Lenvatinib: Therapie bei Schilddrüsenkarzinom & Nutzen
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des IQWiG bewertet den Zusatznutzen von Lenvatinib bei erwachsenen Personen mit progressivem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem differenziertem Schilddrüsenkarzinom (DTC). Es handelt sich um Tumore, die nicht auf eine Radiojodtherapie angesprochen haben.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) der Wirkstoff Sorafenib festgelegt. Da keine direkten Vergleichsstudien vorliegen, basiert die Bewertung auf einem adjustierten indirekten Vergleich über den Brückenkomparator Placebo.
Hierfür wurden die placebokontrollierten Studien SELECT (Lenvatinib) und DECISION (Sorafenib) herangezogen. Der Bericht analysiert die patientenrelevanten Endpunkte Mortalität, Morbidität, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Nebenwirkungen.
Empfehlungen
Die IQWiG-Nutzenbewertung kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen hinsichtlich des Zusatznutzens:
Bewertung des Zusatznutzens
Laut Bericht ist ein Zusatznutzen von Lenvatinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Sorafenib nicht belegt. Die vorgelegten Daten aus dem indirekten Vergleich werden als nicht verwertbar eingestuft.
Es wird darauf hingewiesen, dass dieses Ergebnis von der G-BA-Bewertung aus dem Jahr 2015 abweicht. Damals galt ein Zusatznutzen aufgrund der Sondersituation für Orphan Drugs formal als belegt.
Methodische Einschränkungen
Die fehlende Belegbarkeit des Zusatznutzens wird im Bericht mit erheblichen methodischen Mängeln der verfügbaren Evidenz begründet:
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Ein direkter Vergleich zwischen Lenvatinib und Sorafenib liegt nicht vor.
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Der indirekte Vergleich für das Gesamtüberleben weist ein hohes Verzerrungspotenzial auf.
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In beiden zugrundeliegenden Studien (SELECT und DECISION) wechselte ein sehr hoher Anteil der Placebo-Gruppe nach Krankheitsprogression zur aktiven Therapie (88 % bzw. 77 %).
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Für Endpunkte zu Nebenwirkungen, Gesundheitszustand und Lebensqualität liegen keine adäquat zeitadjustierten und somit verwertbaren Daten vor.
Dosierung
Die Fachinformation gibt folgende Dosierungsempfehlungen vor:
| Patientengruppe | Empfohlene Tagesdosis | Einnahmehinweise |
|---|---|---|
| Erwachsene Standarddosierung | 24 mg (2x 10 mg + 1x 4 mg) | Einmal täglich, unzerkaut mit Wasser, etwa zur gleichen Tageszeit |
| Schwere Leberfunktionsstörung (Child-Pugh C) | 14 mg | Einmal täglich |
| Schwere Nierenfunktionsstörung | 14 mg | Einmal täglich |
Bei leichten bis mittelschweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen ist laut Dokument keine Anpassung der Anfangsdosis erforderlich. Bei terminaler Niereninsuffizienz wird die Anwendung nicht empfohlen.
Kontraindikationen
Laut den Vorgaben zur qualitätsgesicherten Anwendung bestehen folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
Kontraindikationen
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Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile
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Stillzeit (während der Behandlung kontraindiziert)
Besondere Warnhinweise
Es wird eine engmaschige Überwachung und gegebenenfalls Dosisanpassung oder Therapieunterbrechung bei folgenden Risiken empfohlen:
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Kardiovaskulär: Hypertonie (Blutdruck muss vor Therapiebeginn gut eingestellt sein), arterielle Thromboembolien, Herzinsuffizienz, QT-Zeit-Verlängerung
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Gastrointestinal: Diarrhoe, gastrointestinale Perforationen oder Fisteln
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Organfunktionen: Hepatotoxizität, Nierenversagen, Proteinurie
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Blutungen: Schwerwiegende tumorbedingte Blutungen (z. B. Karotis-Blutungen bei Tumorinvasion)
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Neurologisch: Posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES)
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Endokrin: Störung der TSH-Suppression, Hypothyreose, Hypokalzämie
💡Praxis-Tipp
Es wird dringend empfohlen, den Blutdruck vor Beginn einer Lenvatinib-Therapie optimal einzustellen und diesen insbesondere in den ersten zwei Behandlungsmonaten engmaschig zu kontrollieren. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Lenvatinib die exogene Schilddrüsensuppression stören kann, weshalb eine regelmäßige Überwachung der TSH-Spiegel und eine entsprechende Anpassung der Schilddrüsenhormontherapie indiziert sind.
Häufig gestellte Fragen
Laut der aktuellen IQWiG-Nutzenbewertung ist ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Sorafenib nicht belegt. Dies weicht von einer früheren G-BA-Entscheidung aus dem Jahr 2015 ab, bei der ein Zusatznutzen aufgrund des Orphan-Drug-Status formal anerkannt wurde.
Der Bericht bemängelt das hohe Verzerrungspotenzial der vorliegenden Studiendaten. In den herangezogenen Studien wechselte ein Großteil der Placebo-Gruppe nach Krankheitsprogression zur aktiven Therapie, was den indirekten Vergleich des Gesamtüberlebens stark einschränkt.
Bei einer schweren Nierenfunktionsstörung wird eine reduzierte Anfangsdosis von 14 mg einmal täglich empfohlen. Bei terminaler Niereninsuffizienz wird die Anwendung laut Fachinformation nicht empfohlen, da hierzu keine Daten vorliegen.
Die Kapseln sollen einmal täglich etwa zur gleichen Zeit eingenommen werden, unabhängig von den Mahlzeiten. Es wird empfohlen, die Kapseln unzerkaut mit Wasser zu schlucken oder alternativ in Wasser oder Apfelsaft aufzulösen.
Es wird häufig über eine früh im Behandlungsverlauf auftretende Hypertonie berichtet. Zudem wird auf das Risiko von arteriellen Thromboembolien, Herzinsuffizienz und QT-Zeit-Verlängerungen hingewiesen, weshalb regelmäßige EKG- und Blutdruckkontrollen empfohlen werden.
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Quelle: IQWiG A19-19: Lenvatinib (Schilddrüsenkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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