ClariMedClariMed

Hypertonie in der Schwangerschaft: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Schwangere mit hohem Präeklampsie-Risiko sollten ab der 12. SSW täglich 75-150 mg Aspirin einnehmen.
  • Der Zielblutdruck bei medikamentöser Therapie von chronischer oder gestationsbedingter Hypertonie liegt bei 135/85 mmHg.
  • Zur Quantifizierung einer Proteinurie wird die Bestimmung der Albumin-Kreatinin-Ratio (Grenzwert 8 mg/mmol) oder Protein-Kreatinin-Ratio (Grenzwert 30 mg/mmol) empfohlen.
  • Labetalol, Nifedipin und Methyldopa sind die bevorzugten Antihypertensiva in der Schwangerschaft.
  • Bei Eklampsie ist intravenöses Magnesiumsulfat (4 g Loading-Dose) das Antikonvulsivum der Wahl.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie fasst die evidenzbasierte Diagnostik und Therapie von hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen zusammen. Dazu gehören die chronische Hypertonie, die Gestationshypertonie und die Präeklampsie.

Prävention der Präeklampsie

Schwangere mit erhöhtem Risiko sollten zur Prophylaxe 75 bis 150 mg Aspirin täglich ab der 12. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt einnehmen.

RisikokategorieKriterien
Hohes Risiko (1 Faktor reicht)Hypertensive Erkrankung in früherer Schwangerschaft, chronische Nierenerkrankung, Autoimmunerkrankung (z. B. SLE, Antiphospholipid-Syndrom), Diabetes Typ 1 oder 2, chronische Hypertonie
Moderates Risiko (>1 Faktor nötig)Nulliparität, Alter ≥ 40 Jahre, Schwangerschaftsintervall > 10 Jahre, BMI ≥ 35 kg/m² bei Erstvorstellung, positive Familienanamnese für Präeklampsie, Mehrlingsschwangerschaft

Nahrungsergänzungsmittel (Magnesium, Folsäure, Vitamin C/E, Fischöl) oder eine salzarme Diät werden nicht zur reinen Prävention empfohlen.

Diagnostik der Proteinurie

Die Proteinurie sollte im Kontext der gesamten klinischen Symptomatik bewertet werden. Ein 24-Stunden-Sammelurin wird nicht mehr routinemäßig empfohlen.

TestDiagnostischer GrenzwertBemerkung
Protein-Kreatinin-Ratio (PCR)≥ 30 mg/mmolBei Unsicherheit Test wiederholen
Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR)≥ 8 mg/mmolBei Unsicherheit Test wiederholen

Therapie der Hypertonie

Sowohl bei chronischer als auch bei gestationsbedingter Hypertonie gelten klare Zielwerte und medikamentöse Stufenschemata.

  • Therapiebeginn: Bei anhaltendem Blutdruck ≥ 140/90 mmHg
  • Zielblutdruck: 135/85 mmHg
StufeMedikamentBemerkung
1. WahlLabetalolBevorzugte Therapie, falls nicht kontraindiziert
2. WahlNifedipinAlternative bei Unverträglichkeit von Labetalol
3. WahlMethyldopaWenn Labetalol und Nifedipin ungeeignet sind

Wichtig: ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) und Thiazid-Diuretika sind in der Schwangerschaft wegen des Risikos für kongenitale Anomalien kontraindiziert und müssen bei Eintritt einer Schwangerschaft sofort abgesetzt werden.

Management der Präeklampsie

Die Präeklampsie erfordert eine engmaschige Überwachung in einem Zentrum mit entsprechender Expertise. Zur Risikostratifizierung können validierte Scores wie fullPIERS oder PREP-S herangezogen werden.

Entbindungszeitpunkt bei Präeklampsie

SchwangerschaftswocheEmpfehlung zum Entbindungszeitpunkt
< 34 WochenKonservatives Management (Surveillance), es sei denn, es bestehen mütterliche/fetale Indikationen zur vorzeitigen Entbindung. Ggf. Kortikosteroide und Magnesiumsulfat.
34 bis 36+6 WochenKonservatives Management, Entbindung bei Indikation abwägen (Zustand von Mutter/Kind, Verfügbarkeit von Neonatologie-Betten).
≥ 37 WochenEinleitung der Geburt innerhalb von 24 bis 48 Stunden.

Notfallmanagement: Schwere Präeklampsie und Eklampsie

Bei schwerer Hypertonie (≥ 160/110 mmHg) in der Intensivmedizin erfolgt die akute Blutdrucksenkung mit Labetalol (p.o./i.v.), Nifedipin (p.o.) oder Hydralazin (i.v.).

Zur Krampfprophylaxe und -therapie bei Eklampsie wird das Collaborative Eclampsia Trial Regimen angewendet:

  • Loading-Dose: 4 g Magnesiumsulfat i.v. über 5-15 Minuten
  • Erhaltungsdosis: 1 g/h i.v. für 24 Stunden (bzw. 24 h nach dem letzten Krampfanfall)
  • Rezidivkrampf: Weitere 2-4 g i.v. über 5-15 Minuten

Diazepam oder Phenytoin sollen nicht als Alternative zu Magnesiumsulfat verwendet werden.

Postpartales Management und Stillzeit

Frauen mit Hypertonie können stillen. Die medikamentöse Therapie sollte angepasst werden:

MedikamentIndikation / Bemerkung
Enalapril1. Wahl im Wochenbett (mit Überwachung von Nierenfunktion/Kalium)
Nifedipin / AmlodipinBevorzugt bei Frauen afrikanischer/karibischer Herkunft
Atenolol / LabetalolAls Kombinationstherapie, falls Monotherapie nicht ausreicht

Diuretika und ARBs sollten in der Stillzeit vermieden werden. Das Risiko für ein Rezidiv in zukünftigen Schwangerschaften liegt bei ca. 1 zu 5. Zudem besteht ein langfristig erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie zur Proteinurie-Diagnostik die Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR) oder Protein-Kreatinin-Ratio (PCR) aus dem Spontanurin. Ein 24-Stunden-Sammelurin wird nicht mehr routinemäßig empfohlen.

Häufig gestellte Fragen

Unter medikamentöser Therapie wird ein Zielblutdruck von 135/85 mmHg angestrebt.
Labetalol ist oft die erste Wahl, gefolgt von Nifedipin und Methyldopa. ACE-Hemmer und AT1-Blocker sind kontraindiziert.
Bei hohem Risiko (z. B. chronische Hypertonie, Diabetes) oder bei mehr als einem moderaten Risikofaktor ab der 12. SSW bis zur Geburt (75-150 mg/Tag).
Mit intravenösem Magnesiumsulfat (4 g als Loading-Dose, gefolgt von 1 g/h Erhaltungsdosis für 24 Stunden). Diazepam oder Phenytoin sollen nicht verwendet werden.
Enalapril ist oft die erste Wahl im Wochenbett. Alternativen sind Nifedipin, Amlodipin, Atenolol oder Labetalol. Diuretika und AT1-Blocker sollten vermieden werden.

Verwandte Leitlinien