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NICE

Primärer Hyperparathyreoidismus: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnostik beginnt mit der Messung des Albumin-korrigierten Serumkalziums; ionisiertes Kalzium soll nicht bestimmt werden.
  • Parathormon (PTH) wird bei Kalziumwerten ≥ 2,6 mmol/l oder bei ≥ 2,5 mmol/l mit klinischem Verdacht gemessen.
  • Eine Operation ist bei symptomatischen Patienten, Endorganschäden oder Kalzium ≥ 2,85 mmol/l indiziert.
  • Ein intraoperatives PTH-Monitoring wird bei Erstoperationen nicht empfohlen.
  • Cinacalcet ist eine Option bei erfolgloser oder nicht möglicher Operation und Kalziumwerten ≥ 2,85 mmol/l (mit Symptomen) oder ≥ 3,0 mmol/l.
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Hintergrund

Der primäre Hyperparathyreoidismus (PHPT) ist eine der häufigsten endokrinen Erkrankungen und eine Hauptursache für Hyperkalzämie. Er wird meist durch ein gutartiges Adenom der Nebenschilddrüse verursacht. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer, wobei die Diagnose oft zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr gestellt wird. Langzeitfolgen umfassen Nierensteine, Osteoporose, Frakturen und kardiovaskuläre Erkrankungen.

Diagnostik in der Primärversorgung

Die Basisdiagnostik beruht auf der Bestimmung des Albumin-korrigierten Serumkalziums. Das ionisierte Kalzium soll nicht gemessen werden.

Indikation zur KalziumbestimmungKriterien / Symptome
Klassische SymptomeDurst, Polyurie, Obstipation
EndorganschädenOsteoporose, Fragilitätsfrakturen, Nierensteine
ZufallsbefundAlbumin-korrigiertes Kalzium ≥ 2,6 mmol/l
Unspezifische Symptome (Erwägung)Fatigue, leichte Verwirrtheit, Knochen-/Muskelschmerzen, Angst, Depression

Bei Werten ≥ 2,6 mmol/l (oder ≥ 2,5 mmol/l mit PHPT-Symptomen) muss die Messung mindestens einmal wiederholt werden.

Parathormon-Bestimmung (PTH)

Die PTH-Messung erfolgt aus einer Zufallsstichprobe mit gleichzeitiger Bestimmung des Albumin-korrigierten Kalziums. Sie ist indiziert bei:

  • Kalzium ≥ 2,6 mmol/l zu mindestens 2 separaten Zeitpunkten
  • Kalzium ≥ 2,5 mmol/l zu mindestens 2 separaten Zeitpunkten und Verdacht auf PHPT

Eine routinemäßige Wiederholung der PTH-Messung in der Primärversorgung wird nicht empfohlen. Fachärztlicher Rat ist einzuholen, wenn das PTH über dem Mittelwert des Referenzbereichs liegt (bei Verdacht auf PHPT) oder unter dem Mittelwert liegt, aber das Kalzium ≥ 2,6 mmol/l beträgt.

Diagnostik in der Sekundärversorgung

Nach Überweisung und bei wahrscheinlicher Diagnose müssen weitere Parameter erhoben werden:

MaßnahmeZiel / Bemerkung
Vitamin DMessen und bei Bedarf substituieren
UrinkalziumausscheidungAusschluss einer familiären hypokalziurischen Hyperkalzämie (FHH) mittels 24h-Urin, Kalzium-Kreatinin-Ausscheidungsratio oder Kalzium-Kreatinin-Clearance-Ratio
NierenfunktioneGFR oder Serumkreatinin bestimmen
Bildgebung KnochenDXA-Scan (Lendenwirbelsäule, distaler Radius, Hüfte)
Bildgebung NierenUltraschall der Nierenwege

Operationsindikationen

Eine Überweisung an einen erfahrenen Nebenschilddrüsen-Chirurgen muss erfolgen bei:

  • Symptomen der Hyperkalzämie (Durst, Polyurie, Obstipation)
  • Endorganschäden (Nierensteine, Fragilitätsfrakturen, Osteoporose)
  • Albumin-korrigiertem Serumkalzium ≥ 2,85 mmol/l

Auch ohne diese Kriterien kann eine Überweisung bei bestätigter Diagnose erwogen werden.

Chirurgisches Management

Die präoperative Bildgebung (meist Ultraschall, ggf. Sestamibi-Scan als zweite Modalität) dient der Operationsplanung.

Befund der BildgebungEmpfohlenes chirurgisches Vorgehen
Einzelnes AdenomWahl zwischen 4-Drüsen-Exploration oder fokussierter Parathyreoidektomie
Kein Adenom darstellbar4-Drüsen-Exploration
Diskordante Befunde (US vs. Sestamibi)4-Drüsen-Exploration erwägen (keine weitere Bildgebung!)
Ektopes AdenomÜberweisung an ein spezialisiertes Zentrum

Ein intraoperatives PTH-Monitoring wird bei Erstoperationen nicht empfohlen.

Medikamentöse Therapie

Eine medikamentöse Therapie ist indiziert, wenn eine Operation erfolglos war, ungeeignet ist oder abgelehnt wird.

WirkstoffIndikationBemerkung
CinacalcetKalzium ≥ 2,85 mmol/l mit Symptomen ODER Kalzium ≥ 3,0 mmol/l (mit/ohne Symptome)Fortführung abhängig von Symptomlinderung oder Kalziumsenkung.
BisphosphonateErhöhtes Frakturrisiko bei PHPTNicht zur Behandlung der chronischen Hyperkalzämie einsetzen!

Monitoring

Alle Patienten mit PHPT benötigen ein regelmäßiges Monitoring. Das kardiovaskuläre Risiko und das Frakturrisiko müssen bei allen Patienten bewertet werden.

PatientenstatusMonitoring-Intervall und Parameter
Nach erfolgreicher OPJährlich: Albumin-korrigiertes Serumkalzium
Ohne OP / OP erfolglosJährlich: Albumin-korrigiertes Serumkalzium + eGFR/Kreatinin. DXA-Scan alle 2-3 Jahre.

Schwangerschaft

Frauen mit Kinderwunsch sollte vor einer Schwangerschaft eine Operation angeboten werden. Während der Schwangerschaft erfolgt die Betreuung interdisziplinär. Cinacalcet und Bisphosphonate sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Es besteht ein erhöhtes Risiko für hypertensive Schwangerschaftserkrankungen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie in der Primärdiagnostik auf die Bestimmung des ionisierten Kalziums und nutzen Sie stattdessen das Albumin-korrigierte Serumkalzium. Führen Sie bei Erstoperationen kein intraoperatives PTH-Monitoring durch.

Häufig gestellte Fragen

Bei einem Albumin-korrigierten Kalziumwert ≥ 2,6 mmol/l oder bei Werten ≥ 2,5 mmol/l mit klinischem Verdacht auf PHPT, jeweils an mindestens zwei separaten Zeitpunkten gemessen.
Durch die Messung der Kalziumausscheidung im Urin, beispielsweise über den 24-Stunden-Sammelurin oder die Kalzium-Kreatinin-Ratio.
Eine Überweisung zur Operation sollte bei einem Albumin-korrigierten Serumkalzium ≥ 2,85 mmol/l erfolgen, ebenso bei symptomatischen Patienten oder vorliegenden Endorganschäden.
Nein, Bisphosphonate sollen nicht zur Behandlung der chronischen Hyperkalzämie bei PHPT eingesetzt werden. Sie können jedoch zur Reduktion des Frakturrisikos erwogen werden.

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