CochraneIa2019

Morbus Crohn: Antibiotika zur Remissionsinduktion

Diese Leitlinie stammt aus 2019 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Morbus Crohn ist eine entzündliche Darmerkrankung, deren genaue Ätiologie unklar ist. Tiermodelle und humane Studien deuten darauf hin, dass das intestinale Mikrobiom und eine gestörte Barrierefunktion eine zentrale Rolle in der Pathogenese spielen.

Bei Personen mit Morbus Crohn lassen sich häufig höhere Konzentrationen spezifischer Bakterien wie Escherichia coli in der Darmschleimhaut nachweisen. Aus diesem Grund wurde postuliert, dass eine Reduktion der bakteriellen Last durch Antibiotika die pathologische Immunantwort eindämmen könnte.

Der Einsatz von Breitbandantibiotika birgt jedoch das Risiko, die bestehende Dysbiose weiter zu verschlechtern. Der Cochrane Review (2019) evaluiert daher die Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit einer antibiotischen Therapie bei dieser Erkrankung.

Empfehlungen

Der Cochrane Review (2019) liefert folgende Erkenntnisse zur Therapie:

Induktion der Remission

Die gepoolten Daten zeigen, dass Antibiotika im Vergleich zu Placebo einen moderaten statistischen Vorteil bei der Induktion einer Remission bieten (hohe Evidenzqualität). Die Autoren betonen jedoch, dass dieser Nutzen wahrscheinlich sehr gering ist und klinisch möglicherweise nicht ins Gewicht fällt.

Erhaltung der Remission

Die Wirkung von Antibiotika zur Vermeidung eines Rückfalls und zur Erhaltung der Remission ist derzeit unklar (niedrige Evidenzqualität). Es können laut Review keine verlässlichen Schlussfolgerungen zur Langzeitwirksamkeit gezogen werden.

Kombinationstherapien

Der zusätzliche Nutzen von Antibiotika, wenn sie in Kombination mit Anti-TNF-Antikörpern (wie Infliximab oder Adalimumab) verabreicht werden, ist ungewiss. Die vorliegenden Studien zeigen hier keine eindeutige Verbesserung der klinischen Ansprechrate.

Sicherheit und Nebenwirkungen

Antibiotika scheinen das allgemeine Risiko für unerwünschte Ereignisse im Vergleich zu Placebo nicht zu erhöhen (hohe Evidenzqualität). Zu den in den Studien am häufigsten berichteten Nebenwirkungen gehören:

  • Gastrointestinale Beschwerden und Übelkeit

  • Infektionen der oberen Atemwege

  • Abszessbildungen

  • Kopfschmerzen und Geschmacksveränderungen

Dosierung

Die in den eingeschlossenen randomisierten Studien evaluierten Dosierungen umfassten folgende Schemata (Hinweis: Es handelt sich um Studienprotokolle, nicht um formelle Therapieempfehlungen):

MedikamentUntersuchte DosisIndikation im Studienkontext
Ciprofloxacin500 mg 2x täglichAktiver Morbus Crohn / Fistelverschluss
Rifaximin800–2400 mg täglichAktiver Morbus Crohn
Metronidazol400–500 mg 2x täglichAktiver Morbus Crohn
Clarithromycin750 mg – 1 g täglichAktiver Morbus Crohn
Cotrimoxazol960 mg 2x täglichAktiver Morbus Crohn

Kontraindikationen

Der Review warnt vor dem ungerichteten Einsatz von Breitbandantibiotika, da diese die bestehende Dysbiose des Darms verschlimmern können. Zudem wird auf das bekannte Risiko einer Infektion mit Clostridium difficile unter antibiotischer Therapie hingewiesen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Review verdeutlicht, dass der routinemäßige Einsatz von Antibiotika zur reinen Remissionsinduktion bei Morbus Crohn aufgrund des marginalen Nutzens kritisch zu hinterfragen ist. Bislang konnte kein spezifisches bakterielles Ziel identifiziert werden, das eine gezielte Eradikationstherapie rechtfertigt.

Häufig gestellte Fragen

Der Review zeigt, dass Antibiotika im Vergleich zu Placebo nur einen sehr geringen, oft nicht klinisch relevanten Nutzen bei der Induktion einer Remission haben.

Die aktuelle Evidenz reicht nicht aus, um die Wirksamkeit von Antibiotika zur Erhaltung der Remission zu belegen. Die Langzeiteffekte sind laut den Autoren unklar.

Gemäß den gepoolten Daten der Studien erhöhen Antibiotika das allgemeine Risiko für Nebenwirkungen im Vergleich zu Placebo nicht signifikant. Häufig berichtete Ereignisse waren gastrointestinale Beschwerden und Kopfschmerzen.

In den randomisierten Studien wurden hauptsächlich Ciprofloxacin, Metronidazol, Rifaximin, Clarithromycin und Cotrimoxazol evaluiert.

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Quelle: Cochrane Review: Antibiotics for induction and maintenance of remission in Crohn's disease (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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