Nasenpolypen (CRSwNP): Dupilumab-Indikation und Nutzen
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bewertet den Zusatznutzen von Dupilumab. Der Wirkstoff wird als Add-on-Therapie mit intranasalen Kortikosteroiden (INCS) untersucht.
Die Zielgruppe umfasst erwachsene Personen mit schwerer chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP). Voraussetzung für die Anwendung ist, dass die Erkrankung mit systemischen Kortikosteroiden und/oder chirurgischen Eingriffen nicht ausreichend kontrolliert werden kann.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eine Therapie mit topischen Kortikosteroiden wie Budesonid oder Mometasonfuroat festgelegt. Die Bewertung des Zusatznutzens basiert primär auf den Ergebnissen der randomisierten kontrollierten Studien SINUS-24 und SINUS-52.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert basierend auf den Studiendaten folgende Kernaussagen zum Zusatznutzen:
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
Laut Bewertung ergibt sich ein Beleg für einen nicht quantifizierbaren, mindestens beträchtlichen Zusatznutzen von Dupilumab. Dies gilt für die Anwendung als Add-on-Therapie mit INCS im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie.
Morbidität und Symptomatik
Die Auswertung der Studien zeigt signifikante Verbesserungen durch die Therapie in mehreren patientenrelevanten Endpunkten. Der Bericht stellt folgende positive Effekte fest:
-
Beträchtlicher Zusatznutzen beim Gesamtscore des SNOT-22 (krankheitsspezifische Symptomatik).
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Nicht quantifizierbarer Zusatznutzen bei der nasalen Kongestion und Obstruktion.
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Nicht quantifizierbarer Zusatznutzen beim Verlust des Geruchssinns sowie bei der Rhinorrhö.
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Nicht quantifizierbarer Zusatznutzen bei der allgemeinen Symptomschwere (VAS Rhinosinusitis).
Gesundheitsbezogene Lebensqualität und Mortalität
Für den Gesundheitszustand, gemessen über die visuelle Analogskala des EQ-5D, belegt der Bericht ebenfalls einen Zusatznutzen. Das Ausmaß wird hierbei als nicht quantifizierbar eingestuft.
Bezüglich der Gesamtmortalität traten in den untersuchten Studien bis zur Woche 24 keine Todesfälle auf. Daher ergibt sich laut Bericht kein Anhaltspunkt für einen Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Ein höherer Schaden durch den untersuchten Wirkstoff gegenüber der Vergleichstherapie kann laut Bewertung ausgeschlossen werden. Die Daten zu schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUE) waren teilweise schwer auswertbar.
Dies lag daran, dass viele Ereignisse sowohl als Nebenwirkung als auch als Krankheitssymptom gewertet werden konnten. Bereinigt um diese Überschneidungen zeigten sich keine erhöhten Raten an SUE oder Therapieabbrüchen.
Dosierung
Der Bericht zitiert die Fachinformation hinsichtlich der Dosierung für die untersuchte Indikation.
| Wirkstoff | Indikation | Empfohlene Dosierung |
|---|---|---|
| Dupilumab | Schwere CRSwNP bei Erwachsenen | Anfangsdosis 300 mg subkutan, gefolgt von 300 mg alle 2 Wochen |
| Mometasonfuroat (Begleittherapie) | Erhaltungstherapie bei CRSwNP | 400 µg täglich (2 Sprühstöße à 50 µg je Nasenöffnung 2-mal täglich), bei Unverträglichkeit Reduktion auf 200 µg möglich |
Es wird darauf hingewiesen, dass die Therapie für die Langzeitbehandlung bestimmt ist. Bei fehlendem Ansprechen nach 24 Wochen ist eine Beendigung der Behandlung in Betracht zu ziehen.
Kontraindikationen
Der Bericht listet basierend auf der Fachinformation folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen auf:
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile stellt eine Kontraindikation dar.
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Der Wirkstoff darf nicht zur Behandlung von akuten Asthmasymptomen, akutem Bronchospasmus oder Status asthmaticus angewendet werden.
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Systemische Kortikosteroide dürfen nach Einleitung der Therapie nicht abrupt abgesetzt werden, sondern müssen schrittweise reduziert werden.
-
Bei Personen mit Eosinophilie ist auf vaskulitische Hautausschläge, Verschlechterung der Lungensymptomatik oder Neuropathien zu achten.
-
Bestehende Helminthosen müssen vor Therapiebeginn behandelt werden.
-
Lebendimpfstoffe und attenuierte Lebendimpfstoffe dürfen nicht zeitgleich angewendet werden.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist ausdrücklich darauf hin, dass systemische Kortikosteroide bei Beginn einer Dupilumab-Therapie nicht abrupt abgesetzt werden dürfen. Eine notwendige Dosisreduktion der Kortikosteroide sollte laut den Dokumenten stets schrittweise und unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Dies wird begründet mit dem Risiko von systemischen Entzugssymptomen oder der Demaskierung von Krankheiten, die zuvor durch die Kortikosteroide unterdrückt wurden.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht gibt es einen Beleg für einen nicht quantifizierbaren, mindestens beträchtlichen Zusatznutzen. Dies gilt für erwachsene Personen mit schwerer chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen, die unzureichend auf Kortikosteroide oder Operationen ansprechen.
Die Bewertung zitiert die Fachinformation, wonach eine Anfangsdosis von 300 mg subkutan empfohlen wird. Anschließend erfolgt die Gabe von 300 mg alle zwei Wochen als Add-on-Therapie zu intranasalen Kortikosteroiden.
Die Dokumente weisen darauf hin, dass bei fehlendem Ansprechen nach 24 Wochen eine Beendigung der Behandlung in Betracht gezogen werden sollte. Einige Personen mit partiellem Ansprechen können jedoch von einer längeren Therapiedauer profitieren.
Der Bericht warnt ausdrücklich davor, den Wirkstoff zur Behandlung von akuten Asthmasymptomen oder Exazerbationen einzusetzen. Auch bei akutem Bronchospasmus oder Status asthmaticus ist die Anwendung kontraindiziert.
Gemäß den zitierten Sicherheitsinformationen dürfen Lebendimpfstoffe und attenuierte Lebendimpfstoffe nicht zeitgleich mit der Therapie angewendet werden. Es wird empfohlen, den Impfstatus vor Behandlungsbeginn auf den neuesten Stand zu bringen.
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Quelle: IQWiG A19-96: Dupilumab (chronische Rhinosinusitis mit nasaler Polyposis) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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