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Diabetes: Retinopathie, Neuropathie & Fuß (ADA 2026)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf American Diabetes Association Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Screening auf Retinopathie und Neuropathie beginnt bei Typ-1-Diabetes nach 5 Jahren, bei Typ-2-Diabetes direkt bei Diagnosestellung.
  • Anti-VEGF-Injektionen sind die Erstlinientherapie bei diabetischem Makulaödem mit Fovea-Beteiligung.
  • Zur Behandlung schmerzhafter Neuropathien werden Gabapentinoide, SNRIs, trizyklische Antidepressiva und Natriumkanalblocker empfohlen.
  • Opioide (inklusive Tramadol und Tapentadol) sollen bei neuropathischen Schmerzen aufgrund des Nutzen-Risiko-Profils vermieden werden.
  • Die Fußrisikostratifizierung erfolgt nach dem IWGDF-System mit angepassten Untersuchungsintervallen von 1 bis 12 Monaten.
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Hintergrund

Chronische Hyperglykämie ist der wichtigste Risikofaktor für mikrovaskuläre Komplikationen wie die diabetische Retinopathie und Neuropathie. Eine optimale Blutzuckereinstellung kann diese Erkrankungen verhindern oder verzögern. Das Konzept des "metabolischen Gedächtnisses" zeigt, dass eine frühe normnahe Blutzuckereinstellung langfristig protektiv wirkt.

Diabetische Retinopathie

Die diabetische Retinopathie ist eine neurovaskuläre Komplikation, deren Prävalenz stark von der Diabetesdauer und der Hyperglykämie abhängt.

Screening-Empfehlungen

  • Typ-1-Diabetes: Erstes Screening 5 Jahre nach Diagnose (B).
  • Typ-2-Diabetes: Erstes Screening direkt bei Diagnosestellung (B).
  • Verlaufskontrollen: Bei unauffälligem Befund und guter Blutzuckereinstellung alle 1-2 Jahre. Bei bestehender Retinopathie mindestens jährlich (B).
  • Schwangerschaft: Vor der Konzeption und im ersten Trimester untersuchen, da das Risiko einer Progression steigt (B).

Hinweis zu GLP-1-Rezeptoragonisten: Eine rasche HbA1c-Senkung kann initial mit einer Verschlechterung der Retinopathie einhergehen. Der Augenstatus sollte bei Therapieintensivierung überprüft werden.

Therapie der Retinopathie

TherapieIndikationEvidenz
Panretinale LaserkoagulationHochrisiko-proliferative diabetische Retinopathie (PDR)A
Anti-VEGF (intravitreal)Erstlinientherapie bei diabetischem Makulaödem (DME) mit Fovea-BeteiligungA
Fokale/Grid-LaserkoagulationPersistierendes DME trotz Anti-VEGF oder bei KontraindikationenA

Diabetische Neuropathie

Diabetische Neuropathien sind eine heterogene Gruppe von Erkrankungen. Bis zu 50 % der peripheren Neuropathien (DPN) verlaufen asymptomatisch.

Diagnostik

Das Screening beginnt bei Typ-2-Diabetes bei Diagnose und bei Typ-1-Diabetes nach 5 Jahren (jährliche Kontrollen).

Faserart / FunktionEmpfohlene klinische Tests
Small-Fiber-FunktionSchmerzempfinden (Nadelstich), Temperaturempfinden
Large-Fiber-FunktionVibrationsempfinden (128-Hz-Stimmgabel), Reflexe, Propriozeption
Protektive Sensibilität10-g-Monofilament, Ipswich Touch Test

Therapie der schmerzhaften Neuropathie

Eine optimale Blutzuckereinstellung verhindert/verzögert die Neuropathie bei Typ-1-Diabetes (A) und verlangsamt die Progression bei Typ-2-Diabetes (C). Zur Schmerztherapie werden folgende Medikamente empfohlen:

WirkstoffklasseBeispieleEmpfehlung
GabapentinoidePregabalin, GabapentinInitiale Therapie (A)
SNRIDuloxetin, VenlafaxinInitiale Therapie (A)
Trizyklische AntidepressivaAmitriptylinInitiale Therapie (A)
NatriumkanalblockerLamotrigin, LacosamidInitiale Therapie (A)
OpioideTramadol, TapentadolNicht empfohlen (außer in seltenen Ausnahmefällen) (B)

Autonome Neuropathie

Die kardiovaskuläre autonome Neuropathie (CAN) ist ein unabhängiger Mortalitätsfaktor. Symptome wie Ruhetachykardie (>100 bpm) oder orthostatische Hypotension müssen abgeklärt werden. Bei gastroparetischen Beschwerden (Ausschlussdiagnose) kann eine Ernährung mit kleinen Partikeln helfen; Metoclopramid ist das einzige FDA-zugelassene Medikament, wird jedoch aufgrund von Nebenwirkungen nur für die Kurzzeitanwendung empfohlen.

Diabetisches Fußsyndrom (DFS)

Eine umfassende Fußuntersuchung muss mindestens jährlich erfolgen (A). Bei Hinweisen auf sensorischen Verlust (LOPS), Ulzera oder Amputationen in der Anamnese müssen die Füße bei jedem Arztbesuch inspiziert werden (A).

Risikostratifizierung nach IWGDF

KategorieUlkus-RisikoKlinische MerkmaleUntersuchungsintervall
0Sehr geringKeine LOPS, keine pAVKJährlich
1GeringLOPS oder pAVKAlle 6–12 Monate
2ModeratLOPS + pAVK, oder LOPS + Deformität, oder pAVK + DeformitätAlle 3–6 Monate
3HochLOPS oder pAVK PLUS Ulkus-Anamnese, Amputation oder NierenversagenAlle 1–3 Monate

Therapie von Fußulzera

Die Basisbehandlung umfasst fünf Prinzipien:

  1. Druckentlastung (Offloading)
  2. Debridement von nekrotischem Gewebe
  3. Revaskularisation bei Ischämie
  4. Infektionsmanagement
  5. Wundgerechte Verbände

Bei chronischen Ulzera, die nach 4 Wochen Standardtherapie keine 50%ige Heilung zeigen, sollten fortgeschrittene Therapien (z.B. Unterdruck-Wundtherapie, topische Sauerstofftherapie) erwogen werden (A).

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie zur Diagnose der peripheren Neuropathie nie den 10-g-Monofilament-Test allein. Kombinieren Sie ihn immer mit einem weiteren Test (z.B. Stimmgabel oder Schmerzempfinden), um auch frühe Stadien zuverlässig zu erfassen.

Häufig gestellte Fragen

Bei Typ-1-Diabetes 5 Jahre nach der Diagnose, bei Typ-2-Diabetes direkt zum Zeitpunkt der Diagnosestellung.
Empfohlen werden Gabapentinoide, SNRIs, trizyklische Antidepressiva und Natriumkanalblocker. Opioide (inklusive Tramadol) sollten aufgrund der Risiken vermieden werden.
Mindestens jährlich. Bei Vorliegen von Risikofaktoren (wie Neuropathie oder pAVK) alle 3-6 Monate, bei hohem Risiko (z.B. Ulkus-Anamnese) alle 1-3 Monate.
Ja, sie sollten vor der Schwangerschaft und im ersten Trimester untersucht werden, da eine Schwangerschaft die diabetische Retinopathie verschlechtern kann.
Intravitreale Injektionen von Anti-VEGF-Medikamenten sind die Erstlinientherapie bei Augen mit diabetischem Makulaödem, das die Fovea betrifft und die Sehschärfe beeinträchtigt.

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