Lenacapavir zur HIV-PrEP: Dosierung und Teststrategien
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie (2025) adressiert den Einsatz von Lenacapavir (LEN) als neue, langwirksame injizierbare Präexpositionsprophylaxe (PrEP) zur HIV-Prävention. Ziel ist es, die Auswahl an Präventionsmethoden zu erweitern und die Adhärenz durch seltenere Dosierungsintervalle zu verbessern.
Bisherige PrEP-Optionen wie orale Medikamente oder der Dapivirin-Vaginalring erfordern eine regelmäßige Anwendung. Lenacapavir bietet durch eine halbjährliche subkutane Injektion eine Alternative für Personen mit einem substanziellen HIV-Risiko.
Zusätzlich beleuchtet das Dokument angepasste Teststrategien für langwirksame PrEP-Präparate. Hierbei wird der Fokus auf vereinfachte und zugängliche Diagnostik mittels HIV-Schnelltests (RDTs) gelegt, um Barrieren in der Versorgung abzubauen.
Empfehlungen
Diagnostik vor und unter PrEP
Laut Leitlinie wird der Einsatz von HIV-Schnelltests (RDTs) zur Initiierung, Fortführung und Beendigung einer langwirksamen PrEP empfohlen (starke Empfehlung, sehr niedrige Evidenz). Nukleinsäureamplifikationstests (NAT) oder laborbasierte Tests werden nicht zwingend vorausgesetzt.
Vor dem Start von Lenacapavir muss ein negativer HIV-Test vorliegen. Bei einem unklaren Testergebnis empfiehlt die Leitlinie eine erneute Testung nach 14 Tagen, um eine Serokonversion auszuschließen.
Therapie und Prävention
Die Leitlinie empfiehlt, langwirksames injizierbares Lenacapavir als zusätzliche Präventionsoption für Personen mit HIV-Risiko anzubieten (starke Empfehlung, moderate bis hohe Evidenz). Es soll als Teil eines kombinierten Präventionsansatzes zur Verfügung stehen.
Zusätzlich wird empfohlen, bei der Initiierung folgende Aspekte zu berücksichtigen:
-
Angebot von Tests auf Hepatitis B und C sowie sexuell übertragbare Infektionen (STI)
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Aufklärung über die Wichtigkeit der termingerechten Folgeinjektionen
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Sicherstellung eines nahtlosen Übergangs zu anderen PrEP-Methoden bei einem Abbruch der Therapie
Monitoring und Nachsorge
Es wird empfohlen, HIV-Tests routinemäßig bei den Injektionsterminen (alle sechs Monate) durchzuführen. Bei einem positiven Testergebnis unter Lenacapavir ist eine umgehende Bestätigungsdiagnostik und der sofortige Start einer antiretroviralen Therapie indiziert.
Die Leitlinie betont die Notwendigkeit, auf mögliche Resistenzen gegen Capsid-Inhibitoren zu achten, falls es unter der PrEP zu einer HIV-Infektion kommt.
Dosierung
Die Dosierung von Lenacapavir zur HIV-PrEP besteht aus einer oralen Aufsättigung und anschließenden subkutanen Injektionen.
| Phase | Applikationsform | Dosis | Frequenz |
|---|---|---|---|
| Orale Aufsättigung (Tag 1) | Tablette | 600 mg (2 x 300 mg) | Einmalig am Tag der ersten Injektion |
| Orale Aufsättigung (Tag 2) | Tablette | 600 mg (2 x 300 mg) | Einmalig am Folgetag |
| Erhaltungstherapie | Subkutane Injektion | 927 mg (2 x 1,5 ml) | Alle 26 Wochen |
Ein Zeitfenster von plus/minus zwei Wochen um den geplanten Injektionstermin ist laut Leitlinie zulässig. Wenn mehr als 28 Wochen seit der letzten Injektion vergangen sind, muss die orale Aufsättigung wiederholt werden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor der gleichzeitigen Anwendung von Lenacapavir mit starken oder moderaten CYP3A4-Induktoren. Diese können die Plasmakonzentration von Lenacapavir signifikant senken und zu einem Wirkungsverlust führen.
Zu den betroffenen Medikamenten gehören unter anderem:
-
Tuberkulostatika (Rifampicin, Rifabutin, Rifapentin)
-
Antikonvulsiva (Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin)
Da Lenacapavir selbst ein moderater CYP3A4-Inhibitor ist, kann es die Konzentration anderer Medikamente erhöhen. Dies betrifft beispielsweise Ketamin oder PDE-5-Hemmer (Sildenafil, Tadalafil), was auch nach dem Absetzen der PrEP aufgrund der langen Halbwertszeit beachtet werden muss.
💡Praxis-Tipp
Ein kritischer Aspekt bei der Anwendung von Lenacapavir ist der sogenannte pharmakokinetische Tail. Die Leitlinie weist darauf hin, dass der Wirkstoff nach dem Absetzen noch bis zu 12 Monate im Körper verbleiben kann, die Konzentration nach sechs Monaten jedoch nicht mehr vor einer HIV-Infektion schützt. Es wird daher dringend angeraten, bei Beendigung der Injektionen sofort eine alternative HIV-Präventionsmethode zu etablieren, um das Risiko einer Infektion und einer konsekutiven Resistenzentwicklung zu minimieren.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie erfolgt zunächst eine orale Aufsättigung mit 600 mg an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Zeitgleich mit der ersten oralen Dosis wird die erste subkutane Injektion von 927 mg verabreicht, welche danach alle 26 Wochen wiederholt wird.
Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz von regulären HIV-Schnelltests (RDTs) zur Überprüfung des HIV-Status. Teure Nukleinsäureamplifikationstests (NAT) sind für den Start oder die Fortführung nicht zwingend erforderlich.
Es gibt ein Toleranzfenster von zwei Wochen vor und nach dem regulären Termin. Wird ein Termin um mehr als 28 Wochen nach der letzten Injektion überschritten, empfiehlt die Leitlinie eine erneute orale Aufsättigung.
Die bisherigen Daten zeigen laut Leitlinie keine erhöhten Raten an Schwangerschaftskomplikationen oder Geburtsfehlern. Eine Dosisanpassung während der Schwangerschaft oder Stillzeit ist nicht erforderlich.
Vorläufige pharmakokinetische Daten deuten darauf hin, dass es keine klinisch bedeutsamen Interaktionen gibt. Die Leitlinie sieht keine Notwendigkeit für eine Dosisanpassung bei der gleichzeitigen Anwendung von Hormontherapien.
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Quelle: Guidelines on lenacapavir for HIV prevention and testing strategies for long-acting injectable pre-exposure prophylaxis (WHO, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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