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Diabetisches Fußsyndrom: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Risikostratifizierung (niedrig, mittel, hoch, aktiv) bestimmt die Frequenz der Kontrolluntersuchungen (jährlich bis 1-2 wöchentlich).
  • Zur Dokumentation von Fußulzera soll das SINBAD- oder University-of-Texas-System verwendet werden. Die Wagner-Klassifikation wird explizit nicht empfohlen.
  • Bei Verdacht auf eine akute Charcot-Arthropathie muss der Patient sofort entlastet und innerhalb eines Werktages fachärztlich vorgestellt werden.
  • Die kalkulierte Erstlinien-Antibiose bei leichten diabetischen Fußinfektionen ist Flucloxacillin für in der Regel 7 Tage.
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Hintergrund

Das diabetische Fußsyndrom (DFS) ist eine häufige und schwerwiegende Komplikation des Diabetes mellitus. Etwa 10 % der Patienten entwickeln im Laufe ihres Lebens ein diabetisches Fußulkus. Die Hauptursachen sind die diabetische Neuropathie und die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Fußulzera gehen mehr als 80 % der diabetesbedingten Amputationen voraus und sind mit einer hohen Mortalitätsrate assoziiert.

Risikostratifizierung und Screening

Erwachsene Patienten mit Diabetes müssen bei Diagnosestellung, danach mindestens jährlich, bei Auftreten von Fußproblemen sowie bei jeder Krankenhausaufnahme auf ihr Risiko für ein DFS untersucht werden. Die Untersuchung erfolgt an beiden entkleideten Füßen und umfasst die Prüfung auf Neuropathie (mittels 10-g-Monofilament), Ischämie, Ulzerationen, Kallus, Infektionen, Deformitäten und Charcot-Arthropathie.

RisikostufeKriterienKontrollintervall
NiedrigKeine Risikofaktoren (außer Kallus)Jährlich
MittelDeformität, Neuropathie oder pAVKAlle 3-6 Monate
HochZ.n. Ulkus/Amputation, Nierenersatztherapie, Neuropathie + pAVK, Neuropathie/pAVK + Kallus/DeformitätAlle 1-2 Monate
AktivUlkus, Infektion, kritische Ischämie, Gangrän, V.a. Charcot-FußSofortige Zuweisung

Diabetisches Fußulkus

Bei Vorliegen eines Ulkus müssen Größe, Tiefe und Position dokumentiert werden.

  • Empfohlene Klassifikationen: SINBAD (Site, Ischaemia, Neuropathy, Bacterial Infection, Area and Depth) oder University of Texas.
  • Nicht empfohlene Klassifikation: Die Wagner-Klassifikation soll nicht verwendet werden.

Die Standardtherapie umfasst Druckentlastung (Offloading), Infektionskontrolle, Ischämiekontrolle, Wunddebridement und Wundauflagen. Für plantare, neuropathische, nicht-ischämische und uninfizierte Vorfuß- und Mittelfußulzera wird ein nicht-abnehmbarer Total Contact Cast (TCC) zur Druckentlastung empfohlen.

Diabetische Fußinfektion

Bei Verdacht auf eine Infektion muss vor Beginn der Antibiose eine Gewebe- oder Knochenprobe vom Grund der debridierten Wunde (alternativ ein tiefer Abstrich) zur mikrobiologischen Untersuchung entnommen werden. Ein Röntgenbild dient der Ausdehnungsbestimmung. Bei Verdacht auf eine Osteomyelitis und unauffälligem Röntgenbild sollte ein MRT erwogen werden.

Schweregrad1. Wahl AntibioseDosierungTherapiedauer
LeichtFlucloxacillin (p.o.)500 mg bis 1 g 4x/Tag7 Tage (ggf. Verlängerung)
Mittel / SchwerFlucloxacillin (p.o./i.v.) +/- Gentamicin/Metronidazol1 g 4x/Tag (Flucloxacillin)Min. 7 Tage (bis 6 Wochen bei Osteomyelitis)

Hinweis: Bei Penicillinallergie können bei leichten Infektionen Clarithromycin, Erythromycin oder Doxycyclin eingesetzt werden.

Charcot-Arthropathie

An eine akute Charcot-Arthropathie muss gedacht werden, wenn ein geröteter, warmer, geschwollener oder deformierter Fuß vorliegt – insbesondere bei peripherer Neuropathie oder Niereninsuffizienz. Wichtig: Schmerzen müssen nicht zwingend vorhanden sein.

  • Sofortmaßnahme: Überweisung an ein multidisziplinäres Fußteam innerhalb von 1 Werktag. Bis zur definitiven Versorgung absolute Entlastung (Non-weight-bearing).
  • Diagnostik: Röntgen des Fußes unter Belastung. Bei unauffälligem Röntgenbild, aber anhaltendem Verdacht, MRT veranlassen.
  • Therapie: Nicht-abnehmbare Entlastungsorthese. Bisphosphonate sollen außerhalb von klinischen Studien nicht eingesetzt werden.
  • Verlaufskontrolle: Die akute Phase gilt als abgeklungen, wenn die Hauttemperaturdifferenz zwischen beiden Füßen dauerhaft unter 2 Grad Celsius liegt und das Röntgenbild keine weitere Progression zeigt.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie zur Klassifikation von diabetischen Fußulzera ausschließlich das SINBAD- oder University-of-Texas-System. Die NICE-Leitlinie rät explizit von der Nutzung der Wagner-Klassifikation ab.

Häufig gestellte Fragen

Bei niedrigem Risiko jährlich. Bei mittlerem Risiko alle 3-6 Monate, bei hohem Risiko alle 1-2 Monate.
Das SINBAD- oder University-of-Texas-System. Die Wagner-Klassifikation soll nicht mehr verwendet werden.
Flucloxacillin (500 mg bis 1 g viermal täglich oral) für in der Regel 7 Tage.
Bei einem geröteten, warmen, geschwollenen oder deformierten Fuß, insbesondere bei bestehender peripherer Neuropathie oder Niereninsuffizienz – auch wenn der Patient keine Schmerzen angibt.
Nein, die Leitlinie empfiehlt, Bisphosphonate bei akuter Charcot-Arthropathie nicht einzusetzen, es sei denn im Rahmen klinischer Studien.

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