NICE2026Gynäkologie

Mehrlingsschwangerschaft: Diagnostik und Geburtsplanung

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Mehrlingsschwangerschaften gehen mit einem erhöhten Risiko für mütterliche und fetale Komplikationen einher. Dazu zählen Frühgeburten, fetale Wachstumsrestriktionen und spezifische Komplikationen wie das fetofetale Transfusionssyndrom (FFTS) oder die Zwillingsanämie-Polyzythämie-Sequenz (TAPS).

Die NICE-Leitlinie NG137 bietet evidenzbasierte Empfehlungen für die pränatale und intrapartale Betreuung von Zwillings- und Drillingsschwangerschaften. Ein zentraler Fokus liegt auf der frühzeitigen Bestimmung von Chorionizität und Amnionizität, da diese maßgeblich das Risikoprofil der Schwangerschaft definieren.

Durch eine engmaschige Überwachung und die Betreuung durch spezialisierte multidisziplinäre Teams sollen Risiken minimiert und die klinischen Outcomes für Mutter und Kinder verbessert werden. Die Leitlinie umfasst zudem aktualisierte Empfehlungen zur medikamentösen Prävention von Frühgeburten.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Betreuung von Mehrlingsschwangerschaften:

Diagnostik und Chorionizität

Es wird empfohlen, im ersten Trimenon eine Ultraschalluntersuchung zur Bestimmung des Gestationsalters sowie der Chorionizität und Amnionizität durchzuführen. Das Gestationsalter sollte laut Leitlinie anhand des größten Fötus geschätzt werden, um Verfälschungen durch frühe Wachstumsstörungen zu vermeiden.

Bei einer späten Vorstellung (nach 14+0 Wochen) wird eine rasche Bestimmung der Chorionizität anhand der Plazentamassen, Membrandicke, des Lambda- oder T-Zeichens sowie des fetalen Geschlechts empfohlen.

Pränatale Überwachung

Die Leitlinie empfiehlt eine strukturierte Betreuung durch ein spezialisiertes multidisziplinäres Team. Die Frequenz der Routineuntersuchungen richtet sich nach der Art der Schwangerschaft:

SchwangerschaftstypAnzahl der TermineUltraschall-Intervalle
Dichorial-diamniotische ZwillingeMindestens 820, 24, 28, 32, 36 Wochen
Monochorial-diamniotische ZwillingeMindestens 11Alle 2 Wochen ab 16 Wochen
Trichorial-triamniotische DrillingeMindestens 920, 24, 26, 28, 30, 32, 34 Wochen
Monochorial/Dichorial-triamniotische DrillingeMindestens 11Alle 2 Wochen ab 16 Wochen

Zur Überwachung des fetalen Wachstums wird ab der 24. Woche (bei dichorialen Zwillingen) bzw. ab der 16. Woche (bei monochorialen Schwangerschaften) eine regelmäßige Ultraschallkontrolle empfohlen. Dabei sollte die Diskordanz des geschätzten fetalen Gewichts (EFW) berechnet werden.

Bei einer EFW-Diskordanz von 20 % oder mehr, oder wenn ein Fötus unter der 10. Perzentile liegt, wird eine Erhöhung der Überwachungsfrequenz auf mindestens einmal wöchentlich inklusive Doppler-Sonografie empfohlen.

Prävention von Frühgeburten

Es wird empfohlen, zwischen der 16. und 20. Schwangerschaftswoche eine Zervixlängenmessung durchzuführen.

Von der routinemäßigen Anwendung von Bettruhe, Cerclage, Arabin-Pessaren oder oralen Tokolytika zur Prävention von Frühgeburten wird abgeraten.

Geburtsplanung und Timing

Die Leitlinie empfiehlt, die Geburtsplanung ab der 24. Woche zu besprechen. Das empfohlene Timing der geplanten Geburt richtet sich nach der Chorionizität:

SchwangerschaftstypEmpfohlener Zeitpunkt für geplante Geburt
Dichorial-diamniotische Zwillinge37+0 Wochen
Monochorial-diamniotische Zwillinge36+0 Wochen
Monochorial-monoamniotische Zwillinge32+0 bis 33+6 Wochen
Trichorial/Dichorial-triamniotische Drillinge35+0 Wochen

Geburtsmodus und intrapartale Betreuung

Bei unkomplizierten Zwillingsschwangerschaften (dichorial oder monochorial-diamniotisch) nach 32 Wochen mit dem ersten Zwilling in Schädellage gelten sowohl die geplante vaginale Geburt als auch die Sectio als sichere Optionen.

Für die intrapartale Überwachung bei Zwillingsschwangerschaften ab 26 Wochen wird eine kontinuierliche Kardiotokografie (CTG) empfohlen. Eine intermittierende Auskultation wird in diesem Fall nicht empfohlen.

Für die Nachgeburtsperiode wird ein aktives Management der Plazentarperiode empfohlen, da Mehrlingsschwangerschaften ein erhöhtes Risiko für postpartale Hämorrhagien aufweisen.

Dosierung

Die Leitlinie empfiehlt folgendes Dosierungsschema zur Prävention von Frühgeburten bei verkürzter Zervix (≤ 25 mm):

MedikamentDosisIndikationDauer
Progesteron (vaginal)200 mg einmal täglich zur SchlafenszeitZwillings- oder Drillingsschwangerschaft mit Zervixlänge ≤ 25 mmBis zur 34. Schwangerschaftswoche (oder bis zur Geburt, falls früher)

Von der Gabe von intramuskulärem Progesteron zur Prävention spontaner Frühgeburten bei Mehrlingsschwangerschaften wird explizit abgeraten.

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät von folgenden Maßnahmen ab:

  • Keine routinemäßige Gabe von untargetierten (routinemäßigen) Kortikosteroiden zur Lungenreife.

  • Keine physiologische Leitung der Nachgeburtsperiode aufgrund des erhöhten Blutungsrisikos.

  • Keine fetale Kopfblutstimulation bei Zwillingsschwangerschaften zur Beruhigung nach einem pathologischen CTG.

  • Keine Verwendung von fetalen Fibronectin-Tests oder häuslichem Wehenmonitoring zur Vorhersage von Frühgeburten.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie sollte bei der Bestimmung des Gestationsalters im ersten Trimenon stets der größte Fötus als Referenz herangezogen werden. Dadurch wird vermieden, dass das Gestationsalter fälschlicherweise anhand eines Fötus mit einer frühen Wachstumsrestriktion berechnet wird. Zudem wird betont, dass bei unklaren CTG-Befunden unter der Geburt stets auf eine mögliche Zwillingssynchronizität (doppelte Ableitung desselben Kindes) geachtet werden muss.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt bei monochorial-diamniotischen Zwillingen ab der 16. Schwangerschaftswoche eine Ultraschallkontrolle im Abstand von maximal 14 Tagen. Dies dient der frühzeitigen Erkennung von Wachstumsdiskordanzen und dem fetofetalen Transfusionssyndrom.

Eine Überweisung wird unter anderem bei einer Gewichtsdikordanz von 25 % oder mehr empfohlen, wenn das Gewicht eines Fötus unter der 10. Perzentile liegt. Auch bei monoamniotischen Schwangerschaften oder dem Verdacht auf ein fetofetales Transfusionssyndrom sollte laut Leitlinie eine spezialisierte Mitbeurteilung erfolgen.

Bei unkomplizierten Zwillingsschwangerschaften nach der 32. Woche wird die vaginale Geburt als sicher eingestuft, sofern der führende Zwilling in Schädellage liegt. Die Leitlinie weist jedoch darauf hin, dass mehr als ein Drittel der geplanten vaginalen Geburten letztlich in einer Sectio enden.

Bei einer sonografisch festgestellten Zervixlänge von 25 mm oder weniger wird die abendliche vaginale Gabe von 200 mg Progesteron empfohlen. Von Bettruhe, Cerclage oder präventiven Tokolytika wird hingegen abgeraten.

Für Zwillinge ab der 26. Schwangerschaftswoche wird eine kontinuierliche Kardiotokografie (CTG) empfohlen. Es wird geraten, ein tragbares Ultraschallgerät zu Beginn der Wehen zu nutzen, um die fetalen Herzen sicher zu lokalisieren.

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Quelle: Twin and triplet pregnancy (NICE, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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