Zwillings- und Drillingsschwangerschaft: NICE-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Bestimmung von Gestationsalter und Chorionizität sollte im ersten Trimenon per Ultraschall erfolgen.
- •Zur Prävention von Frühgeburten wird bei einer Zervixlänge ≤ 25 mm vaginales Progesteron (200 mg/Tag) empfohlen.
- •Der optimale Entbindungszeitpunkt variiert je nach Chorionizität (z. B. 37 Wochen bei dichorial-diamnioten Zwillingen).
- •In der Eröffnungsperiode wird ab 26 Schwangerschaftswochen eine kontinuierliche CTG-Überwachung beider Feten empfohlen.
Hintergrund
Zwillings- und Drillingsschwangerschaften erfordern eine spezialisierte Betreuung, da sie mit einem erhöhten Risiko für fetale und maternale Komplikationen einhergehen. Die Bestimmung von Chorionizität und Amnionizität ist essenziell für die weitere Risikostratifizierung.
| Schwangerschaftstyp | Chorionizität und Amnionizität |
|---|---|
| Dichorial-diamniote Zwillinge | Eigene Plazenta und eigene Fruchtblase für jedes Kind |
| Monochorial-diamniote Zwillinge | Gemeinsame Plazenta, getrennte Fruchtblasen |
| Monochorial-monoamniote Zwillinge | Gemeinsame Plazenta und gemeinsame Fruchtblase |
| Trichorial-triamniote Drillinge | Eigene Plazenta und Fruchtblase für jedes Kind |
Diagnostik und Überwachung
Die Bestimmung des Gestationsalters und der Chorionizität sollte im ersten Trimenon erfolgen.
- Gestationsalter: Schätzung anhand des größten Feten, um Fehler durch frühe Wachstumsrestriktionen zu vermeiden.
- Chorionizität: Bestimmung mittels Ultraschall (Anzahl der Plazentamassen, Membrandicke, Lambda- oder T-Zeichen).
- Nomenklatur: Feten eindeutig benennen (z. B. oben/unten, links/rechts) und konsistent dokumentieren.
Prävention der Frühgeburt
Mehrlingsschwangerschaften haben ein deutlich erhöhtes Risiko für spontane Frühgeburten. Ein routinemäßiges Screening mittels fetalem Fibronektin oder Heim-Uterus-Monitoring wird nicht empfohlen.
| Maßnahme | Indikation / Bemerkung |
|---|---|
| Zervixlängen-Screening | Einmaliger Ultraschall zwischen 16 und 20 Wochen empfohlen. |
| Vaginales Progesteron | 200 mg/Tag zur Nacht bei Zervixlänge ≤ 25 mm. Fortführung bis 34 Wochen. |
| Nicht empfohlene Maßnahmen | Arabin-Pessar, Bettruhe, Cerclage, orale Tokolytika, intramuskuläres Progesteron. |
Fetale Komplikationen
Die Überwachung auf Wachstumsrestriktionen und das feto-fetale Transfusionssyndrom (FFTS) ist ein zentraler Bestandteil der Schwangerenvorsorge.
- Dichorial/Trichorial: Ultraschallkontrollen ab 24 Wochen (alle 28 Tage bei Zwillingen, alle 14 Tage bei Drillingen).
- Monochorial: Ultraschallkontrollen ab 16 Wochen (alle 14 Tage) zur Überwachung auf FFTS und Wachstumsrestriktion.
- Überweisung in ein Perinatalzentrum: Bei einer geschätzten Gewichtsdifferenz von ≥ 25 % und einem Schätzgewicht unter der 10. Perzentile.
Geburtsplanung und Timing
Der optimale Entbindungszeitpunkt hängt maßgeblich von der Chorionizität ab, um das Risiko des intrauterinen Fruchttods zu minimieren.
| Schwangerschaftstyp | Empfohlener Entbindungszeitpunkt |
|---|---|
| Dichorial-diamniote Zwillinge | 37 Wochen |
| Monochorial-diamniote Zwillinge | 36 Wochen |
| Monochorial-monoamniote Zwillinge | 32+0 bis 33+6 Wochen |
| Trichorial-/Dichorial-triamniote Drillinge | 35 Wochen |
Intrapartale Überwachung und Entbindung
- CTG-Überwachung: Ab 26 Schwangerschaftswochen wird in der Eröffnungsperiode eine kontinuierliche CTG-Überwachung beider Feten (Dual-Channel) empfohlen.
- Analgesie: Eine Epiduralanästhesie wird bei vaginaler Geburt empfohlen, um bei Bedarf eine schnelle operative Entbindung zu ermöglichen.
- Plazentarperiode: Aufgrund des erhöhten Risikos für postpartale Hämorrhagien ist ein aktives Management der Plazentarperiode indiziert. Ein physiologisches Management wird nicht empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Bestimmen Sie die Chorionizität und Amnionizität idealerweise im ersten Trimenon mittels Ultraschall (Lambda- oder T-Zeichen) und dokumentieren Sie die Nomenklatur der Feten (z. B. links/rechts) eindeutig, um Verwechslungen zu vermeiden.