Menschen- und Tierbisse: Antibiotika und Wundversorgung

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Menschen- und Tierbisse bergen ein hohes Infektionsrisiko durch eine Vielzahl aerober und anaerober Erreger. Die NICE-Leitlinie NG184 bietet eine strukturierte Strategie zur Antibiotikaverschreibung bei Bissen von Menschen und Tieren.

Ziel ist es, den Antibiotikaeinsatz zu optimieren und antimikrobielle Resistenzen zu verringern. Die Empfehlungen richten sich an medizinisches Fachpersonal, das Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab einem Alter von 72 Stunden behandelt.

Häufige Erreger bei Menschenbissen sind Streptococcus, Staphylococcus aureus und Eikenella corrodens. Bei Katzen- und Hundebissen spielen oft Pasteurella-Arten eine zentrale Rolle bei Wundinfektionen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Beurteilung und Versorgung von Bisswunden:

Initiale Beurteilung und Wundversorgung

Es wird empfohlen, die Art und Schwere des Bisses, das verursachende Tier sowie die Lokalisation und Tiefe der Wunde zu beurteilen. Zudem sollte das Risiko für Tetanus, Tollwut oder blutübertragbare Virusinfektionen evaluiert werden.

Es wird zu einer angemessenen Wundversorgung mittels Spülung und Debridement geraten.

Bei Bissen durch Wildtiere oder exotische Tiere (einschließlich Vögel) wird empfohlen, den Rat eines Mikrobiologen einzuholen. Dies begründet sich durch ein abweichendes Erregerspektrum und das Risiko für andere schwere Infektionen.

Antibiotikaprophylaxe bei Menschenbissen

Bei Menschenbissen, die die Haut nicht durchtrennt haben, wird von einer Antibiotikaprophylaxe abgeraten.

Eine Prophylaxe wird empfohlen, wenn die Haut durchtrennt wurde und es geblutet hat.

Bei durchtrennter Haut ohne Blutung kann eine Prophylaxe in folgenden Fällen erwogen werden:

  • Bei Wunden in Hochrisikobereichen (Hände, Füße, Gesicht, Genitalien, Knorpelstrukturen, schlecht durchblutete Areale)

  • Bei Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko durch Komorbiditäten (z. B. Diabetes, Immunsuppression, Asplenie, dekompensierte Lebererkrankung)

Antibiotikaprophylaxe bei Katzenbissen

Bei Katzenbissen ohne Hautdurchtrennung wird keine Prophylaxe empfohlen.

Eine Prophylaxe wird empfohlen, wenn die Haut durchtrennt wurde und es geblutet hat.

Wenn die Haut durchtrennt wurde, es aber nicht geblutet hat, sollte eine Prophylaxe erwogen werden, falls der Verdacht auf eine tiefe Wunde besteht.

Antibiotikaprophylaxe bei Hunde- und Haustierbissen

Bei Hundebissen oder Bissen anderer traditioneller Haustiere (außer Katzen) ohne Hautdurchtrennung oder ohne Blutung wird keine Prophylaxe empfohlen.

Eine Prophylaxe wird bei blutenden Wunden empfohlen, wenn:

  • Knochen, Gelenke, Sehnen oder Gefäßstrukturen penetriert wurden

  • Es sich um tiefe Wunden, Stich- oder Quetschwunden oder Wunden mit erheblichen Gewebeschäden handelt

  • Die Wunde sichtbar verunreinigt ist (z. B. durch Schmutz oder einen Zahn in der Wunde)

Therapie infizierter Bisswunden

Bei eitrigem oder nicht-eitrigem Ausfluss aus der Wunde wird empfohlen, vor Beginn der Antibiose einen Abstrich für die mikrobiologische Untersuchung zu entnehmen.

Eine antibiotische Therapie wird empfohlen, wenn Symptome oder Anzeichen einer Infektion wie zunehmende Schmerzen, Entzündung, Fieber, Ausfluss oder unangenehmer Geruch auftreten.

Überweisung und fachärztliche Vorstellung

Eine Überweisung ins Krankenhaus wird in folgenden Situationen empfohlen:

  • Bei Anzeichen einer schweren Erkrankung (z. B. schwere Zellulitis, Abszess, Osteomyelitis, septische Arthritis, nekrotisierende Fasziitis oder Sepsis)

  • Bei penetrierenden Wunden, die Arterien, Gelenke, Nerven, Muskeln, Sehnen, Knochen oder das zentrale Nervensystem betreffen

Dosierung

Es wird eine Behandlungsdauer von 3 Tagen für die Prophylaxe und 5 Tagen für die Therapie empfohlen. Bei erheblichen Gewebezerstörungen oder der Penetration tiefer Strukturen kann die Dauer nach klinischer Beurteilung auf 7 Tage verlängert werden.

Dosierung für Erwachsene (ab 18 Jahren)

Indikation / SituationAntibiotikumDosierung
Erste Wahl (oral)Amoxicillin/Clavulansäure250/125 mg oder 500/125 mg 3-mal täglich
Penicillinallergie (oral)Doxycyclin + MetronidazolDoxycyclin: 200 mg an Tag 1, dann 100-200 mg täglich; Metronidazol: 400 mg 3-mal täglich
Schwangerschaft bei PenicillinallergieFachlichen Rat einholenIndividuell
Erste Wahl (intravenös)Amoxicillin/Clavulansäure1,2 g 3-mal täglich
Penicillinallergie (intravenös)Cefuroxim + Metronidazol ODER Ceftriaxon + MetronidazolCefuroxim: 750 mg 3-mal täglich; Ceftriaxon: 2 g 1-mal täglich; Metronidazol: 500 mg 3-mal täglich

Dosierung für Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren)

Indikation / SituationAntibiotikumDosierung
Erste Wahl (oral, ab 1 Monat)Amoxicillin/ClavulansäureAlters- und gewichtsadaptiert (siehe Fachinformation)
Penicillinallergie (oral, <12 Jahre)CotrimoxazolAlters- und gewichtsadaptiert (Off-Label-Use)
Penicillinallergie (oral, 12-17 Jahre)Doxycyclin + MetronidazolDoxycyclin: 200 mg an Tag 1, dann 100-200 mg täglich; Metronidazol: 400 mg 3-mal täglich
Erste Wahl (intravenös)Amoxicillin/Clavulansäure30 mg/kg 2- bis 3-mal täglich (max. 1,2 g/Dosis)

Kontraindikationen

Es wird vor dem Einsatz von Doxycyclin bei Schwangeren, Stillenden und Kindern unter 12 Jahren gewarnt, da es zu Zahnverfärbungen und Zahnschmelzhypoplasien kommen kann.

Bei der Verordnung von Cotrimoxazol wird zur Vorsicht bei älteren Menschen und Personen mit einer Prädisposition für Hyperkaliämie geraten.

Zudem wird darauf hingewiesen, dass Amoxicillin/Clavulansäure mit einem cholestatischen Ikterus assoziiert sein kann, was besonders bei Männern und Personen über 65 Jahren auftritt.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Bei Katzenbissen wird zu besonderer Vorsicht geraten, da die nadelartigen Einstiche oft tiefer sind als sie erscheinen und schwer zu spülen sind, weshalb auch bei nicht blutenden Wunden eine Prophylaxe erwogen werden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Eine Prophylaxe wird empfohlen, wenn die Haut durchtrennt wurde und es geblutet hat. Bei Wunden ohne Blutung kann sie in Hochrisikobereichen wie Händen oder Gesicht sowie bei immunsupprimierten Personen erwogen werden.

Als Erstlinientherapie wird sowohl für die Prophylaxe als auch für die Behandlung von infizierten Bisswunden Amoxicillin/Clavulansäure empfohlen.

Es wird eine Dauer von 3 Tagen für die Prophylaxe und 5 Tagen für die Therapie einer Infektion empfohlen. Bei tiefen oder komplizierten Wunden kann die Dauer auf bis zu 7 Tage verlängert werden.

Bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren wird eine Kombination aus Doxycyclin und Metronidazol empfohlen. Für Kinder unter 12 Jahren wird Cotrimoxazol als Alternative genannt.

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Quelle: NICE NG184: Diverticular disease (NICE). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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