Diabetisches Fußsyndrom: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Diabetische Fußulzera sind eine der Hauptursachen für nichttraumatische Amputationen der unteren Extremitäten. Sie entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel von peripherer Neuropathie, peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) und gestörter Wundheilung.
Die StatPearls-Leitlinie (2026) betont, dass Fußulzera nicht nur lokale Gewebeschäden darstellen, sondern auch auf eine systemische Gefäßerkrankung hinweisen. Sie sind mit einer deutlich erhöhten kardiovaskulären Mortalität assoziiert.
Eine frühzeitige Erkennung und ein interprofessionelles Management sind entscheidend. Dies umfasst Druckentlastung, Infektionskontrolle und Revaskularisation, um die Heilung zu fördern und Amputationen zu vermeiden.
Empfehlungen
Klinische und apparative Diagnostik
Die Leitlinie empfiehlt eine umfassende klinische Untersuchung, einschließlich der Prüfung auf periphere Pulse und Sensibilitätsverlust. Bei Verdacht auf Osteomyelitis wird der "Probe-to-Bone"-Test als klinisches Hilfsmittel genannt.
Für die mikrobiologische Diagnostik wird die Gewinnung von tiefen Gewebeproben mittels Kürettage oder Biopsie empfohlen. Von oberflächlichen Abstrichkulturen wird laut Leitlinie abgeraten.
Als primäre Bildgebung wird ein konventionelles Röntgen empfohlen. Bei unklaren Befunden oder Verdacht auf tiefe Infektionen, Osteomyelitis oder Charcot-Arthropathie sollte ein MRT erfolgen.
Klassifikationssysteme
Zur standardisierten Beurteilung von Ulkusschweregrad und Infektion werden verschiedene Scores herangezogen. Die IWGDF/IDSA-Klassifikation teilt Infektionen wie folgt ein:
| Grad | Beschreibung |
|---|---|
| Grad 1 | Nicht infiziertes Ulkus ohne lokale oder systemische Zeichen |
| Grad 2 | Leichte Infektion mit Erythem ≤ 2 cm |
| Grad 3 | Mittelschwere Infektion (tiefere Beteiligung oder Erythem > 2 cm) ohne systemische Toxizität |
| Grad 4 | Schwere Infektion mit systemischer Entzündungsreaktion |
Zusätzlich werden der SINBAD-Score zur Prognoseabschätzung und das WIfI-System zur Abschätzung des Amputationsrisikos empfohlen.
Diagnostik der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK)
Eine routinemäßige pAVK-Diagnostik ist bei diabetischen Fußulzera essenziell. Da der Knöchel-Arm-Index (ABI) durch Mediasklerose falsch hoch sein kann, werden alternative Messmethoden empfohlen:
| Parameter | Zielwert / Normalbefund | Kritischer Wert (Amputationsrisiko ↑) |
|---|---|---|
| Knöchel-Arm-Index (ABI) | 0,9 bis 1,3 | < 0,5 |
| Zehen-Arm-Index (TBI) | ≥ 0,70 | Keine spezifische Angabe |
| Zehendruck | ≥ 30 mm Hg | < 30 mm Hg |
| Transkutane Sauerstoffmessung (TcPO2) | ≥ 25 mm Hg | < 25 mm Hg |
Therapeutisches Management
Die Druckentlastung (Offloading) gilt als Eckpfeiler der Therapie bei neuropathischen plantaren Ulzera. Hierfür werden nicht abnehmbare, kniehohe Vorrichtungen wie Total Contact Casts empfohlen.
Die antibiotische Therapie sollte laut Leitlinie nur bei klinisch manifester Infektion erfolgen:
-
Leichte Weichteilinfektionen: 1 bis 2 Wochen orale Therapie
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Mittelschwere bis schwere Infektionen: 2 bis 3 Wochen intravenöse Therapie
-
Osteomyelitis (ohne OP-Indikation): ca. 6 Wochen Antibiotikagabe
Bei schwerer Ischämie oder Gangrän wird eine dringende gefäßchirurgische Vorstellung zur Revaskularisation empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie sollte bei der mikrobiologischen Diagnostik eines diabetischen Fußulkus auf oberflächliche Wundabstriche verzichtet werden. Stattdessen wird die Entnahme von tiefen Gewebeproben mittels Kürettage oder Biopsie empfohlen. Zudem wird davor gewarnt, sich bei der pAVK-Diagnostik ausschließlich auf den Knöchel-Arm-Index (ABI) zu verlassen, da dieser durch eine diabetische Mediasklerose falsch normal oder erhöht sein kann.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt bei leichten Weichteilinfektionen eine Therapiedauer von 1 bis 2 Wochen. Bei mittelschweren bis schweren Infektionen werden 2 bis 3 Wochen intravenöse Therapie empfohlen, bei einer konservativ behandelten Osteomyelitis etwa 6 Wochen.
Als primäre Bildgebung wird ein konventionelles Röntgen empfohlen. Wenn die Röntgenbefunde nicht eindeutig sind, empfiehlt die Leitlinie ein MRT zur detaillierten Beurteilung.
Eine pAVK-Diagnostik wird routinemäßig empfohlen. Insbesondere wenn sich die Ulkusfläche innerhalb von 4 Wochen um weniger als 50 % verkleinert, sollte laut Leitlinie zwingend eine erneute Beurteilung auf eine pAVK erfolgen.
Es wird empfohlen, SGLT2-Inhibitoren 3 Tage vor einem chirurgischen Eingriff abzusetzen. Dies dient der Risikominimierung für eine euglykämische diabetische Ketoazidose.
Die Leitlinie gibt an, dass eine Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) von 70 mm/Stunde oder höher auf das Vorliegen einer Osteomyelitis hindeuten kann.
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Quelle: StatPearls: Diabetic Foot Ulceration and Complications (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.