Kernteam sollte aus einem Pädiater und/oder Kinder- und Jugendpsychiater, einem Logopäden sowie einem Psychologen mit spezifischer Erfahrung im Bereich Autismus bestehen.
Nein. Genetische Tests sollten nur bei Vorliegen spezifischer dysmorpher Merkmale, angeborener Anomalien oder einer intellektuellen Beeinträchtigung (Lernminderung) durchgeführt werden.
Nein. Die Diagnose muss auf dem klinischen Urteil basieren und alle Informationsquellen einbeziehen, um die Kriterien nach ICD-11 oder DSM-5 zu erfüllen. Ein einzelnes Tool reicht nicht aus.

Verwandte Leitlinien