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NICE

pAVK Leitlinie: Diagnostik und Therapie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnostik erfolgt primär klinisch und mittels manueller Doppler-Messung des Knöchel-Arm-Index (ABPI).
  • Bei Diabetikern schließt ein normaler oder erhöhter ABPI eine pAVK nicht aus.
  • Erste Bildgebung vor einer geplanten Revaskularisation ist der Duplex-Ultraschall.
  • Die Basistherapie der Claudicatio intermittens ist ein überwachtes Gehtraining (2 Stunden/Woche für 3 Monate).
  • Eine primäre Stentimplantation bei aortoiliakaler oder femoropoplitealer Erkrankung wird nicht empfohlen (Ausnahme: kompletter Verschluss).
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Hintergrund

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ist ein Marker für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, auch wenn sie asymptomatisch verläuft. Die Symptomatik reicht von der Claudicatio intermittens bis hin zur kritischen Beinischämie mit Ruheschmerz, Ulzerationen und Gewebeverlust. Eine frühzeitige Diagnose und das Management von Risikofaktoren sind essenziell.

Diagnostik

Eine Untersuchung auf pAVK sollte erfolgen bei:

  • Symptomen, die auf eine pAVK hindeuten
  • Diabetes mellitus, schlecht heilenden Wunden an Beinen/Füßen oder unerklärlichen Beinschmerzen
  • Geplanten Interventionen an Bein oder Fuß
  • Notwendigkeit von Kompressionsstrümpfen

Die Basisdiagnostik umfasst die Anamnese, die klinische Untersuchung (inklusive Palpation der Femoralis-, Poplitea- und Fußpulse) und die Messung des Knöchel-Arm-Index (ABPI).

ABPI-MessungEmpfehlung
PositionRuhend und nach Möglichkeit in Rückenlage
MethodeManuelle Messung mit Doppler-Sonde (bevorzugt gegenüber automatisierten Systemen)
BerechnungHöchster Knöcheldruck dividiert durch höchsten Armdruck (pro Bein)

Besonderheiten bei Diabetes mellitus:

  • Ein normaler oder erhöhter ABPI schließt eine pAVK nicht aus.
  • Die Pulsoxymetrie soll nicht zur pAVK-Diagnostik verwendet werden.

Bildgebung vor Revaskularisation

StufeModalitätIndikation
1. WahlDuplex-UltraschallAllen Patienten vor geplanter Revaskularisation anbieten
2. WahlKontrastverstärkte MRAWenn nach Duplex-Ultraschall weitere Bildgebung nötig ist
3. WahlCT-Angiographie (CTA)Wenn MRA kontraindiziert oder nicht toleriert wird

Therapie der Claudicatio intermittens

Konservative Therapie

  • Überwachtes Gehtraining: Allen Patienten anbieten. Empfohlen werden 2 Stunden überwachtes Training pro Woche für 3 Monate, wobei bis zum maximalen Schmerz trainiert werden soll.
  • Sekundärprävention: Umfasst Raucherentwöhnung, Diät, Gewichtskontrolle, Bewegung, Lipidmodifikation (Statine), Blutdruck- und Diabeteseinstellung sowie Thrombozytenaggregationshemmung (z. B. Clopidogrel oder Rivaroxaban plus Aspirin).

Medikamentöse Therapie

WirkstoffEmpfehlungBemerkung
NaftidrofurylErwägenNur wenn Gehtraining erfolglos war und der Patient keine Intervention wünscht. Nach 3-6 Monaten prüfen und bei fehlendem Nutzen absetzen.
Cilostazol / PentoxifyllinNicht empfohlenKeine Indikation zur Behandlung der Claudicatio intermittens.

Interventionelle und chirurgische Therapie

  • Angioplastie: Nur anbieten, wenn Risikofaktoren modifiziert wurden, das Gehtraining erfolglos war und die Bildgebung die Eignung bestätigt.
  • Stenting: Kein primäres Stenting bei aortoiliakaler (außer bei komplettem Verschluss) oder femoropoplitealer Erkrankung. Wenn gestentet wird, sollen Bare-Metal-Stents verwendet werden.
  • Bypass-Chirurgie: Nur bei schwerer, lebensstil-limitierender Claudicatio, wenn eine Angioplastie erfolglos oder ungeeignet ist. Bei infrainguinalem Bypass bevorzugt eine autologe Vene verwenden.

Therapie der kritischen Beinischämie

Jeder Patient mit kritischer Beinischämie muss vor einer Therapieentscheidung von einem vaskulären multidisziplinären Team beurteilt werden.

  • Revaskularisation: Angioplastie oder Bypass unter Berücksichtigung von Komorbiditäten, Befallsmuster, Venenverfügbarkeit und Patientenpräferenz.
  • Schmerztherapie: Paracetamol plus schwache oder starke Opioide. Bei starken Opioiden an Laxanzien und Antiemetika denken. Überweisung an spezielle Schmerztherapeuten, wenn die Schmerzen unzureichend kontrolliert sind, hohe Opioiddosen benötigt werden oder Schmerzen nach Revaskularisation/Amputation persistieren.
  • Amputation: Eine Major-Amputation darf nicht angeboten werden, bevor nicht alle Revaskularisationsoptionen vom multidisziplinären Team geprüft wurden.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei Diabetikern nicht auf einen normalen Knöchel-Arm-Index (ABPI), da eine Mediasklerose falsch-hohe Werte verursachen kann. Verzichten Sie zudem auf die Pulsoxymetrie zur pAVK-Diagnostik.

Häufig gestellte Fragen

Der Patient sollte ruhen und nach Möglichkeit auf dem Rücken liegen. Die Messung sollte manuell mit einer Doppler-Sonde erfolgen, automatisierte Systeme werden nicht bevorzugt.
Erste Wahl ist der Duplex-Ultraschall. Reicht dieser nicht aus, folgt eine kontrastverstärkte MRA (oder eine CTA bei Kontraindikationen für das MRT).
Eine Angioplastie sollte erst angeboten werden, wenn Risikofaktoren modifiziert wurden, ein überwachtes Gehtraining keine Besserung brachte und die Bildgebung die Eignung bestätigt.
Naftidrofuryl kann als Reserve erwogen werden, wenn Gehtraining versagt und keine OP gewünscht ist. Cilostazol und Pentoxifyllin werden ausdrücklich nicht empfohlen.

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