Mikronährstoffe (MMS) Schwangerschaft: Supplementierung
Hintergrund
Schwangere Frauen haben einen erhöhten Bedarf an Energie, Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen. Eine unzureichende Nährstoffversorgung kann zu Mangelerscheinungen führen und wird als wesentlicher Faktor für schlechte perinatale Outcomes angesehen.
Weltweit ist Eisenmangel die häufigste Ursache für Anämie in der Schwangerschaft. Die Standardversorgung zur Prävention besteht traditionell aus der alleinigen Supplementierung von Eisen und Folsäure (IFA).
Die vorliegende WHO-Leitlinie evaluiert, ob der Einsatz von multiplen Mikronährstoffpräparaten (MMS), die 13 bis 15 Mikronährstoffe einschließlich Eisen und Folsäure enthalten, der alleinigen IFA-Gabe überlegen ist.
Empfehlungen
Kernempfehlung zu multiplen Mikronährstoffen
Die WHO-Leitlinie empfiehlt multiple Mikronährstoffpräparate (MMS), die Eisen und Folsäure enthalten, nur im Rahmen strenger Forschungsvorhaben (kontextspezifische Empfehlung).
Begründung und Evidenzlage
Laut Leitlinie basiert die Empfehlung auf folgenden Erkenntnissen:
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MMS reduzieren das Risiko für ein niedriges Geburtsgewicht im Vergleich zu IFA-Präparaten um durchschnittlich 12 %.
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Es gibt jedoch widersprüchliche Daten bezüglich der neonatalen Mortalität, insbesondere wenn MMS mit einem geringeren Eisengehalt (30 mg) mit IFA-Präparaten verglichen werden, die eine höhere Eisendosis (60 mg) enthalten.
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Die Evidenz stammt hauptsächlich aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMIC). Die Übertragbarkeit auf einkommensstarke Länder ist unklar.
Anforderungen an zukünftige Forschung
Wenn MMS im Rahmen von Forschung oder Programmen eingesetzt werden, fordert die Leitlinie:
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Kontrollierte klinische Studien, bei denen das Gestationsalter durch frühen Ultraschall sicher bestimmt wird.
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Eine genaue Erfassung kritischer maternaler und perinataler Outcomes sowie die Nachbeobachtung der Kinder.
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Implementierungsforschung zur Bewertung von Akzeptanz, Machbarkeit, Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz bei einer Umstellung von IFA auf MMS.
Berücksichtigung der lokalen Anämie-Prävalenz
Die Leitlinie betont, dass viele MMS (inklusive UNIMMAP) 30 mg elementares Eisen enthalten. In Populationen, in denen Anämie ein schweres öffentliches Gesundheitsproblem darstellt (Prävalenz von 40 % oder höher), empfiehlt die WHO weiterhin Präparate mit 60 mg elementarem Eisen.
Dosierung
Die Leitlinie bezieht sich primär auf die UNIMMAP-Formulierung (United Nations International Multiple Micronutrient Antenatal Preparation), welche folgende Zusammensetzung pro Tagesdosis aufweist:
| Mikronährstoff | Dosis |
|---|---|
| Vitamin A | 800 µg |
| Vitamin D | 200 IE |
| Vitamin E | 10 mg |
| Niacin | 18 mg |
| Folsäure | 400 µg |
| Vitamin B1 | 1,4 mg |
| Vitamin B2 | 1,4 mg |
| Vitamin B6 | 1,9 mg |
| Vitamin B12 | 2,6 µg |
| Vitamin C | 70 mg |
| Zink | 15 mg |
| Eisen | 30 mg |
| Selen | 65 µg |
| Kupfer | 2 mg |
| Jod | 150 µg |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt indirekt vor einer unkritischen Umstellung von hochdosierten Eisenpräparaten (60 mg) auf MMS mit niedrigerem Eisengehalt (30 mg) in Regionen mit hoher Anämieprävalenz, da unklare Effekte auf die neonatale Mortalität beobachtet wurden.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist bei der Erwägung von multiplen Mikronährstoffpräparaten zwingend die lokale Anämieprävalenz zu berücksichtigen. Da Standard-MMS oft nur 30 mg Eisen enthalten, wird in Gebieten mit einer Anämieprävalenz von über 40 % weiterhin eine Supplementierung mit 60 mg Eisen empfohlen, um eine adäquate Versorgung sicherzustellen.
Häufig gestellte Fragen
Die WHO-Leitlinie zeigt, dass MMS das Risiko für ein niedriges Geburtsgewicht um etwa 12 % senken können. Bezüglich anderer maternaler oder perinataler Outcomes, wie der neonatalen Mortalität, zeigt sich jedoch kein eindeutiger Vorteil, weshalb ein routinemäßiger Einsatz außerhalb der Forschung derzeit nicht empfohlen wird.
Das standardisierte UNIMMAP-Präparat enthält laut Leitlinie 30 mg elementares Eisen sowie 0,4 mg Folsäure und 13 weitere Mikronährstoffe.
Die Leitlinie verweist darauf, dass in Populationen, in denen Anämie ein schweres öffentliches Gesundheitsproblem darstellt (Prävalenz ab 40 %), eine Supplementierung mit 60 mg elementarem Eisen empfohlen wird.
Es bestehen laut Leitlinie noch Unsicherheiten bezüglich der Nachhaltigkeit, der höheren Kosten und der Effekte bei einer Umstellung von 60 mg Eisen auf 30 mg Eisen. Zudem stammt die bisherige Evidenz fast ausschließlich aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.
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Quelle: Nutritional interventions update: multiple micronutrient supplements during pregnancy (WHO, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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