Multiple Sklerose (MS): Diagnostik und Schubtherapie
Hintergrund
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Die NICE-Leitlinie NG220 bietet umfassende Empfehlungen für das Management von MS bei Erwachsenen.
Ziel der Leitlinie ist es, die Lebensqualität der Betroffenen durch eine rasche Diagnosestellung, effektive Symptomkontrolle und strukturierte Schubbehandlung zu verbessern.
Ein besonderer Fokus liegt auf der multidisziplinären Betreuung und der jährlichen umfassenden Überprüfung des Gesundheitszustands. Krankheitsmodifizierende Therapien (DMTs) werden in separaten NICE-Technologiebewertungen behandelt.
Empfehlungen
Diagnostik
Die Leitlinie empfiehlt die Diagnose anhand der revidierten McDonald-Kriterien (2017) unter Einbeziehung von Anamnese, Untersuchung, MRT und Labor.
Es wird betont, dass die Diagnose nicht allein auf MRT-Befunden basieren darf.
Typische Erstsymptome umfassen laut Leitlinie:
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Visusverlust oder -minderung auf einem Auge mit schmerzhaften Augenbewegungen
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Doppelbilder
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Aufsteigende Sensibilitätsstörungen oder Schwäche
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Lhermitte-Zeichen (Schmerzausstrahlung bei Nackenbeugung)
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Progrediente Gleichgewichts- und Gangstörungen
Symptommanagement
Zur Behandlung der Spastik wird als Erstlinientherapie orales Baclofen empfohlen. Bei Unverträglichkeit oder unzureichender Wirkung sollte Gabapentin als Zweitlinientherapie erwogen werden.
Bei Fatigue wird zu einem multimodalen Ansatz geraten, der aerobe Übungen und kognitive Verhaltenstherapie umfasst. Pharmakologisch können Amantadin, Modafinil oder SSRIs nach fachärztlicher Aufklärung erwogen werden.
Die Leitlinie rät explizit davon ab, Vitamin-B12-Injektionen oder hyperbare Sauerstofftherapie zur Behandlung der Fatigue einzusetzen.
Zur Behandlung von Oszillopsien wird Gabapentin als Erstlinien- und Memantin als Zweitlinientherapie empfohlen.
Schubtherapie
Ein Schub wird definiert als neue oder sich verschlechternde Symptome, die länger als 24 Stunden anhalten, sofern keine Infektion vorliegt.
Die Behandlung sollte laut Leitlinie so früh wie möglich, idealerweise innerhalb von 14 Tagen nach Symptombeginn, erfolgen.
Es wird empfohlen, vor der Diagnose eines Schubs Infektionen (insbesondere Harnwegs- und Atemwegsinfektionen) auszuschließen.
Langzeitbetreuung
Die Leitlinie fordert eine umfassende jährliche Überprüfung aller Versorgungsaspekte durch ein multidisziplinäres Team.
Es wird empfohlen, Themen wie Familienplanung frühzeitig zu besprechen, da MS die Fruchtbarkeit nicht beeinträchtigt und Schwangerschaften gut gemanagt werden können.
Dosierung
Die Leitlinie empfiehlt folgende Dosierungen zur Behandlung eines akuten MS-Schubs:
| Medikament | Dosis | Indikation / Bemerkung |
|---|---|---|
| Orales Methylprednisolon | 0,5 g täglich für 5 Tage | Standardtherapie bei akutem Schub |
| Intravenöses Methylprednisolon | 1 g täglich für 3 bis 5 Tage | Alternative bei Versagen der oralen Therapie oder schwerem Schub |
Kontraindikationen
Modafinil darf laut Leitlinie nicht bei Personen angewendet werden, die schwanger sind oder eine Schwangerschaft planen.
Die Leitlinie warnt davor, Steroide in niedrigeren Dosen als 0,5 g Methylprednisolon täglich für 5 Tage zur Schubtherapie zu verschreiben.
Zudem wird davon abgeraten, Personen mit MS einen Vorrat an Steroiden zur Selbstverabreichung für zukünftige Schübe mitzugeben.
Fampridin wird von der Leitlinie aufgrund mangelnder Kosteneffizienz nicht zur Behandlung von Mobilitätsproblemen empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, einen MS-Schub routinemäßig zu diagnostizieren, wenn als Hauptsymptome lediglich Fatigue, Depression oder Schwindel ohne fokale neurologische Ausfälle vorliegen. Zudem wird betont, dass vor jeder Schubtherapie zwingend ein Infekt (insbesondere Harnwegs- oder Atemwegsinfektionen) als Ursache für die Symptomverschlechterung ausgeschlossen werden muss.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt die Verwendung der revidierten McDonald-Kriterien von 2017. Die Diagnose erfordert eine Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung, MRT-Befunden und Laborergebnissen.
Laut Leitlinie wird eine orale Therapie mit 0,5 g Methylprednisolon täglich über 5 Tage empfohlen. Bei schweren Schüben oder Versagen der oralen Therapie kann intravenöses Methylprednisolon (1 g täglich für 3 bis 5 Tage) erwogen werden.
Als Erstlinientherapie wird orales Baclofen empfohlen. Bei unzureichender Wirkung oder Unverträglichkeit rät die Leitlinie zu Gabapentin als Zweitlinienoption.
Ja, die Leitlinie betont, dass MS die Fruchtbarkeit nicht beeinträchtigt und kein Grund ist, auf eine Familienplanung zu verzichten. Es wird jedoch empfohlen, krankheitsmodifizierende Therapien vor einer Schwangerschaft ärztlich überprüfen zu lassen.
Die Leitlinie rät davon ab, Vitamin D ausschließlich zum Zweck der MS-Behandlung anzubieten. Es gibt keine ausreichende Evidenz für einen direkten therapeutischen Nutzen auf den Krankheitsverlauf.
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Quelle: NICE Guideline on Multiple Sclerosis (NICE, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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