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NICE

Sedierung bei Kindern & Jugendlichen: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Vor jeder Sedierung muss eine strukturierte Risikobewertung (inkl. ASA-Klassifikation und Atemweg) erfolgen.
  • Für minimale Sedierung und Lachgas ist keine Nüchternheit erforderlich.
  • Bei tiefer Sedierung ist ein kontinuierliches Monitoring inkl. Kapnographie, EKG und regelmäßiger Blutdruckmessung zwingend.
  • Für schmerzfreie Bildgebung sollten primär Chloralhydrat (<15 kg) oder Midazolam verwendet werden, keine Opioide oder Ketamin.
  • Bei schmerzhaften Eingriffen sollte die Sedierung immer mit einer Lokalanästhesie kombiniert werden.
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Hintergrund

Die Sedierung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen (unter 19 Jahren) ist häufig notwendig, da diagnostische oder therapeutische Eingriffe oft zu beängstigend oder schmerzhaft sind, um sie nur mit lokaler Betäubung und gutem Zureden durchzuführen. Ziel ist es, Angst zu nehmen, die Schmerzkontrolle zu verbessern und Bewegungen zu minimieren. Die Leitlinie unterscheidet folgende Sedierungstiefen:

SedierungstiefeBewusstsein & ReaktionAtemwege & Herz-Kreislauf
Minimale SedierungWach und ruhig, normale Reaktion auf AnspracheSpontanatmung und Herz-Kreislauf-Funktion unbeeinträchtigt
Moderate SedierungSchläfrig, aber gezielte Reaktion auf Ansprache oder leichte BerührungKeine Atemwegssicherung nötig, Spontanatmung adäquat
Tiefe SedierungSchläft, schwer weckbar, gezielte Reaktion nur auf wiederholte/schmerzhafte ReizeAtemwegssicherung evtl. nötig, Spontanatmung evtl. inadäquat

Hinweis: Die "bewusste Sedierung" (Conscious Sedation) wird oft in der Zahnmedizin verwendet und entspricht der moderaten Sedierung, wobei der verbale Kontakt stets erhalten bleibt.

Prä-Sedierungs-Assessment

Vor der Sedierung muss die Eignung des Patienten durch geschultes Personal beurteilt und dokumentiert werden.

Folgende Faktoren müssen evaluiert werden:

  • Aktuelle medizinische und chirurgische Probleme
  • Gewicht (Wachstumsbeurteilung)
  • Medizinische Vorgeschichte (inkl. Probleme bei früheren Sedierungen/Narkosen)
  • Aktuelle Medikation und Allergien
  • Körperlicher Status (insbesondere die Atemwege)
  • Psychologischer und entwicklungsbezogener Status

Spezialisten hinzuziehen: Ein Experte muss konsultiert werden bei potenziellen Atemwegsproblemen, einem ASA-Status $\ge$ 3 sowie bei Säuglingen und Neugeborenen.

Nüchternheitsregeln

Die Notwendigkeit der Nüchternheit hängt von der geplanten Sedierungstiefe ab:

SedierungsartNüchternheit erforderlich?Bemerkung
Minimale SedierungNein-
Lachgas (in Sauerstoff)Nein-
Moderate Sedierung (mit verbalem Kontakt)Nein-
Tiefe Sedierung / Moderate Sedierung (ohne verbalen Kontakt)JaEs gelten die Regeln der Allgemeinanästhesie (z.B. 2-4-6 Regel, bzw. Reduktion auf 1h für klare Flüssigkeiten laut aktuellen Konsensus-Statements)

Bei Notfalleingriffen an nicht-nüchternen Patienten muss die Dringlichkeit gegen das Risiko der angestrebten Sedierungstiefe abgewogen werden.

Personelle Anforderungen und Monitoring

Es müssen stets eine geschulte Fachkraft zur Sedierung sowie eine Assistenz anwesend sein. Die Anforderungen an das Monitoring steigen mit der Sedierungstiefe:

ParameterModerate SedierungTiefe Sedierung
Sedierungstiefe, Atmung, SpO2, HerzfrequenzKontinuierlichKontinuierlich
Schmerzbewältigung und DistressKontinuierlichKontinuierlich
3-Kanal-EKGNicht routinemäßigKontinuierlich
Endtidales CO2 (Kapnographie)Nicht routinemäßigKontinuierlich*
BlutdruckNicht routinemäßigAlle 5 Minuten*

*Vorausgesetzt, das Monitoring weckt den Patienten nicht auf und verhindert so den Eingriff. Bei tiefer Sedierung darf die verabreichende Person ausschließlich für das Monitoring zuständig sein.

Medikamentöse Empfehlungen nach Eingriffsart

Die Wahl der Medikamente richtet sich stark nach der Art des Eingriffs (schmerzhaft vs. schmerzfrei).

Schmerzfreie Bildgebung

  • Nicht empfohlen: Routinemäßiger Einsatz von Ketamin oder Opioiden.
  • 1. Wahl: Chloralhydrat (für Kinder <15 kg) oder Midazolam.
  • Spezialverfahren (bei Toleranzversagen): Propofol oder Sevofluran (nur durch speziell geschultes Personal/Anästhesisten).

Schmerzhafte Eingriffe (z.B. Wundnaht, Reposition)

  • Grundregel: Immer die Kombination mit einem Lokalanästhetikum erwägen.
  • Minimale/Moderate Sedierung: Lachgas (in Sauerstoff) und/oder Midazolam (oral/intranasal).
  • Alternative (falls ungeeignet): Ketamin (i.v. oder i.m.) oder i.v. Midazolam +/- Fentanyl.
  • Spezialverfahren: Propofol +/- Fentanyl.

Endoskopie

  • Obere GI-Endoskopie: Intravenöses Midazolam (für minimale bis moderate Sedierung).
  • Untere GI-Endoskopie: Fentanyl (oder ein äquivalentes Opioid) in Kombination mit i.v. Midazolam (für moderate Sedierung).

Zahnmedizinische Eingriffe

  • Zur bewussten Sedierung primär Lachgas (in Sauerstoff) oder Midazolam erwägen.

Entlassungskriterien

Patienten dürfen erst entlassen werden, wenn die Vitalparameter auf Normalniveau zurückgekehrt sind, der Patient wach ist (oder sein Ausgangsbewusstsein erreicht hat) und Übelkeit, Erbrechen sowie Schmerzen adäquat behandelt wurden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei schmerzfreien Untersuchungen wie dem MRT auf Ketamin oder Opioide. Nutzen Sie bei Kindern unter 15 kg stattdessen Chloralhydrat oder Midazolam, da diese eine größere therapeutische Breite aufweisen.

Häufig gestellte Fragen

Bei minimaler Sedierung, der Gabe von Lachgas oder moderater Sedierung mit erhaltenem verbalen Kontakt ist keine Nüchternheit nötig. Bei tiefer Sedierung gelten die strengen Nüchternheitsregeln der Allgemeinanästhesie.
Neben Sedierungstiefe, Atmung, Sauerstoffsättigung und Herzfrequenz müssen ein 3-Kanal-EKG, die endtidale CO2-Messung (Kapnographie) sowie alle 5 Minuten der Blutdruck überwacht werden.
Ein Spezialist sollte bei potenziellen Atemwegsproblemen, einem ASA-Status von 3 oder höher, bei Säuglingen und Neugeborenen sowie bei der Verwendung von Propofol, Sevofluran oder der Kombination aus Opioiden und Ketamin konsultiert werden.
Für die obere Gastrointestinal-Endoskopie wird intravenöses Midazolam empfohlen. Für die untere Endoskopie (Koloskopie) sollte Midazolam mit Fentanyl oder einem äquivalenten Opioid kombiniert werden.

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