Menopause: Diagnostik, HRT und Therapieempfehlungen
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG23 befasst sich mit der Identifikation und Behandlung der Menopause sowie der vorzeitigen Ovarialinsuffizienz (POI). Sie zielt darauf ab, die Unterstützung und Information für Personen mit menopausalen Symptomen zu verbessern.
Die Menopause ist ein natürlicher Lebensübergang, der meist in der Lebensmitte auftritt, aber auch früher durch medizinische Eingriffe oder genetische Faktoren ausgelöst werden kann. Zu den häufigsten Beschwerden zählen vasomotorische, urogenitale und psychische Symptome.
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer individualisierten Betreuung. Die Therapieentscheidungen sollen auf Basis einer gemeinsamen Entscheidungsfindung unter Abwägung der individuellen Nutzen und Risiken getroffen werden.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie NG23 formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie der Menopause:
Diagnostik
Laut Leitlinie wird die Diagnose der Perimenopause oder Menopause bei ansonsten gesunden Personen ab 45 Jahren klinisch und ohne Labortests gestellt. Dies erfolgt basierend auf vasomotorischen Symptomen und Veränderungen des Menstruationszyklus.
Es wird davon abgeraten, Anti-Müller-Hormon, Inhibin A/B, Östradiol oder die Antralfollikelzahl zur Diagnostik bei über 45-Jährigen heranzuziehen. Die Bestimmung des follikelstimulierenden Hormons (FSH) sollte gemäß Leitlinie nur bei Personen zwischen 40 und 45 Jahren oder bei Verdacht auf eine vorzeitige Ovarialinsuffizienz erwogen werden.
Vasomotorische und psychische Symptome
Die Leitlinie empfiehlt eine Hormonersatztherapie (HRT) zur Behandlung vasomotorischer Symptome. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) oder Clonidin sollen nicht routinemäßig als Erstlinientherapie eingesetzt werden.
Zur Linderung von depressiven Symptomen, die zeitgleich mit der Menopause auftreten, kann laut Leitlinie ebenfalls eine HRT erwogen werden. Zudem wird eine menopausenspezifische kognitive Verhaltenstherapie (CBT) als Option bei vasomotorischen Beschwerden, Schlafproblemen und depressiven Symptomen empfohlen.
Urogenitale Symptome
Bei urogenitalen Beschwerden empfiehlt die Leitlinie:
-
Die Gabe von vaginalem Östrogen, auch bei gleichzeitiger systemischer HRT
-
Die Nutzung von nicht-hormonellen Feuchtigkeitscremes oder Gleitmitteln als Alternative
-
Bei Personen mit Brustkrebs in der Vorgeschichte primär nicht-hormonelle Präparate anzubieten
Vaginale Lasertherapien sollen laut Leitlinie außerhalb von randomisierten kontrollierten Studien nicht zur Behandlung urogenitaler Symptome angeboten werden.
Vorzeitige Ovarialinsuffizienz (POI)
Bei Personen unter 40 Jahren wird die Diagnose einer POI anhand der Symptomatik und zweier erhöhter FSH-Werte im Abstand von 4 bis 6 Wochen gestellt. Es wird empfohlen, die Diagnose nicht auf Basis eines einzelnen Bluttests zu stellen.
Zur Behandlung der POI empfiehlt die Leitlinie eine Hormonsubstitution mittels HRT oder kombinierter hormoneller Kontrazeption. Diese sollte bis zum Erreichen des natürlichen Menopausenalters fortgeführt werden.
Einleitung und Beendigung der HRT
Bei der Wahl der HRT wird gemäß Leitlinie unterschieden:
-
Personen mit Uterus erhalten eine kombinierte HRT
-
Personen nach totaler Hysterektomie erhalten eine Östrogen-Monotherapie
-
Es wird stets die niedrigste wirksame Dosis empfohlen
Beim Absetzen der HRT kann laut Leitlinie zwischen einem schrittweisen Ausschleichen und einem sofortigen Stopp gewählt werden. Beide Vorgehensweisen zeigen langfristig keinen Unterschied hinsichtlich der Symptomrückkehr.
Risikoprofil der Hormonersatztherapie
Die Leitlinie vergleicht die Auswirkungen verschiedener HRT-Formen auf spezifische Gesundheitsrisiken:
| Gesundheitsrisiko | Kombinierte HRT | Östrogen-Monotherapie |
|---|---|---|
| Brustkrebs | Risiko erhöht (steigt mit Anwendungsdauer) | Geringe oder keine Risikoerhöhung |
| Endometriumkarzinom | Risiko sinkt (bei kontinuierlicher Gabe) | Risiko erhöht (bei intaktem Uterus) |
| Koronare Herzkrankheit | Kein erhöhtes Risiko | Kein erhöhtes Risiko |
| Schlaganfall | Risiko erhöht bei oraler Gabe, nicht bei transdermaler Gabe | Risiko erhöht bei oraler Gabe, nicht bei transdermaler Gabe |
| Venöse Thromboembolie | Risiko erhöht bei oraler Gabe, nicht bei transdermaler Gabe | Risiko erhöht bei oraler Gabe, nicht bei transdermaler Gabe |
| Demenz | Mögliches Risiko bei Start ab 65 Jahren | Unwahrscheinliche Risikoerhöhung |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Eine systemische HRT ist bei einer Brustkrebsdiagnose umgehend abzusetzen.
-
Bei Personen mit hormonabhängigen Tumoren in der Vorgeschichte ist eine systemische HRT kontraindiziert.
-
Eine HRT darf nicht zur primären oder sekundären Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden.
-
Eine HRT darf nicht zur Prävention einer Demenz angeboten werden.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die laborchemische Bestimmung von FSH zur Diagnosesicherung bei über 45-Jährigen. Die Leitlinie rät hiervon explizit ab und empfiehlt eine rein klinische Diagnose. Zudem wird bei erhöhtem Thromboserisiko oder Adipositas eine transdermale HRT gegenüber einer oralen Applikation bevorzugt, da das Risiko für venöse Thromboembolien hierbei nicht erhöht ist.
Häufig gestellte Fragen
Bei Personen über 45 Jahren wird die Diagnose laut Leitlinie rein klinisch anhand von Zyklusveränderungen und vasomotorischen Symptomen gestellt. Labortests wie FSH oder Anti-Müller-Hormon werden in dieser Altersgruppe nicht empfohlen.
Nach einer totalen Hysterektomie wird gemäß Leitlinie eine Östrogen-Monotherapie empfohlen. Ein zusätzliches Gestagen zum Endometriumschutz ist in diesem Fall nicht erforderlich.
Die Leitlinie weist darauf hin, dass eine kombinierte HRT das Brustkrebsrisiko zeitabhängig erhöht. Bei einer reinen Östrogen-Therapie ist das Risiko hingegen kaum oder gar nicht erhöht.
Bei urogenitalen Beschwerden nach Brustkrebs werden primär nicht-hormonelle Befeuchtungsmittel empfohlen. Vaginales Östrogen kann laut Leitlinie erst nachrangig und in enger Absprache mit der Onkologie erwogen werden.
Die Leitlinie empfiehlt, eine HRT zur Linderung depressiver Symptome zu erwägen, wenn diese zeitgleich mit der Menopause auftreten. Bei einer diagnostizierten Depression gelten jedoch die regulären psychiatrischen Behandlungsleitlinien.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Menopause: identification and management (NICE, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen