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NICE

Bauchaortenaneurysma (BAA): Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ultraschall-Screening wird für Männer ab 66 Jahren und Frauen ab 70 Jahren mit Risikofaktoren empfohlen.
  • Die OP-Indikation bei asymptomatischem BAA besteht ab 5,5 cm Durchmesser oder bei >1 cm Wachstum pro Jahr.
  • Die offene chirurgische Reparatur (OSR) ist beim unrupturierten BAA die Standardtherapie; EVAR ist bei Kontraindikationen indiziert.
  • Bei rupturiertem BAA profitieren Frauen und Männer >70 Jahre eher von EVAR, Männer <70 Jahre von der offenen Operation.
  • Ein Endoleak nach EVAR darf nicht allein durch einen unauffälligen Farbduplex-Ultraschall ausgeschlossen werden.
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Hintergrund

Das Bauchaortenaneurysma (BAA) ist eine potenziell lebensbedrohliche Erweiterung der abdominellen Aorta. Die Prävalenz ist bei Männern deutlich höher, jedoch haben Frauen ein signifikant höheres Rupturrisiko. Die NICE-Leitlinie definiert klare Kriterien für das Screening, die Überwachung und die chirurgische Intervention.

Risikofaktoren für ein BAA:

KategorieRisikofaktoren
ErkrankungenCOPD, KHK, zerebrovaskuläre oder periphere arterielle Verschlusskrankheit, Hypertonie, Hyperlipidämie
LebensstilRauchen (aktuell oder ehemals)
Genetik/DemografiePositive Familienanamnese, europäische Abstammung

Diagnostik und Screening

Die Basisdiagnostik erfolgt mittels Aorten-Ultraschall. Gemessen wird der maximale anterior-posteriore Durchmesser (Inner-to-Inner).

  • Männer ab 66 Jahren: Über Screening-Programme informieren. Bei Vorliegen von Risikofaktoren zur Selbstzuweisung ermutigen.
  • Frauen ab 70 Jahren: Ultraschall erwägen, wenn Risikofaktoren vorliegen und ein BAA noch nicht bildgebend ausgeschlossen wurde.

Überweisung an die Gefäßchirurgie (asymptomatisch):

BAA-DurchmesserÜberweisungszeitraum
3,0 bis 5,4 cmInnerhalb von 12 Wochen
≥ 5,5 cmInnerhalb von 2 Wochen

Für die OP-Planung (elektiv) sowie bei Verdacht auf Ruptur sollte eine dünnschichtige, kontrastmittelverstärkte CT-Angiografie (arterielle Phase) durchgeführt werden.

Überwachung und konservative Therapie

Patienten mit kleinen, asymptomatischen Aneurysmen benötigen eine regelmäßige Ultraschall-Überwachung. Zudem ist die Modifikation von Risikofaktoren essenziell:

  • Rauchstopp: Überweisung an Entwöhnungsprogramme.
  • Blutdruckeinstellung: Strikte Behandlung einer arteriellen Hypertonie.
  • Sekundärprävention: Optimierung von Lipiden, Diabetes-Management und Gewichtsreduktion.

Indikationen zur elektiven Operation

Die Entscheidung zur Operation muss individuell abgewogen werden. Risikoscores (wie POSSUM oder Carlisle Calculator) sollen nicht zur alleinigen Entscheidungsfindung genutzt werden. Zur Einschätzung der OP-Fähigkeit kann eine Spiroergometrie (Cardiopulmonary Exercise Testing) erwogen werden. Eine routinemäßige präoperative Gabe von Betablockern wird nicht empfohlen.

OP-Indikationen (unrupturiert):

KriteriumVoraussetzung
SymptomatischUnabhängig von der Größe
Asymptomatisch (Größe)≥ 5,5 cm Durchmesser
Asymptomatisch (Wachstum)> 4,0 cm UND Wachstum > 1 cm innerhalb von 1 Jahr

Wahl des Operationsverfahrens:

VerfahrenIndikation / Bemerkung
Offene chirurgische Reparatur (OSR)Standardverfahren, sofern keine Kontraindikationen (Anästhesierisiko, Komorbiditäten, abdominelle Kopathologien) vorliegen.
Standard-EVARBei "Hostile Abdomen", Hufeisenniere, Stoma oder hohem OP-Risiko für OSR.
Komplexe EVARNur im Rahmen von Studien/Registern, wenn OSR kontraindiziert ist.

Anästhesie-Tipp: Bei der offenen OP sollte eine epidurale Analgesie zusätzlich zur Allgemeinanästhesie erwogen werden.

Management des rupturierten BAA

Ein rupturiertes BAA ist ein absoluter Notfall. Typische Zeichen sind neu aufgetretene Bauch-/Rückenschmerzen, kardiovaskulärer Kollaps oder Bewusstseinsverlust.

  • Diagnostik: Sofortiger Bedside-Ultraschall.
  • Transfer: Der Patient muss die zuweisende Klinik innerhalb von 30 Minuten nach der Übernahmeentscheidung verlassen.
  • Kreislaufmanagement: Anwendung der permissiven Hypotension während des Transfers.

OP-Strategie bei Ruptur:

  • EVAR: Bietet meist größere Vorteile, insbesondere für Männer > 70 Jahre und Frauen jeden Alters. Kann ggf. in reiner Lokalanästhesie durchgeführt werden.
  • Offene OP (OSR): Bessere Nutzen-Risiko-Bilanz für Männer < 70 Jahre oder wenn EVAR anatomisch ungeeignet ist.
  • Achtung: Postoperativ auf die Entwicklung eines abdominellen Kompartmentsyndroms achten!

Postoperative Überwachung nach EVAR

Nach einer EVAR-Prozedur ist eine lebenslange Bildgebungs-Surveillance notwendig, basierend auf dem individuellen Komplikationsrisiko. Genutzt werden kontrastmittelverstärkte CT-Angiografie oder Farbduplex-Sonografie. Ein Endoleak darf nicht allein durch einen negativen Farbduplex-Ultraschall ausgeschlossen werden.

Endoleak-Management:

TypDefinitionManagement
Typ 1Inkomplette Abdichtung an den EndenIntervention erwägen (offen, endovaskulär, perkutan)
Typ 2Retrograder Fluss aus SeitenästenIntervention nur bei BAA-Wachstum erwägen
Typ 3Defekt im Graft-MaterialIntervention erwägen (offen, endovaskulär, perkutan)
Typ 5BAA-Wachstum ohne sichtbaren LeakWeitere Diagnostik erforderlich

💡Praxis-Tipp

Messen Sie den Aortendurchmesser im Ultraschall immer als maximalen anterior-posterioren 'Inner-to-Inner'-Durchmesser. Nutzen Sie beim Transfer von Patienten mit rupturiertem BAA das Konzept der permissiven Hypotension und stellen Sie sicher, dass die Verlegung innerhalb von 30 Minuten erfolgt.

Häufig gestellte Fragen

Ab einem Durchmesser von 5,5 cm oder bei einem Wachstum von mehr als 1 cm pro Jahr (bei einer Ausgangsgröße > 4,0 cm).
Die offene chirurgische Reparatur (OSR) wird als Standard empfohlen, sofern keine Kontraindikationen wie ein hohes Anästhesierisiko oder ein 'Hostile Abdomen' vorliegen. EVAR ist in diesen Fällen eine Alternative.
Männer ab 66 Jahren sowie Frauen ab 70 Jahren, sofern bei letzteren Risikofaktoren wie Rauchen, COPD oder Hypertonie vorliegen.
Der Patient sollte die zuweisende Klinik innerhalb von 30 Minuten nach der Übernahmeentscheidung durch das gefäßchirurgische Zentrum verlassen.
EVAR bietet meist größere Vorteile, besonders für Frauen und Männer über 70 Jahre. Für Männer unter 70 Jahre wird oft die offene Operation bevorzugt.

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