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NICEA2024Pneumologie

Idiopathische Lungenfibrose (IPF): NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnosestellung einer IPF erfordert zwingend einen Konsens im multidisziplinären Team (MDT).
  • Zur krankheitsmodifizierenden Therapie werden Nintedanib und Pirfenidon (abhängig von der FVC) empfohlen.
  • Immunsuppressiva wie Azathioprin oder Prednisolon dürfen nicht zur Modifikation der Krankheitsprogression eingesetzt werden.
  • Die Prognoseabschätzung erfolgt über den Lungenfunktionsverlauf (0, 6 und 12 Monate), nicht über den 6-Minuten-Gehtest.
  • Mechanische Beatmung wird bei lebensbedrohlichem Atemversagen nicht routinemäßig empfohlen.
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Hintergrund

Die idiopathische Lungenfibrose (IPF) ist eine chronische, progrediente interstitielle Lungenerkrankung. Die NICE-Leitlinie empfiehlt, bei Patienten an eine IPF zu denken, wenn folgende klinische Merkmale vorliegen:

  • Alter über 45 Jahre
  • Anhaltende Belastungsdyspnoe
  • Persistierender Husten
  • Beidseitiges inspiratorisches Knistern (Sklerosiphonie)
  • Trommelschlägelfinger
  • Normale oder eingeschränkte Spirometrie (meist restriktiv, selten obstruktiv)

Diagnostik

Die Diagnosestellung einer IPF darf nur im Konsens eines multidisziplinären Teams (MDT) erfolgen.

Diagnostische Basisuntersuchungen

  • Ausführliche Anamnese und klinische Untersuchung
  • Blutuntersuchungen (Ausschluss von Bindegewebserkrankungen oder umweltbedingten Ursachen)
  • Lungenfunktionstest (Spirometrie und Diffusionskapazität)
  • Röntgen-Thorax und High-Resolution CT (HRCT) des Thorax

Multidisziplinäres Team (MDT)

Das MDT muss aus Experten für interstitielle Lungenerkrankungen bestehen.

DiagnosestadiumErforderliche Fachdisziplinen
Nach klinischer Evaluation, Lungenfunktion & CTPneumologe, Radiologe, ILD-Fachpflegekraft, MDT-Koordinator
Bei Erwägung einer Biopsie (BAL, transbronchial, chirurgisch)Pneumologe, Radiologe, Histopathologe, Thoraxchirurg, ILD-Fachpflegekraft, MDT-Koordinator

Kann keine sichere Diagnose gestellt werden, sollten eine bronchoalveoläre Lavage (BAL), eine transbronchiale Biopsie oder eine chirurgische Lungenbiopsie erwogen werden.

Prognose

Die Prognoseabschätzung erfolgt durch die Messung der Lungenfunktion (Spirometrie und Diffusionskapazität) zu folgenden Zeitpunkten:

  • Bei Diagnosestellung
  • Nach 6 Monaten
  • Nach 12 Monaten

Wichtig: Der 6-Minuten-Gehtest darf nicht zur initialen Prognoseabschätzung bei Diagnose verwendet werden.

Therapie

Krankheitsmodifizierende Medikamente

Die medikamentöse Therapie richtet sich nach der forcierten Vitalkapazität (FVC).

WirkstoffIndikation (FVC)Bemerkung
Nintedanib> 80% oder 50-80%Empfohlen laut NICE TA864 / TA379
Pirfenidon50-80%Empfohlen laut NICE TA504

Folgende Medikamente dürfen nicht zur Modifikation der Krankheitsprogression eingesetzt werden:

  • Ambrisentan, Bosentan, Sildenafil
  • Azathioprin, Mycophenolat-Mofetil
  • Prednisolon
  • Co-trimoxazol
  • Warfarin

Hinweis: Der Nutzen von oralem N-Acetylcystein ist ungewiss.

Supportive Therapie und Symptomkontrolle

  • Pulmonale Rehabilitation: Beurteilung bei Diagnose (inkl. 6-Minuten-Gehtest) und alle 6-12 Monate. Achtung: Pulsoximeter können bei dunkler Hautfarbe die Sauerstoffsättigung überschätzen.
  • Sauerstofftherapie: Prüfung auf ambulante oder Langzeit-Sauerstofftherapie bei Belastungs- oder Ruhedyspnoe.
  • Ruhedyspnoe: Einsatz von Benzodiazepinen und/oder Opioiden erwägen.
  • Husten: Behandlung von Begleitursachen (z. B. Reflux). Bei stark beeinträchtigendem Husten Opioide erwägen.
  • Beatmung: Eine mechanische Beatmung (inklusive NIV) soll bei lebensbedrohlichem Atemversagen nicht routinemäßig angeboten werden.

Lungentransplantation

Eine Lungentransplantation sollte zwischen 3 und 6 Monaten nach Diagnose (oder früher) mit Patienten ohne absolute Kontraindikationen besprochen werden.

Nachsorge

Die Kontrollintervalle richten sich nach der Krankheitsdynamik:

KrankheitsverlaufEmpfohlenes Follow-up-Intervall
Rasche Progression / SymptomverschlechterungAlle 3 Monate (oder früher)
Stetig fortschreitend oder initial bei stabiler ErkrankungAlle 6 Monate
Stabil nach 1 JahrJährlich

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie den 6-Minuten-Gehtest zur Indikationsstellung für die pulmonale Rehabilitation, aber niemals zur initialen Prognoseabschätzung. Beachten Sie zudem, dass Pulsoximeter bei Patienten mit dunkler Hautfarbe falsch-hohe Werte anzeigen können.

Häufig gestellte Fragen

Nintedanib und Pirfenidon werden zur krankheitsmodifizierenden Therapie empfohlen, abhängig von der forcierten Vitalkapazität (FVC) des Patienten.
Nein, Prednisolon und andere Immunsuppressiva wie Azathioprin sollen nicht zur Modifikation der Krankheitsprogression verwendet werden.
Die Option einer Transplantation sollte idealerweise 3 bis 6 Monate nach der Diagnosestellung besprochen werden, sofern keine absoluten Kontraindikationen vorliegen.
Die Leitlinie empfiehlt, bei lebensbedrohlichem Atemversagen im Rahmen einer IPF nicht routinemäßig mechanisch (inklusive nicht-invasiver Beatmung) zu beatmen.
Ein multidisziplinäres Team, bestehend aus mindestens einem Pneumologen, einem Radiologen und einer ILD-Fachpflegekraft. Bei Biopsien kommen Histopathologen und Thoraxchirurgen hinzu.

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