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NICE2026Gynäkologie

Fetale Überwachung unter der Geburt: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei risikoarmen Schwangeren ist die intermittierende Auskultation die Methode der Wahl zur fetalen Überwachung.
  • Die Beurteilung des CTGs erfolgt systematisch anhand von vier Parametern: Wehen, Grundfrequenz, Variabilität und Dezelerationen.
  • Ein CTG wird als normal, suspekt oder pathologisch klassifiziert, was in Kombination mit dem klinischen Gesamtbild das weitere Management bestimmt.
  • Mütterliche Sauerstoffgabe zur intrauterinen fetalen Reanimation wird nicht empfohlen, da sie dem Kind schaden kann.
  • Die Fetalblutanalyse (MBU) wird aufgrund unzureichender Evidenz und möglicher Verzögerungen der Geburt aktuell nicht empfohlen.
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Hintergrund

Die Überwachung der fetalen Herzfrequenz unter der Geburt ist ein zentrales Instrument zur Beurteilung des kindlichen Wohlbefindens. Die NICE-Leitlinie betont, dass die Herzfrequenzüberwachung kein isoliertes Diagnostiktool ist, sondern stets im Kontext des klinischen Gesamtbildes (mütterliche und fetale Risikofaktoren, Geburtsfortschritt) betrachtet werden muss. Eine stündliche systematische Beurteilung von Mutter und Kind wird empfohlen.

Initiale Beurteilung und Überwachungsmethoden

Zu Beginn der Geburt muss eine Risikobewertung erfolgen, um die geeignete Überwachungsmethode festzulegen.

  • Intermittierende Auskultation: Methode der Wahl für Frauen mit geringem Komplikationsrisiko.
    • Eröffnungsphase: Mindestens alle 15 Minuten für mindestens 1 Minute unmittelbar nach einer Wehe.
    • Austreibungsphase: Mindestens alle 5 Minuten für mindestens 1 Minute nach einer Wehe.
    • Wichtig: Der mütterliche Puls muss simultan palpiert werden, um eine Verwechslung mit der fetalen Herzfrequenz auszuschließen.

Indikationen für ein kontinuierliches CTG

Ein kontinuierliches CTG wird empfohlen, wenn antenatale oder intrapartale Risikofaktoren vorliegen oder sich neu entwickeln.

KategorieRisikofaktoren (Auswahl)
Antenatal (Mutter)Z.n. Kaiserschnitt, hypertensive Erkrankungen, vorzeitiger Blasensprung (>24h ohne Wehen), Blutungen, Verdacht auf Sepsis/Chorioamnionitis, Diabetes.
Antenatal (Fetus)Beckenendlage/Querlage, Wachstumsrestriktion (<3. Perzentile oder <10. Perzentile mit Zusatzrisiken), Übertragung (>42+0 SSW), Oligo-/Polyhydramnion, verminderte Kindsbewegungen.
Intrapartal>5 Wehen/10 Min. oder Wehen >2 Min., Mekonium, mütterliches Fieber (≥38°C oder 2x ≥37,5°C), frische Blutungen, Tachykardie (>120 bpm), schwere Hypertonie, Geburtsstillstand, PDA, Oxytocin-Gabe.

CTG-Beurteilung und Parameter

Das CTG wird anhand von vier Parametern beurteilt und in ein Ampelsystem (Weiß, Gelb, Rot) eingeteilt.

ParameterWeiß (Normal)Gelb (Suspekt)Rot (Pathologisch)
Wehen< 5 in 10 Min.≥ 5 in 10 Min. oder Hypertonus-
Grundfrequenz110-160 bpmAnstieg ≥ 20 bpm, oder 100-109 bpm< 100 bpm oder > 160 bpm
Variabilität5-25 bpm< 5 bpm für 30-50 Min., oder > 25 bpm für ≤ 10 Min.< 5 bpm für > 50 Min., > 25 bpm für > 10 Min., oder sinusoidal
DezelerationenKeine, frühe, oder variable ohne bedenkliche MerkmaleRepetitive variable mit bedenklichen Merkmalen < 30 Min., oder nicht-repetitive > 30 Min.Repetitive variable mit bedenklichen Merkmalen > 30 Min., späte Dezelerationen, akute Bradykardie (> 3 Min.)

(Hinweis: Bedenkliche Merkmale bei variablen Dezelerationen sind: Dauer >60 Sek., reduzierte Variabilität innerhalb der Dezeleration, fehlende/langsame Rückkehr zur Grundfrequenz, Verlust eines zuvor vorhandenen "Shoulderings".)

CTG-Klassifikation und Management

Basierend auf den vier Parametern wird das CTG wie folgt klassifiziert:

KlassifikationKriterienManagement
NormalAlle 4 Parameter sind weißFortführung der regulären Überwachung.
SuspektGenau 1 Parameter ist gelbKomplette Risikobewertung, Ursachensuche, ggf. konservative Maßnahmen.
Pathologisch1 Parameter rot ODER ≥ 2 Parameter gelbDringendes ärztliches Konsil, konservative Maßnahmen, ggf. zügige Geburtsbeendigung.

Konservative Maßnahmen bei CTG-Auffälligkeiten

Wenn der Verdacht auf eine fetale Gefährdung besteht, sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Lagewechsel: Mobilisation oder Positionswechsel der Mutter (Vermeidung der Rückenlage).
  • Wehenhemmung: Bei Wehensturm Reduktion oder Stopp von Oxytocin. Gabe eines Tokolytikums (z.B. Terbutalin 0,25 mg s.c.).
  • Flüssigkeitsgabe: Intravenöse Flüssigkeit nur bei mütterlicher Hypotonie (z.B. nach PDA) oder Sepsis.
  • Kontraindiziert: Keine mütterliche Sauerstoffgabe zur fetalen Reanimation. Keine Amnioinfusion.

Fetale Kopfstimulation und Fetalblutanalyse

  • Kopfstimulation: Kann bei einem suspekten CTG erwogen werden. Eine daraus resultierende Akzeleration ist ein positives Zeichen. Das Ausbleiben einer Akzeleration ist ein Warnsignal für eine fetale Kompromittierung.
  • Fetalblutanalyse (MBU): NICE spricht aufgrund begrenzter Evidenz keine Empfehlung für die Fetalblutanalyse aus. Sie verbessert die Outcomes nicht signifikant und birgt das Risiko, eine notwendige Geburtsbeendigung zu verzögern.

💡Praxis-Tipp

Verabreichen Sie keinen mütterlichen Sauerstoff zur intrauterinen fetalen Reanimation, da dies dem Kind schaden kann. Überprüfen Sie bei unklaren Herzfrequenzen (besonders in der Austreibungsphase) stets den mütterlichen Puls, um Verwechslungen zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Ein CTG wird bei antenatalen Risiken (z.B. Z.n. Kaiserschnitt, Wachstumsrestriktion, Übertragung) oder intrapartalen Faktoren (z.B. Mekonium, Fieber, >5 Wehen/10 Min., Oxytocin-Gabe, PDA) empfohlen.
Ein CTG gilt als pathologisch, wenn mindestens ein Parameter im roten Bereich liegt (z.B. späte Dezelerationen, Grundfrequenz <100 bpm) oder zwei oder mehr Parameter im gelben Bereich liegen.
Nein, NICE spricht aufgrund unzureichender Evidenz und möglicher Verzögerungen bei der Geburtsbeendigung aktuell keine Empfehlung für die Fetalblutanalyse aus.
Empfohlen werden Lagewechsel (Vermeidung der Rückenlage), Reduktion/Stopp von Oxytocin und Tokolyse (z.B. Terbutalin s.c.). IV-Flüssigkeit sollte nur bei mütterlicher Hypotonie oder Sepsis gegeben werden.
Nein, die Leitlinie rät ausdrücklich von mütterlicher Sauerstoffgabe zur fetalen Reanimation ab, da dies dem Kind schaden kann. Sauerstoff ist nur bei mütterlicher Indikation (z.B. Hypoxie) zulässig.

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