Frauenmilchbanken: Leitlinie zum Betrieb (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Qualitätssicherung und Prozesse in Frauenmilchbanken müssen auf HACCP-Prinzipien basieren.
- •Ein striktes Spenderscreening inklusive serologischer Tests auf HIV, Hepatitis B/C, HTLV und Syphilis ist bei Aufnahme obligatorisch.
- •Vor der Pasteurisierung darf die Gesamtkeimzahl der Spendermilch 10^5 CFU/ml nicht überschreiten.
- •Die Pasteurisierung erfolgt bei 62,5 °C für 30 Minuten, gefolgt von einer raschen Abkühlung auf ≤ 4 °C.
- •Eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Spendermilch muss für mindestens 30 Jahre gewährleistet sein.
Hintergrund
Muttermilch ist die optimale Ernährung für Säuglinge. Wenn eine Mutter nicht ausreichend Milch abpumpen kann, stellt Spendermilch eine wichtige Alternative dar. Die NICE-Leitlinie definiert Standards für den sicheren Betrieb von Frauenmilchbanken, um Risiken für die Empfänger zu minimieren.
Qualitätssicherung und HACCP
Alle Prozesse der Qualitätssicherung müssen auf HACCP-Prinzipien (Hazard Analysis and Critical Control Point) basieren.
- Geräte zur Handhabung und Verarbeitung müssen validiert, kalibriert und gewartet werden.
- Sensoren und Alarme sind für alle temperaturrelevanten Geräte erforderlich.
- Das Personal muss fortlaufend in HACCP, Lebensmittelhygiene und Pasteurisierung geschult werden.
Spenderscreening und Ausschlusskriterien
Die Rekrutierung erfordert ein striktes Screening. Potenzielle Spenderinnen müssen bei Vorliegen bestimmter Risikofaktoren ausgeschlossen werden.
| Kategorie | Ausschlusskriterien |
|---|---|
| Lebensstil | Aktives Rauchen, Nikotinersatztherapie, Drogenkonsum |
| Alkohol | Regelmäßig > 1-2 Einheiten (1-2x pro Woche) |
| Infektionen | Positiv für HIV 1/2, Hepatitis B/C, HTLV I/II, Syphilis |
| Sonstiges | Erhöhtes Risiko für Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) |
Serologische Testung:
- Obligatorische Testung auf HIV 1/2, Hepatitis B/C, HTLV I/II und Syphilis bei Aufnahme.
- Pränatale Testergebnisse reichen nicht aus.
- Keine routinemäßigen Wiederholungen der Serologie während der aktiven Spendezeit erforderlich.
Handhabung und Lagerung
Um die mikrobiologische und nutritionale Qualität zu erhalten, gelten strikte Vorgaben für die Lagerung und Verarbeitung der Spendermilch.
| Station | Maximale Lagerdauer | Temperatur | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Zuhause | Bis zu 3 Monate | ≤ -18 °C | In speziellen Behältnissen |
| Milchbank (vor Pasteurisierung) | Bis zu 3 Monate | -20 °C | Ab Datum des Abpumpens |
| Milchbank (nach Pasteurisierung) | Bis zu 6 Monate | Gefroren | Gesamtdauer ab Abpumpdatum |
Wichtige Grundregeln zur Verarbeitung:
- Milch von verschiedenen Spenderinnen darf niemals gemischt (gepoolt) werden.
- Vor der Pasteurisierung darf die Milch maximal 24 Stunden im Kühlschrank aufgetaut werden und darf dabei 8 °C nicht erreichen.
Mikrobiologische Testung und Pasteurisierung
Vor und nach der Pasteurisierung muss die Milch auf mikrobielle Kontamination geprüft werden.
| Zeitpunkt | Parameter | Grenzwert (Verwerfen wenn überschritten) |
|---|---|---|
| Vor Pasteurisierung | Gesamtkeimzahl | > 10^5 CFU/ml |
| Vor Pasteurisierung | Enterobacteriaceae | > 10^4 CFU/ml |
| Vor Pasteurisierung | Staphylococcus aureus | > 10^4 CFU/ml |
| Nach Pasteurisierung | Gesamtkeimzahl | ≥ 10 CFU/ml |
Pasteurisierungsprozess:
- Erhitzung auf 62,5 °C für 30 Minuten im humanen Milchpasteurisator.
- Anschließende rasche Abkühlung auf ≤ 4 °C.
Nachverfolgung (Tracking & Tracing)
Eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von der Spenderin bis zum Empfängerkrankenhaus ist zwingend erforderlich.
- Jedes Behältnis benötigt eine eindeutige Identifikationsnummer.
- Dokumentation von Spender-ID, Testergebnissen, Pasteurisierungsdetails und Empfängerdaten.
- Alle qualitäts- und sicherheitsrelevanten Daten müssen für mindestens 30 Jahre nach Verfallsdatum, Nutzung oder Entsorgung aufbewahrt werden.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie serologische Tests (HIV, Hep B/C, HTLV, Syphilis) zwingend bei der Neuaufnahme von Spenderinnen durch und verlassen Sie sich nicht auf pränatale Befunde. Eine routinemäßige Wiederholung während der aktiven Spendezeit ist jedoch nicht erforderlich.